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Interview mit "Tatort"-Darstellerin Mechthild Großmann
"Rauchstimme - hatte ich schon mit sechs"

Interview mit "Tatort"-Darstellerin Mechthild Großmann: "Rauchstimme - hatte ich schon mit sechs"
"Ich konnte nie die junge Liebhaberin spielen, sondern war oft der Freak": Mechthild Großmann ist bekannt für ihr markantes Timbre, nach ihren eigenen Worten "eine Laune der Natur". FOTO: Daniel Sadrowski
Langenfeld. Millionen "Tatort"-Fans kennen sie als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm aus Münster. Am Sonntag liest Schauspielerin Mechthild Großmann in der Langenfelder Wasserburg Haus Graven zwei Monologe ihres Lieblingsschriftstellers Alan Bennet.

Frau Großmann, wir freuen uns, dass Sie nach Langenfeld kommen. Liegt das daran, dass Ihr Bruder hier lebt?

Großmann Nein. Ich komme auch sonst überall hin. Aber man hat tatsächlich einen meiner Brüder (ich habe drei) gefragt, ob er mal mit mir spricht. Ich wollte ihn ohnehin besuchen. Das passt gut.

Der Titel der Lesung heißt: "Ein Kräcker unterm Kanapee". Was dürfen wir erwarten? Etwas Skurriles?

Großmann Kaum. Es geht hier um Literatur des Engländers Alan Bennet in bester deutscher Übersetzung von Ingo Herzke. Das ist hohe Literatur, gewürzt mit englischem Humor. Die Genauigkeit, mit der der Autor Menschen beschreibt, hat manchmal etwas Bitterböses und Brutales, weil es die Wahrheit ist, aber dann auch wieder etwas sehr Humanes, Liebevolles und Zärtliches.

Worum genau geht es?

Großmann Ich lese zwei Monologe verschiedener Frauen: "Die Frau mit dem Füllfederhalter". Sie schreibt sich alles auf, der Füllfederhalter ist ihr bester Partner. Und dann "Ein Bett zwischen Linsen". Es geht um eine anglikanische Pfarrersfrau, die ein Alkoholproblem hat. Es ist erstaunlich, wie gut der Autor sich in Frauen versetzen kann. Ich liebe diese Monologe. Sie haben eine sehr schöne Sprache.

Ich habe gehört, Sie haben es nicht so gerne, wenn man Sie auf Ihre Rolle als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm im Münsteraner "Tatort" anspricht?

Großmann Ich werde schon gerne darauf angesprochen, aber nicht gerne darauf reduziert. Ich arbeite drei bis vier Tage im Jahr für die "Tatort"-Aufnahme. Aber ich habe 50 Lesungen im Jahr, spiele Theater in Bochum und bei Pina Bausch in Wuppertal. Im "Tatort" sage ich oft nur den einen Satz: "Gute Arbeit, Thiel!" - und alle sind begeistert.

Wie erklären Sie sich die Beliebtheit beim Publikum in dieser Rolle?

Großmann Gar nicht. Das überlasse ich den Zuschauern. Das ist eine ganz kleine Zubringerrolle, die ich da habe und auch gerne spiele. Ich hätte damals, als man mir das Angebot machte, nie gedacht, dass das so erfolgreich würde. Die Arbeit mit Pina Bausch ist mir natürlich sehr sehr viel wichtiger. Für das Tanztheater arbeite ich im 41. Jahr. Allerdings seit 20 Jahren nicht mehr fest im Ensemble. Und in Bochum spiele ich derzeit Dürrenmatts Besuch der alten Dame.

Sie sind sehr fleißig.

Großmann Ja, und das, obwohl ich 68 bin. Ich bin nämlich endlich das, was man mir immer vorgeworfen hat: eine alte Achtundsechzigerin.

Zum Schluss noch die unvermeidliche Frage zu Ihrer markanten Stimme. Ist sie mühselig erraucht?

Großmann Das ist eine Laune der Natur. Ich hatte schon als sechsjähriges Kind diese Stimme. Und da habe ich noch nicht so viel geraucht. Diese Stimme schließt allerdings auch vieles aus. Ich konnte nie die junge Liebhaberin spielen, sondern war oft der Freak. Ich kann auch nicht kreischen wie eine Frau. Aber selbst wenn die Stimme mich heraushebt: Nur brummen allein ist nicht abendfüllend. Ich muss dem Ganzen schon Leben verleihen.

ISABEL KLAAS STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
 
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