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Langenfeld
Post verhindert Besuch bei Streikenden

Langenfeld: Post verhindert Besuch bei Streikenden
Halten Streikwache im Briefverteilzentrum an der Elisabeth-Selbert-Straße in Langenfeld: (v.l.) Marion Peinecke, Wolfgang Kremer und Dithard Gaida. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. Besucher, die sich im bestreikten Verteilzentrum umschauen wollen, müssen draußen bleiben. Von Heike Schoog

Gestern, 9 Uhr, vor dem Postverteilzentrum an der Elisabeth-Selbert-Straße in Langenfeld. Das Tor zum Hof des Verteilzentrums ist geöffnet. Rechts ein Banner: "Wir zahlen die besten Löhne" und links: "Top Arbeitgeber Deutsche Post". Auf dem Hof stehen gelbe Transporter mit der Aufschrift DHL. Daneben rollen Fahrzeuge privater Speditionen aufs Gelände. Menschen sind nicht zu sehen. Lediglich hinter der Klappe an der Laderampe schiebt ein Mann Paletten mit gelben Kisten durch den Gang. Vor dem Tor ist ein Verdi-Stand aufgebaut.

Weiter darf die Pressevertreterin nicht vordringen. Laut Pressestelle der Deutschen Post Group ist das Betreten und Fotografieren des Briefverteilzentrums während des Streiks verboten. "Wir wollen keine weiteren Störungen für die Mitarbeiter in unseren Verteilzentren oder Zustellbezirken", sagt Dieter Pietruch, Sprecher der Post.

Hintergrund: Kleine Geschichte der Deutschen Post FOTO: AP

Unter dem Dach des Gewerkschaftszelts sitzt Marion Reincke von der Niederlassung Brief Düsseldorf, zu der rund 5000 Mitarbeiter zählen - von Wuppertal bis Mönchengladbach. Sie ist warm angezogen und hat eine der drei Schichten übernommen. "Wir sind 24 Stunden hier vor Ort", sagt sie, "und zeigen vor allem Präsenz, erinnern daran, dass gestreikt wird und dass wir uns nicht einschüchtern lassen."

Auf dem Tisch stehen Thermoskannen, Plätzchen für die Versorgung der Streikenden, die seit 20 Tagen auf ihre Forderungen aufmerksam machen. Marion Reincke hat Angst um ihren Job und um ihre Rente, ebenso wie ihr Kollege, der nicht genannt werden möchte, aber wacker auf dem Campingstuhl sitzt.

Vor den Toren des Verteilzentrums beobachten sie, was passiert, registrieren vor allem viele private Speditionen. Aushilfskräfte würden ihnen auffallen, so die Streikenden. "Ob die Fahrzeuge etwas bringen oder abholen können wir nicht sagen", kommentieren sie einen einfahrenden Riesen-Lkw. Auch die Mitglieder der Gewerkschaft dürfen nicht aufs Gelände.

Post-Chef Appel im Porträt: Biologe, Ziehsohn und Familienmensch FOTO: AP

Der Betriebsratsvorsitzende Hans-Jürgen Kucharski, der sein Büro im Verwaltungsgebäude hat, darf keine Gäste empfangen. Für ein Gespräch kommt er auf die Straße. Aus seiner Sicht nimmt das Streikgeschehen politische Dimensionen an. Auch die Gewerbeaufsicht sei bereits aufmerksam geworden angesichts der vielen Veröffentlichungen in den Netzwerken.

Bei der Post will man von Gewerbeaufsicht oder Arbeitsschutz nichts hören. "Wir sind ein seriöses Unternehmen und haben gesetzliche Vorgaben, die wir auch einhalten", sagt Pietruch unmissverständlich an die Adresse von Verdi.

Dennoch: Die Bezirksregierung Düsseldorf hat gestern bestätigt, dass der Arbeitsschutz gestern auch auf dem Gelände des Langenfelder Briefverteilzentrums die Zustände überprüft hat.

Die musste die Post wohl hereinlassen - auch wenn sie ihre Vorgaben einhält.

Quelle: RP
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