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Langenfeld
Rheinische Kliniken in Geldnot

Langenfeld: Rheinische Kliniken in Geldnot
Holger Höhmann rechnete die schwierige Finanzlage vor. FOTO: RPO
Düsseldorf. Die Rheinischen Kliniken schlagen laut Alarm. Dass Betriebsleitung und Personalrat wegen der prekären Finanzlage gemeinsam zur Teilnahme an der Berliner Großdemonstration am 25. September aufrufen, verdeutlicht den Ernst der Lage. Von Stephan Meisel

"Trotz sonst oft verschiedener Positionen sind wir uns in dieser Hinsicht vollkommen einig", versicherte gestern der kaufmännische Klinikdirektor Holger Höhmann im Gespräch mit der RP. Und räumte in Anbetracht eines sich für 2009 abzeichnenden Finanzierungslochs in Millionenhöhe auf die Frage nach Lösungsmöglichkeiten ein: "Ich bin ziemlich ratlos..."

Höhmann hat fürs kommende Jahr eine Deckungslücke in Höhe von 1,9 Millionen Euro errechnet. Dieses Ungleichgewicht ergebe sich einerseits aus den durch die Tarifabschlüsse um 4,7 Prozent steigenden Personalkosten, dem auf der anderen Seite ein um maximal 1,81 Prozent erhöhtes Budget ("das ist die Obergrenze dessen, was wir mit den Krankenkassen aushandeln können") gegenüber stehe.

Neben steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen, bei denen durch Einkaufsgemeinschaften schon sämtliche Sparmöglichkeiten ausgereizt seien, kommen nach Höhmanns Worten weitere Punkte hinzu, die die Kosten unabdingbar nach oben schnellen lassen. "Die Fallzahlen in den Rheinischen Kliniken sind in den letzten Jahren rasant gestiegen und die Verweildauer hat sich deutlich verkürzt".

1997 seien in Langenfeld 3621 Patienten stationär behandelt worden, die durchschnittliche Verweildauer lag bei 37 Tagen. 2007 waren es bereits 5185 Patienten und die Verweildauer lag bei nur noch 26 Tagen.

Da gerade die ersten Behandlungstage stationär aufgenommener Patienten durch aufwändige Eingangsuntersuchungen und Diagnosen sehr teuer sind, wirke sich die kürzere Verweildauer kaum kostensparend aus. Höhmann: "Die eher preiswerten Tage am Ende der Therapie fallen weg, gleichzeitig bleibt die Belegung der Stationen gleich hoch." Alle Möglichkeiten

Personal belastet

Der Personalratsvorsitzende Wolfgang Zimmermann ergänzt, dass die steigenden Patientenzahlen und die kürzeren Verweildauern die Belegschaft immer stärker in Anspruch nehmen. Am Dienstag nahmen an einer außerordentlichen Betriebsversammlung etwa 150 Beschäftigte teil.

Zimmermann: "Die Belegschaft macht sich berechtigterweise große Sorgen um ihre Arbeitsplätze und die Qualität der Behandlung." Gemeinsam mit der Betriebsleitung rief der Personalrat ausdrücklich zur Teilnahme an der Demonstration am 25. September in Berlin auf. Gewerkschaften, Ärzte- und Arbeitgeberverbände sowie Krankenhausträger wenden sich unter dem Motto "Der Deckel muss weg" gegen das System der so genannten Budgetdeckelung.

Ein Ausgleich des sich abzeichnenden Defizits der Rheinischen Kliniken über kommunale Umlagen komme nicht in Betracht, betont Höhmann. Doch Alternativen kann er nicht nennen. "Wenn sich an dem System der Budgetdeckelung nichts ändert", meint der Klinikdirektor, "steht neben den Arbeitsplätzen auch die Qualität der Behandlung der Patientinnen und Patienten ernsthaft auf dem Spiel."

Quelle: RP
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