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Langenfeld
Riss klafft zwischen Stadt und Bauverein

Langenfeld. Langenfelds wichtigster Akteur auf dem Wohnungsmarkt hat einen neuen Chefaufseher. Frank Schneider ist es nicht mehr. Der Bürgermeister kann nicht mit Bauvereinschef Dedeck. Von Thomas Gutmann

Schon vor mehr als 1000 Tagen passte weit mehr als nur ein Blatt Papier zwischen Frank Schneider und Hubertus Dedeck. Im März 2012 war das, beim ersten Spatenstich für das eigene Nahwärmenetz des Bauvereins Langenfeld (BVL). Bürgermeister und BVL-Chef schippten gemeinsam, aber nicht einträchtig nebeneinander. Zwischen ihnen standen noch zwei weitere Projektbeteiligte. Jetzt hat der BVL-Aufsichtsrat seinen bisherigen Vize Rolf Gassen einstimmig zum Vorsitzenden gewählt - als Nachfolger des zurückgetretenen Frank Schneider. "Ich stehe dem Bauverein gerne zur Verfügung", sagte der CDU-Politiker gestern auf RP-Anfrage, "aber nur mit einem anderen als Herrn Dedeck an der Spitze".

Im Aufsichtsrat stand Schneider mit seiner Anti-Dedeck-Position zuletzt allein. Soll dieser, der im Januar 65 Jahre alt wird, über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus die Geschäfte des Bauvereins führen, lautete die Streitfrage. In einer außerordentlichen Sitzung am 19. August sagte der Aufsichtsrat: Ja. Mit acht zu eins Stimmen wurde Dedecks Amtszeit bis August 2018 verlängert. Schneider trat zurück.

"Ein Ehrenamt weniger", sagt der Rathaus-Chef drei Monate später über diesen Schritt. Aber so simpel ist das nicht. Seit Gründung des Bauvereins vor fast 97 Jahren stand fast ausnahmslos der jeweilige Bürgermeister oder Stadtdirektor an der Spitze des BVL-Aufsichtsrats. Aus gutem Grund: Die Wohnungsbaugenossenschaft ist, was bezahlbaren Wohnraum angeht, der wichtigste Akteur in Langenfeld. Zwar ist die Stadt, anders als noch vor 20 Jahren, nicht mehr der größte Anteilseigner beim BVL. Doch noch immer wohnt fast jeder 20. Langenfelder in einer der 942 Wohnungen in den 172 Häusern des BVL.

Als Gründe, warum er mit Dedeck nicht kann, nennt Schneider "den Umgangston" und mangelnden Kooperationswillen. Letzteres betrifft besonders das Verhältnis Bauverein/Stadtwerke. Dieses gilt als zerrüttet, spätestens seit der BVL 2012 ein eigenes Bio-Heizkraftwerk in Betrieb nahm und den Stadtwerken damit mehr als 700 Erdgaskunden abspenstig machte. Schneider hätte sich nach eigenem Bekunden gewünscht, dass der Bauverein die Stadtwerke "insgesamt mehr als Dienstleister in Anspruch nimmt".

Die Sache mit dem "Umgangston" ist - bar jedes Interessenkonflikts - ganz auf den BVL-Chef persönlich gemünzt: "Der Bauverein ist Dienstleister und muss sich gegenüber Mietern und Interessenten auch als solcher verhalten. Es kann nicht sein, dass Menschen Angst haben, mit einem Anliegen bei Herrn Dedeck vorstellig zu werden", kritisiert Schneider.

Dedeck selbst wollte sich gestern zu dem Streit nicht äußern. Auf RP-Anfrage verwies er auf ein für kommenden Mittwoch geplantes "Pressefrühstück". Rolf Gassen, nach 15 Jahren als Vize nunmehr Vorsitzender des Aufsichtsrats, stellt sich hinter seinen Geschäftsführer: "Hubertus Dedeck hat in seinen bisher 23 Jahren in dieser Funktion den Bauverein zu einer ersten Adresse für bezahlbaren und zugleich hochwertigen Wohnraum gemacht", sagte Gassen gestern und verwies auf Dedecks Bilanz: mehr Mitglieder (2209) und Anteile denn je (6242; 1993: ca. 4200), gut 10 Millionen Euro Investitionen allein in den letzten zehn Jahren (plus 4,5 Millionen Euro für die Nahwärme) sowie laufend Wohnungsmodernisierungen für Barrierefreiheit, mehr Komfort und weniger Energieverbrauch.

Für die Vorhaben der kommenden Jahre, darunter Planung und Bau von bis zu 130 Wohnungen an der Königsberger Straße, sei der Bauverein auf Dedecks Erfahrung angewiesen, sagte Gassen, aber auch auf einen guten Draht zum Rathaus. Der indes muss nun unterhalb der Spitzen surren.

Quelle: RP
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