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Langenfeld
Richrath: Friede, Freude, Blitzmarathon

Langenfeld. Bei der ersten europaweiten Geschwindigkeitskontrolle wurde gestern auch in Langenfeld geblitzt. Eine Messstelle war an der Kaiserstraße. Von Ann-Kristin Schöne

Der Blick richtet sich durch das Zielfernrohr, der rote Laserpunkt wird schnell und zielgenau platziert, es wird abgedrückt. Was nach Videospiel klingt, ist harte Polizeiarbeit: Um 9.30 Uhr haben sich die drei Beamten Thomas Büscher, Gernod Petersik und Frank Schöffler auf der Kaiserstraße, Ecke Berghausener Straße positioniert. "Der Volkswille hat uns hierher gebracht", sagen sie scherzhaft. Denn die Bürger konnten vorab entscheiden, an welchen Stellen in der Stadt beim achten Blitzmarathon Messungen durchgeführt werden sollten. Eine Wahl fiel auf die Kaiserstraße, dort gilt Tempo 20.

Ob sich daran alle halten, prüfen die Polizisten mit einem Laser-Messgerätes. Gernod Petersik blickt durch das Zielfernrohr. Er muss den roten Laserpunkt auf eine reflektierende Fläche am Auto richten, damit die Messung funktioniert. Eine solche Fläche bietet beispielsweise das Kennzeichen. Doch gerade befindet sich das Ziel woanders, denn Petersik hat ein Motorrad im Visier. Der Beamte peilt den Helm des Fahrers an und landet einen Treffer: Mit 35 km/h ist das zweirädrige Gefährt unterwegs. Macht nach Abzug des Toleranzwertes von drei km/h eine Überschreitung von zwölf km/h. Das bedeutet 25 Euro Strafe. Zahlen muss die der 17-jährige Fahrer, der kaum verärgert wirkt. "Ich dachte, hier würde Tempo 30 gelten", erklärt er. Mit dieser Fehleinschätzung steht er an diesem Tag nicht alleine da. Auch ein anderer Mann, der sieben km/h zu schnell fährt, ist in diesem Glauben und betont gar: "Ich habe überhaupt noch nie ein Tempo-20-Schild gesehen."

Gegen 11.45 Uhr ist der 17-jährige Motorradfahrer mit seinen zwölf km/h zu viel auf dem Tacho der Spitzenreiter des Tages. Für die Polizeibeamten ist dennoch alles "ganz easy": "Was wir bisher gemessen haben, ist weit weg vom Rasen", sagt Thomas Büscher. Ihm und seinen Kollegen ist allerdings auch klar, woran das liegt: "Zum einen war das Blitzen angekündigt, zum anderen haben wir uns gut sichtbar positioniert. Der Blitzmarathon ist ja eine Präventionsmaßnahme." NRW-Innenminister Jäger hatte betont: "Wir wollen die Köpfe der Menschen erreichen, nicht ihr Portemonnaie." Das klingt nach einem vernünftigen Ziel, das die drei Langenfelder Beamten jedoch für illusorisch halten: "Damit sich das Gesamtverhalten wirklich verändert, müsste es einen permanenten Kontrolldruck geben", meint Frank Schöffler.

Immerhin scheint der Blitzmarathon innerhalb der Bevölkerung auf Zustimmung zu stoßen, zumindest bei den Richrathern. Sichtlich zufrieden betrachtet Frano Zelic die Arbeit der Beamten an der Kaiserstraße: "Das ist eine gute Aktion. Hier fahren so viele Autos viel zu schnell." Eine alte Dame hält sogar freiwillig mit ihrem Auto an und ruft freudig: "Ich bin nicht zu schnell gefahren. Ich achte immer darauf." Auch die Erwischten selbst haben allesamt Verständnis für die Aktion der Polizei. "Wenn einer von ihnen seinen Führerschein abgeben müsste, sähe das anders aus", weiß Gernod Petersik aus Erfahrung. Soweit ist es bis zur Mittagszeit aber noch nicht gekommen. Die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer fährt freundlich an den Beamten vorbei. Statt Ärger und Zorn ist an der Kaiserstraße viel Verständnis für die Kontrolle zu spüren.

Quelle: RP
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