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Claudia Porysiak, Geschäftsführerin Des Beratungscentrums
Paten für jede Flüchtlingsfamilie gesucht

Langenfeld. Seit Januar ist das beratungsCentrum im Rahmen des Projektes "WELCOME" intensiv in die ambulante Flüchtlingshilfe eingebunden.

Mit wie viel Wochenstunden ist Ihr beauftragter Mitarbeiter für das Projekt abgestellt?

Porysiak: Wir haben nicht einen Mitarbeiter dafür abgestellt, sondern die volle Stelle, die uns die Stadt dafür zusätzlich finanziert, auf drei Mitarbeiter aufgeteilt. Wir wollten das Projekt mit unseren vorhandenen Ressourcen umsetzen. Das hat den Vorteil, dass wir die Strukturen vor Ort kennen und bereits gut vernetzt sind. Tatsächlich blieb uns auch keine Einarbeitungszeit, wir wurde im Januar ins kalte Wasser geworfen, denn es kamen direkt acht Leute.

Wie läuft das "Willkommen heißen" genau ab?

Porysiak: Wir nehmen die Menschen, die über die Bezirksregierung in Arnsberg der Stadt Monheim zugewiesen werden, direkt bei der Ankunft in Empfang. Wir überreichen ihnen ein Paket mit ein paar Informationen, mit Wasser und etwas zu essen, denn bis alle Formalitäten, wie bspw. die Anmeldung im Einwohnermeldeamt etc. erledigt sind, müssen sie meist länger warten. Wir nehmen sie dann an die Hand, geleiten sie zur Sparkasse, wo sie ihren Scheck einlösen können, und gehen mit ihnen einkaufen, um sie mit dem Nötigsten auszustatten. In der Unterkunft erklären wir ihnen das Haus, die Bedienung der Elektrogeräte, stellen ihnen die Ansprechpartner vor, die bei Problemen helfen. Im weiteren klären wir ab, ob Arztbesuche notwendig sind. Man kann sagen, dass 80 Prozent der Kinder krank sind, angefangen bei Bronchitis und grippalen Infekten. Und wir haben viele Menschen, die unter psychischen Erkrankungen oder Traumata leiden. Wir bemühen uns dann, schnell Termine bei entsprechenden Fachärzten zu kriegen.

Wie wird Ihre Hilfe von den Flüchtlingen aufgenommen?

Porysiak: Sehr dankbar, das kann man nicht anders sagen. Es gibt aber auch einige, die schon Kontakte vor Ort haben, weil sie schon mal hier waren. Beim Erstempfang ist man für viele aber erst einmal der Ansprechpartner.

Wie organisieren Sie die Verständigung?

Porysiak: Wenn wir mit Englisch und Französisch nicht weiterkommen, müssen wir Übersetzer zu Hilfe nehmen. Es gibt da viele ehemalige Klienten, auf die wir zurückgreifen können. Das ist hilfreich, weil wir es insgesamt mit fast 40 Nationalitäten zu tun haben. Aber wenn Flüchtlinge und Übersetzer sich kennenlernen, haben erstere dadurch meist schon eine ganz gute Anbindung. Unsere Übersetzer können ihnen eine gelungene Integration vorleben.

Ist die Betreuung von Flüchtlingen, die in LEG-Wohnungen untergebracht sind, schwieriger?

Porysiak: Das ist eine für sie angenehmere Wohnform, weil sie auch leichter in Kontakt zu den Nachbarn kommen. Eine syrische Familie beispielsweise hat beim abendlichen Spaziergang durchs Berliner Viertel einfach Leute angesprochen, von den sie glaubten, sie könnten aus ihrem Kulturkreis kommen. Und tatsächlich sind sie dann zusammen einkaufen gegangen und haben einen Stadtbummel gemacht. In einem solch normalen Umfeld können sie besser ein eigenes Netzwerk aufbauen. Aber für uns ist es ein erheblicher Mehraufwand, weil die Wege weiter sind.

Wie laufen die Bemühungen um eine friedliche Koexistenz mit den Nachbarn der jeweiligen Unterkünfte?

Porysiak: Das machen wir oft gemeinsam mit dem SKFM oder auch den Kollegen der Stadtverwaltung. Herr Nickel vom SKFM kümmert sich momentan vornehmlich um die Niederstraße, wo er auch sein Büro hat, wir um die Danziger Straße. Für Sonntag, den 7. Juni haben wir dort beispielsweise einen Brunch geplant, um die gegenseitige Kommunikation zu fördern. Wir wollen den Nachbarn zeigen, wie die Flüchtlinge wohnen, und um Verständnis werben. Wir hoffen, dass das Angebot von der Nachbarschaft angenommen wird.

Wie läuft es mit der Rekrutierung von Ehrenamtlern?

Porysiak: Das ist schwierig, es melden sich zwar viele, aber im Grunde ist nicht ganz klar, was sie tun könnten, weil sie oft andere Vorstellungen haben als wir. Wir würden gerne für jede Person/Familie einen Paten haben, der sich regelmäßig kümmert und den Menschen zeigt, wie das Alltagsleben funktioniert. Der ihnen etwa in den LEG-Wohnungen erklärt, wie Mülltrennung und Hausflur reinigen geht. Das ist ja wichtig für das nachbarschaftliche Verhältnis. Aber genau diese Regelmäßigkeit ist das Problem. Viele wollen sich nur für eine einmalige Aktion engagieren. Dazu kommt, dass viele der Menschen ja keine Aussicht haben, einen Aufenthaltstatus zu erhalten. Sie können daher plötzlich abgeschoben werden. Die ehrenamtlichen Betreuer sind dann enttäuscht, weil sie unter Umständen viel investiert haben, die fragliche Familie quasi adoptiert haben. Konkret suchen wir momentan jemanden, der mit uns ein Nutzgartenprojekt an der Danziger Straße aufbauen würde, der etwa weiß, wie man sät und erntet.

DIE FRAGEN STELLTE RP-REDAKTEURIN DOROTHEE SCHMIDT-ELMENDORFF

Quelle: RP
 
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