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Sebastian Pufpaff
"Obacht, der hat 'ne Macke"

Langenfeld. Der Kabarettist, der vielen aus der "Heute Show" bekannt sein dürfte, kommt morgen ins Bürgerhaus Baumberg.

Herr Pufpaff, am Freitag gibt es Sie ja im Doppelpack - erst live, dann im TV. Was liegt Ihnen näher - die Kleinkunstbühne oder das Studio der "Heute-Show"?

Pufpaff Ich liebe beides. Im Fernsehen kann ich auf eine grössere Humorwerkzeugkiste zurückgreifen, wobei auf der Bühne die Fantasie der Zuschauer gefragt ist. Die Bühne ist ehrlicher und dadurch aufregender.

Obwohl Sie etwas "Anständiges" studiert haben, bot sich Ihr Familienname offenbar für eine Karriere als

Comedian an. Wie haben denn Ihre Eltern auf die berufliche Kehrtwende reagiert?

Pufpaff Bisher haben sie gar nicht reagiert. Vielleicht hoffen sie noch immer, dass ich irgendwann einen vernünftigen Beruf ergreife. Oder sie sitzen gerade bei einem Glas Rotwein und fragen sich: Was macht der Junge eigentlich?

Sie selbst sind mit einer Ärztin verheiratet und haben eine knapp fünfjährige Tochter. Wie erklärt Josefine ihren Kita-Freunden den Beruf ihres Vaters?

Pufpaff O-ton meiner Tochter: Mein Vater macht Quatsch. Was mich beruhigt, der Sohn eines Bankers wurde ebenfalls nach dem Beruf des Vaters gefragt, da antwortete der Sohn: Mein Papa macht nichts.

Das Thema Ihrer Magisterarbeit "Der moderne Politiker - Inszenierung in der Demokratie" ist ja heute aktueller denn je. Haben Sie selbst mal daran gedacht, in die Politik zu gehen?

Pufpaff Ich gehe davon aus, dass ich noch in die Politik gehen werde. Es sind doch herrliche Zeiten für Demagogen, da sollten wir Kabarettisten auf jeden Fall mitmischen. Wahrscheinlich läge die Welt sofort in Trümmern, aber mit lautem Lachen.

Wobei Ihre flammenden Appelle gegen Pegida sowie die AfD und für das verantwortungsbewusste Wählengehen ja sehr überzeugend sind. Haben Sie schon mal blau-rote oder braungefärbte Post bekommen auf Aussagen wie "Es gibt keine Ausländer, es gibt nur Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher"?

Pufpaff Diese Post gibt es regelmäßig und je nach Kondition beantworte ich auch diese. Es geht mir nicht darum, Schlagzeilenkabarett zu machen, sondern nachhaltig zu unterhalten. Dazu gehört der respektvolle Umgang mit Verirrten. Es gibt aber auch die hoffnungslosen Fälle, die fühlen sich meist dann provoziert, wenn man nicht antwortet und das tue ich dann auch sehr gerne.

Ein Dieter Hildebrandt wurde früher vielleicht mal vom Bayrischen Rundfunk boykottiert; Dieter Nuhr bekommt inzwischen Droh-Briefe von Islamisten. Leben Kabarettisten heute gefährlicher?

Pufpaff Es ist ein Qualitätsmerkmal, bedroht zu werden. Sollten sie nicht bedroht werden, dann gelten sie heutzutage als irrelevant. Ich wurde leider noch nie so richtig bedroht. Noch nicht mal angespuckt. Wahrscheinlich bin ich viel zu Mainstream oder die Leute denken: Obacht, der hat 'ne Macke. Lieber nicht ansprechen, nachher reagiert er noch.

In Ihrem aktuellen Programm geht es unter anderem um die "digitalen Legebatterien" sozialer Netzwerke. Ist der Drang des digitalen Exhibitionismus auch ein Phänomen so genannter "Kidults" - also Volljähriger, die nicht erwachsen werden wollen?

Pufpaff Nein, das Phänomen der Kidults beruht eher auf der Aussage: Früher war alles besser. Eine romantisierte Vergangenheit, die überschaubar und sicher war. Das Digitale dagegen ist zum Zeitvertreib geworden, noch schlimmer, zur Zeitvergeudung. Wenn sie nur online sind, gibt es keine weltlichen Probleme und wenn es welche gibt, gehen sie online, dann vergessen sie sie. Und womit schlägt man Zeit besser tot, als damit, andere zu bepöbeln? Die Vision in dem Film Matrix, in der die Menschheit das Futter für Maschinen darstellt, ist realer als wir glauben. Wir betreiben einen riesigen Zeitaufwand, um auf Facebook, Instagram und Co. stattzufinden und bewirken dabei nichts, außer Facebook und Co. immer größer und reicher zu machen.

Sie verstehen sich ja als "Kabarett-Dienstleister" und fragen Ihr Publikum, worüber Sie sich mal aufregen

sollen. Auf welchen Vorschlag warten Sie bis heute?

Pufpaff Alle Vorschläge sind willkommen. Es gibt nicht den einen Vorschlag, auf den ich warte, es gibt meine Probleme und die der Zuschauer und jeder Aufreger ist für mich auch nur ein Aufschlag, um ihn in einen Lacher zu verwandeln. Fragen Sie einen Tennisspieler auf welchen Schlag er bis heute wartet. Er wird auch sagen, alle Schläge sind mir recht, Hauptsache ich verwandele sie danach in einen Punkt.

STEPHANIE MERGEHENN STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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