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Langenfeld
Polizei zeigt Radlern, wo's regulär langgeht

Langenfeld: Polizei zeigt Radlern, wo's regulär langgeht
Radfahren auf dem Bürgersteig vorm Rathaus ist nicht erlaubt. In diesem Fall belässt es der Bezirksbeamte Frank Scheffler aber bei einer Ermahnung. FOTO: rm-
Langenfeld. In Langenfeld wurden gestern Pedalentreter und Fußgänger besonders kontrolliert. "Projekt Korrekt" heißt die Aktion, mit der die Polizei auf steigende Unfallzahlen reagiert. Von Thomas Gutmann

Donnerstagvormittag, 11.10 Uhr, Rathaus-Kreuzung, diagonal gegenüber dem Verwaltungsbau. Etwas unsicher kommt die ältere Dame auf dem für Radfahrer freigegebenen Fußweg daher, um von der Solinger- in die Richrather Straße zu kurven. "Sie macht alles richtig, aber wenn sie hier zu Schulschlusszeiten ums Hauseck radeln würde, könnte es trotzdem gefährlich werden für sie", sagt Polizeihauptkommissar Thomas Obst.

"Dann fahren hier nämlich regelmäßig ganze Horden von Schülern auf der linken und somit falschen Seite der Richrather Straße in Richtung Stadtmitte", weiß der Kontrollgruppenleiter der Mettmanner Kreispolizeidirektion Verkehr. Für ihn kein lässlicher Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO), sondern unfallträchtiges Fehlverhalten – "besonders an Stellen mit Sichthindernissen wie dieser".

Um Radfahrer, aber auch Fußgänger zu StVO-konformem Verhalten zu ermahnen, hat die Polizei gestern diese beiden Gruppen besonders in den Blick genommen. Und zwar in den drei Städten des Kreises, in denen es zuletzt zu deutlich mehr Unfällen mir Radlern und Passanten kam: in Langenfeld, Hilden und Ratingen. Die Posthorn-Stadt empfahl sich durch folgende Kennziffern für die Schwerpunktkontrollen unter der Parole "Projekt Korrekt": Laut Polizeistatistik 2013 stieg die Zahl der unfallbeteiligten Fußgänger im Vergleich zum Vorjahr um 54 Prozent (von 24 auf 37 Personen) und die der Radler um 26 Prozent (von 82 auf 103). Bei insgesamt 1836 polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfällen (plus 4,5 Prozent) sind beide Gruppen zwar immer noch recht selten an "offiziellen" Unfällen beteiligt, aber der sie betreffende Anstieg liegt eben deutlich über dem Schnitt.

Zudem ist das Risiko, in Langenfeld im Verkehr zu verunglücken, signifikant höher als anderswo: Die Unfallhäufigkeitszahl (Fälle in Relation zur Einwohnerzahl) liegt 18,4 Prozent, die Verunglücktenhäufigkeitszahl sogar 25,1 Prozent über dem Kreis-Schnitt.

Hier die "gefühlte Hitliste" der StVO-Verstöße durch Radler, wie sie Obst und sein Team gestern, aber auch sonst bei Routinekontrollen feststellen:

Radeln auf der "falschen" Seite: "Wird praktisch überall gemacht, vor allem aber an den Hauptverkehrsstraßen wie Düsseldorfer-, Solinger-, Theodor-Heuss- oder Hauptstraße." Wer erwischt wird wie gestern Morgen etliche Schüler und Berufstätige mittleren Alters, zahlt 20 Euro (auf für Radler freigegebenen Fußwegen 10 Euro). "Die meisten der von uns Angehaltenen haben gesagt, ihnen sei nicht bewusst gewesen, dass sie das nicht dürften", berichtet Mountainbike-Polizist Benjamin von Pohlheim, der gestern mitkontrollierte.

Technische Mängel: In den jüngeren Altersgruppen, schätzt Obst, dürfte fast jeder zweite Radler mit defekter Lichtanlage (20 Euro Verwarngeld) unterwegs sein. Auch kaputte Bremsen seien verbreitet. "Bei BMX-Rädern etwa wird mit der Hacke auf dem Hinterrad gebremst. Deshalb gehören diese Sportgeräte nicht in den Straßenverkehr."

Fahren bei Rot: Entweder direkt oder in der Variante "Rotlicht umfahren" (Straße-Fußweg-Straße). "Letzteres beobachten wir zum Beispiel häufiger am Berliner Platz vor Haus Wagner", sagt Obst. Rotlicht-Missachtung ist für den "Sünder" besonders teuer, wenn das "Auge des Gesetzes" auf ihm ruht: 45 bis 100 Euro, plus Punkte in Flensburg.

Handy am Lenkrad: Kostet 25 Euro. Freisprechen mit Kopfhörer sei zwar erlaubt, aber nicht ratsam, sagt Obst: "Lenkt zu sehr ab vom Verkehrsgeschehen".

Freihändig fahren (5 Euro): "Gerade jungen Leuten ist offenbar nicht klar, dass Bodenwellen oder Steinchen dann schlimme Stürze zur Folge haben können", warnt der Hauptkommissar.

Quelle: RP
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