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Monheim
Recycelte Vasen und fliegende Elefanten

Monheim: Recycelte Vasen und fliegende Elefanten
Luda Liebe ist immer für eine Überraschung gut: Sie bemalte Glasflaschen mit Sinnsprüchen. FOTO: Matzerath
Monheim. Zwölf Künstler waren bei der 22. Monart im Sojus dabei und boten spannende Vielfalt. Von Isabel Klaas

Diese Handtasche sollte man möglichst nicht mit ins Theater nehmen. Auch wenn sie mit ihrem gedrehten silbernen Henkel und dem schicken Verschlussknopf äußerst elegant wirkt. Sie ist aus Stein. Geschaffen hat sie die Künstlerin Rosemarie Bruchhausen, die zusammen mit elf weiteren Kunstschaffenden ihre Bildhauerarbeiten im Sojus bei der 22. Monart ausstellte.

Nicht nur die vielen Besucher, die Samstag und Sonntag die Sammelausstellung besuchten, auch die Aussteller selbst waren äußerst zufrieden mit dem Event, das in entspannter Atmosphäre stattfand. Immer wieder hoben die Veranstalter "das Herz der 22. Monart", die Künstlerin Hilde Weyler, hevor, die zarte Dame mit schwarzem Hütchen, die es seit 22 Jahren immer wieder schafft, die Kreativen aus Monheim und Umgebung zusammenzuführen, um dem Publikum eine bunte Melange vieler Kunstwerke zu zeigen. Dazu gibt es Musik vom Band und Live-Konzerte sowie selbst gemacht Häppchen aus der Küche der Kunstschaffenden. Denn schließlich soll es gemütlich zugehen, an diesem zwei Tage dauernden Treff im Sojus 7.

Immer wieder dabei auch die unermüdliche Monheimer Aktionskünstlerin Luda Liebe, ein Quell witziger Ideen. Diesmal waren es "Blumenvasen im Upcycling", wie Wiederverwertung heute so schön auf Neudeutsch heißt. Liebe präsentierte bemalte Glasflaschen mit Sinnsprüchen wie "Man muss sich auch über die großen Dinge des Lebens freuen."

Pure Lebensfreude versprühen auch die Bierdeckel-Kunstwerke von "Hank" mit ihren Sonnen, Hunden, Katzen und fliegenden Elefanten in Comic-Manier. Die Miniatur-Werke sind übrigens so aufwendig hergestellt, dass man nur staunen kann. Da ist offensichtlich ein Pedant an der Arbeit.

Grundieren, mit Buntstift vorzeichnen, mit Feder nachzeichnen, Buntstift wegradieren, Fehler mit dem Skalpell wegkratzen, Konturen nachziehen mit Feder und dann kolorieren. Hank, der Mann, der Menschen und Tiere mag, hat ein buntes naives Universum geschaffen, das fröhlich macht und viele Abnehmer finden.

Den krassen Gegensatz zeigte der jüngste Teilnehmer der Ausstellung, Benedikt Zimmermann (25), der einen Besuch im KZ in Auschwitz in kleinen schwarz-weißen Detailfotos auf Metall wiedergibt. "Ich habe extra so klein gearbeitet, da muss man stehenbleiben und hingucken. Da kann man nicht einfach vorbeilaufen", sagt er.

Fotos präsentiert auch Hans-Jörg Figge im Gemäuer der alten Krautfabrik. Sie erinnern an Kaleidoskope. Aus vergammelndem Gestrüpp am Wasser macht er filigrane Motive durch symmetrisches Vervielfachen.

Die Vielfalt der Arbeiten machte den Besuch diesmal besonders spannend. Die Gäste bestürmten die Künstler mit Fragen. Das Gespräch erlaubte ihnen mitunter einen ganz neuen Blick auf Fotos, Gemälde und Drucke. Ob es nun die gegenständlichen Ölbilder von Christine Ern waren, die sogar ein signiertes Portrait von Helmut Schmidt ausstellte, die kleinen Pixelfiguren, die Karl-Heinz Swaggert aus Bügelperlen schafft, die wunderbaren Guachen von Vera Werdehausen (Verell), die von Pastellfarben umgebenen Weißraum schaffen, der an stilisierte Stillleben erinnert, Flip-Flops aus Lava, Ketten von Kiki aus vielfarbigen Naturstoffen, Linoldruck oder aufgespachtelte Neon-Werke, die unter entsprechender Beleuchtung ihre Erscheinung ändern - es gab unendlich viel zu entdecken.

Und am Samstagabend auch zu feiern: mit der koreanischen Trommelgruppe "Han Sori", die die Halle im Sojus zum Beben brachte, mit "Chor Fee to go" und ihrer Spezialität, dem A-capella-Gesang sowie der Liedermacher-Band Flaschenkinder.

Quelle: RP
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