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Vogelschießen in Monheim
RP-Reporter versucht sich als Schütze

Vogelschießen in Monheim: RP-Reporter versucht sich als Schütze
Schießleiter Wolfgang Meyer (l.) erklärt Pascal Conrads, wie er das Holz zum Splittern bringt. FOTO: Ralph Matzerath
Monheim. Zunächst hat man Mitleid mit dem Holzvogel, aber das legt sich. Beim Bürger-Vogelschießen in Monheim dürfen auch blutige Anfänger ran. Unser Reporter Pascal Conrads hat's ausprobiert. Von Pascal Conrads

Beim traditionellen Fest der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft 1350 Monheim gab es diesmal zum zweiten Mal ein Bürger-Vogelschießen. Für die RP mache ich den Selbstversuch. Bevor ich aber tatsächlich auf einen Vogel ziele, zeigt mir Jungschützenmeister Tristan von Fragstein den Schießstand und erklärt das Prozedere: "Nein, hier feuert niemand auf echte Vögel". Das zu "erschießende" Gefieder besteht aus Holz - ich bin erleichtert.

Bei Heinz Dickerboom kann man sich für 3 Euro anmelden. Es gilt, den linken Flügel des Vogels zu treffen. Ganz sicher, das Ding kann ich zerlegen. Tristan von Fragstein lacht: "Das kann schon zwei, drei Stunden dauern, oft ist es Glück, denn beim letzten Schützen ist das Holz nicht mehr ganz so fest und stabil wie beim ersten." Danach komme der andere Flügel dran, und dann müsse der Rumpf zerschmettert werden, erklären die beiden Schützen weiter.

Birgit Irmer war schon dran: "Schießen ist voll geil", sagt sie. Die Dame aus Köln ist in ihrer Domstadt selbst Schützenkönigin, seit 585 Jahren die erste Frau in ihrem Verein. Das hier sei für sie einfach Spaß. Ihr Mann lacht, immerhin gehe ja was kaputt.

Mir tut der Vogel leid, auch wenn er nur in sein buntes Federkleid geschnitzt wurde. Schließlich hat das Tier Augen. Alle anderen aber freuen sich, das Holz-Geflügel runterzuholen. So wie Daniel Berner. Allerdings, sagt er, gefalle es ihm in der Halle mit dem Luftgewehr besser: "Dort hat man ein besseres Körpergefühl." Das Gewehr sei fest montiert. "Man hat nicht viel Spielraum und kann selbst gar nicht so viel auf den Schuss einwirken."

Die Reihenfolge wird zufällig ausgelost. Nun wird mein Name aufgerufen. Ich solle mich wie ein Cowboy auf den riesigen Stuhl am Gewehr setzen, sagt der Schießleiter, Wolfgang Meyer. Der grüne Holzstuhl wirkt ein bisschen wie die XXL-Version aus der Werbung eines Möbelhändlers. Beim Setzen habe ich Angst, dass meine Hose reißt, passiert aber nicht. Ich beuge mich zum Visier des Kleinkalibers, dabei muss ich den Stuhl wieder halb verlassen und hocke darüber. Der Oberkörper ist wohl zu kurz. Auf die schwarze Linie zwischen Flügel und Körper solle ich zielen, sagt Dickerboom, der Vize-Jugendschützenmeister der Sebastianer. Es knallt. Der Abzug hat sich fast von alleine gelöst.

Diese Erfahrung macht auch Pascal Bühlow. Der 16-Jährige hat vorher noch nie geschossen, durfte er auch nicht; er hat gerade das Mindestalter erreicht. Spaß gemacht hat es uns beiden schon, getroffen haben wir auch, gefallen ist aber nichts. Wenn man durchs Zielrohr guckt, wirkt der Vogel auch viel kleiner, das Mitleid verfliegt ein bisschen. Nur beim Zuschauen sieht man, wie die Holzspähne fliegen. Am Ende gewinnen andere das Navi-Gerät und den Picknick-Korb.

Quelle: RP
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