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Langenfeld
Niedrige Steuer zieht Kunsthändler an

Langenfeld. Die jüngste Gewerbesteuererhöhung in Krefeld hat die Verlegung der Weng Fine Art AG nach Monheim bewirkt. Von Norbert Stirken und D. Schmidt-Elmendorff

Die börsennotierte Weng Fine Art AG hat ihren Unternehmenssitz von Krefeld-Fischeln nach Monheim verlegt, an die Rheinpromenade 8. Nach der Erhöhung der Gewerbesteuer durch die Politik in Krefeld sei er ins Grübeln geraten, bekannt Geschäftsführer Rüdiger K. Weng. Nachdem Monheim im Gegenzug den Gewerbesteuerhebesatz sogar ein weiteres Mal gesenkt habe, sei die Sache für ihn klar gewesen. Statt 480 Prozentpunkte in Krefeld werde er in Monheim zukünftig nur mit 265 Prozentpunkten veranlagt.

"Durch den Unterschied spare ich sozusagen die Miete für Büros und Lagerräume", erklärt Weng und macht damit die Bedeutung des Standortwechsels deutlich. "Und wir reden von Nettobeträgen", sagte Weng. Die müssten erst einmal erzielt werden und seien einem Vielfachen an Umsatz gleichzusetzen.

Für seine Tätigkeit als international agierender Kunsthändler spiele der Standort eine untergeordnete Rolle. Auch privat - der gebürtige Bockumer wohnt in Oberkassel - seien mit dem Unternehmenssitz Monheim keine Nachteile verbunden. "Fahrtstrecke und Fahrzeit sind nahezu identisch", erklärt Weng.

Der Firmengründer ist nicht der Erste, der wegen der deutlich geringeren Gewerbesteuer den Weg ins rechtsrheinische Monheim suchte. Ende 2013 hat Fressnapf-Gründer Torsten Toeller einen Teil seiner Toeller-Holding abgespalten und seinem Unternehmen Devario West in Monheim angegliedert. Auf Anfrage, warum er Teile seiner Geschäfte nach Monheim verlagert hat, ließ Toeller seinerzeit über einen Sprecher ausrichten, dass "die niedrigen Gewerbesteuern in Monheim sicherlich kein Hindernis gewesen sind".

Die Weng Fine Art AG ist eines der führenden deutschen Kunsthandelsunternehmen. Seit 1994 hat es mehr als 16.000 Gemälde, Skulpturen, Papierarbeiten sowie Druckgrafik von über 800 bedeutenden Künstlern des 20. Jahrhunderts verkauft. Wichtigste Vertriebskanäle sind der internationale Handel sowie Auktionshäuser, darunter die Weltmarktführer Sotheby's und Christie's. Im Fokus stehen marktgängige Künstler wie Picasso, Matisse, Warhol, Lichtenstein, Richter und Hirst - allerdings keine Arbeiten mit sechs- oder siebenstelligem Wert, sondern Objekte aus dem mittleren Preissegment, die einen schnellen Umschlag ermöglichen. Zusätzlich zum B2B-Segment bedient Weng seit 2015 auch den Retail-Mark: Die neu gegründete Tochtergesellschaft WFA Online AG vertreibt über eine Plattform Druckgrafik und Multiples der wichtigsten zeitgenössischen Künstler.

Daniel Zimmermann hat diese Neuigkeit nach eigenen Angaben erst aus der Online-Ausgabe der Rheinischen Post erfahren. Er freue sich über die Entscheidung des Unternehmens, sich in Monheim anzusiedeln. Obwohl er immer betont habe, dass er keinen "Kannibalismus" an Städten im Umland begehen wolle, plage ihn auch kein schlechtes Gewissen, dass sich Weng von dem niedrigen Hebesteuersatz angelockt fühlte, erklärt er. "Als international tätiges Unternehmen hätte die AG ihren neuen Firmensitz auch gut in den Niederlanden oder Belgien einnehmen können, wo die Gewerbesteuerhebesätze noch niedriger sind." So sei sie wenigstens in NRW geblieben.

Quelle: RP
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