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Michael Clausecker
"Rheinbahn fährt bald mehr am Abend"

Michael Clausecker: "Rheinbahn fährt bald mehr am Abend"
Michael Clausecker leitet seit Januar 2016 die Rheinbahn. Er soll das Unternehmen auf Wachstumskurs bringen. FOTO: Andreas Endermann
Langenfeld. Der Vorstandschef berichtet, wie er mehr Fahrgäste für Bus und Bahn gewinnen will, warum Park-and-Ride-Plätze unterschätzt werden - und wie er sich den häufigen Streit mit dem Aufsichtsrat erklärt.

Sie haben bei ihrem Antritt als Rheinbahnchef vor rund anderthalb Jahren angekündigt, dass Sie häufig mit der Bahn zur Arbeit fahren wollen. Haben Sie diese Ankündigung umgesetzt?

Clausecker Ja. Ich bin regelmäßiger Nutzer. Im Sommer fahre ich lieber mit dem Rad, aber vor allem im Winter nehme ich die Bahn.

Welche Erkenntnisse haben Sie als Fahrgast gewonnen?

Clausecker Ich wohne in Flingern und steige an der Uhlandstraße ein. Da fahren wir auf der Wehrhahn-Linie mit enormer Kapazität. Selbst zu Spitzenzeiten ist noch Platz. Auf dieser Linie geht noch mehr.

Sehen Sie als Fahrgast auch Dinge, die man verbessern könnte?

Clausecker Klar. Die Kollegen erfahren oft, was der Chef erlebt hat. Ein Thema ist Sauberkeit. Insgesamt ist der Zustand gut, man muss aber genau hinschauen. Wir haben im vergangenen Jahr eine Aktion gestartet und viele Sitzpolster erneuert. Dieses Jahr haben wir Kaffeebecher in den Fokus genommen.

Sie sind angetreten mit der Aufgabe, mehr Fahrgäste zu gewinnen. Sie haben dem Aufsichtsrat ein Paket mit Ideen vorgelegt - und seitdem gibt es viel Ärger. Sie mussten zum Beispiel Ihr Konzept für Metro-Busse mehrfach überarbeiten. Was läuft schief?

Clausecker Im Großen und Ganzen läuft gar nichts schief. Ich soll für Wachstum sorgen. Die Rheinbahn hat ja 2015 sogar Fahrgäste verloren, und das in einer wachsenden Stadt. Wir haben uns vorgenommen, bis ins Jahr 2021 mehr als drei Mal so schnell zu wachsen wie die Stadt, nämlich um zwei Prozent pro Jahr. Wir wollen ein größeres Stück vom Kuchen.

Es scheinen aber nicht alle überzeugt von Ihrem Weg zum Ziel zu sein.

Clausecker Wir haben eine sorgfältige Analyse gemacht. Dann haben wir ein Strategiekonzept entwickelt, das aus 31 Projekten besteht. Ein bedeutender Bestandteil sind die Metro-Busse, weil sie eine Schwäche im Netz beheben: Sie verbinden Stadtteile, ohne dass Fahrgäste erst in der Innenstadt umsteigen müssen. Es ist gut, dass das Vorhaben eifrig diskutiert wurde. Jetzt haben wir Klarheit: Wir werden im Sommer 2018 mit drei Linien starten.

Ihre Idee eines Flughafen-Shuttles, der Fahrgäste zu Hause abholt, ist hingegen durchgefallen.

Clausecker Dieses Projekt hat zu vielen Diskussionen im Aufsichtsrat geführt. Manche Mitglieder haben die Sorge, dass es die anstehende Direktvergabe an die Rheinbahn gefährden würde. Deshalb haben wir als Vorstand gesagt, dass wir das Projekt zurückstellen. Man muss aber auch sehen: 30 von 31 Projekten aus dem Wachstums-Paket hat der Aufsichtsrat akzeptiert.

Warum sind die Debatten derzeit so emotional?

Clausecker Ich glaube, dass viele Konflikte daher rühren, dass wir die Arbeit mit der Stadt umkrempeln.

Wie meinen Sie das?

Clausecker Früher hat das Amt für Verkehrsmanagement diktiert, was die Rheinbahn zu tun hat. Jetzt kommt die Rheinbahn auf Wunsch des Oberbürgermeisters mit eigenen Konzepten. Das ist auch für die Politik neu. Dazu kommt, dass wir Zeitdruck wegen des Nahverkehrsplans hatten. Die Debatte ist sicher nicht spannungsfrei verlaufen, aber das ist völlig normal. Im Aufsichtsrat sitzen starke Persönlichkeiten mit eigenen Ideen. Und natürlich wird dort der politische Streit aus dem Stadtrat weitergeführt.

Vernachlässigen Sie wegen der Freude an neuen Produkten das Kerngeschäft? Viele Linien sind im Berufsverkehr überfüllt, die Politik fordert zudem mehr Verkehr am Abend.

Clausecker Nein, wir kümmern uns um das Kerngeschäft. Das wird wegen der neuen Ideen vielleicht weniger beachtet. Wir haben durch bessere Wartung die Zahl der Zugausfälle enorm verringert. Und wir haben bereits ein Konzept erarbeitet, wie wir den Takt am Abend verdichten wollen. Das muss man wirtschaftlich vernünftig machen: Wir werden nicht einfach auf allen Linien mehr fahren, sondern wir richten uns nach der Nachfrage.

Wie weit ist die Umsetzung?

Clausecker Auf der U76 verkehren wir bereits seit Oktober 2016 mehr. Wir haben dort den 15-Minuten-Takt aus der Hauptverkehrszeit von 19 Uhr bis ungefähr 21 Uhr ausgedehnt. In den nächsten 18 Monaten folgen weitere Stadtbahnlinien, dann Straßenbahnen und Busse.

Ein großer Teil der Berufspendler nutzt aber immer noch das Auto. Wenn Sie diese Menschen gewinnen wollen, müssen Sie ihnen ein besseres Angebot machen. Wie soll das gehen?

Clausecker Wir können am meisten in den Zeiten gewinnen, wo heute schon am meisten los ist. Ein wichtiges Projekt sind dafür die Park-und-Ride-Plätze. In Düsseldorf nutzt ein geringer Teil der Pendler dieses Angebot, es sind weniger als ein Prozent. In anderen Städten sind es bis zu 6,5 Prozent. Wir wollen die Plätze mit besserer Beleuchtung und einem Informationssystem ausstatten. Außerdem sollen sie Schranken erhalten. Die Nutzer zahlen dann eine kleine Gebühr. Abonnenten erhalten eine Vergünstigung. Zeitgleich arbeiten wir daran, dass die Anlagen in Online-Plänen und Apps auftauchen - das ist entscheidend dafür, dass die Menschen sie bemerken.

Wenn Berufspendler es einmal bis zur Stadtgrenze geschafft haben, dann werden sie auch durchfahren.

Clausecker Ja. Aber viele Plätze liegen jenseits der Stadt in der Nähe von Stationen. Zum Beispiel in Krefeld-Dießem oder Meerbusch.

Passen denn in der Rush Hour überhaupt mehr Menschen in die Züge?

Clausecker Wir dürfen uns keine geistige Schranke auflegen, weil die Züge heute schon voll sind. Wenn die Nachfrage über dem Angebot liegt, werden wir mehr einsetzen.

Sie wollen vieles verändern. Dadurch steigt auch der Druck auf die Mitarbeiter. Manche beklagen mehr Stress und eine angespannte Stimmung.

Clausecker Für die Fahrer, das ist die Hälfte der Belegschaft, hat sich nicht viel verändert. Klar gibt es Fragen, zum Beispiel aus der Werkstatt. Das ist legitim, da müssen wir die Mitarbeiter überzeugen. Sicher bin ich sehr ehrgeizig, vor allem in Marketing und Vertrieb. Ich glaube, durch mehr Leidenschaft können wir mehr Kunden gewinnen.

In Düsseldorf startet bald eine Teststrecke für autonomes Fahren. Auch die Rheinbahn ist beteiligt. Gibt es bald keine Fahrer mehr?

Clausecker Unser Ziel ist es, durch neue technische Systeme die Sicherheit zu erhöhen. Das Umfeld in Düsseldorf ist komplex. Selbstfahrende Bahnen sehen wir auf absehbare Zeit noch nicht.

Sie haben angekündigt, dass Sie selbst einen Führerschein für Busse machen wollen. Gibt es Fortschritte?

Clausecker Ja. Ich habe jetzt etwa 20 Theoriestunden gemacht. Bis zum Führerschein ist es aber ein weiter Weg, das Motorradfahren ist viel leichter. Was ich schon sagen kann: Mit jeder Fahrstunde wächst mein Respekt vor den Kollegen.

ARNE LIEB FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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