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Monheim
Saatgut von Monheim in alle Welt

Monheim: Saatgut von Monheim in alle Welt
"Jeder Arbeitsschritt wird durch Qualitätskontrollen überwacht", sagt Ferdinand Schnitker, Betriebsleiter der Raps-Saatgut-Anlage von Bayer in Monheim. FOTO: rm-
Monheim. Bayer hat insgesamt 15 Millionen Euro in die Modernisierung seiner Aufbereitungsanlage im Stadtsüden investiert. Von Martin Mörikes

Leuchtend gelbe Rapsfelder prägen früh im Jahr auch im Bergischen die Landschaft. Auf 1,4 Millionen Hektar wird die ölhaltige Pflanze bundesweit angebaut, in knapp vier Jahrzehnten hat sich die Anbaufläche verzehnfacht. Jetzt steigt Bayer ins europäische Geschäft ein, bisher war der Konzern "nur" in den USA und Kanada Marktführer in Sommerraps. Schon seit Jahren ist das Unternehmen im Züchtungsgeschäft aktiv, aber jetzt geht's in die Vollen: 15 Millionen Euro investierte Bayer am Standort Monheim und baute eine völlig neue Raps-Saatgutaufbereitung.

Auf dem weiträumigen Bayer-Gelände in Monheims Süden entstand auf vorher grüner Wiese ein imposanter, dreigeschossiger 9000 Quadratmeter großer und 10 Meter hoher Neubau, darin 750 Quadratmeter Bürofläche.

"Wir schaffen hier die europäische Raps-Saatgutdrehscheibe", sagt Betriebsleiter Ferdinand Schnitker mit sichtlichem Stolz. 30 verschiedene Rapssorten werden tonnenweise angeliefert und mit modernster Technik gesäubert, nach Größe sortiert, zertifiziert und gebeizt, das heißt gegen Krankheiten und Schädlinge geschützt. Danach treten sie in zehn Kilogramm Tüten und auf Paletten sortiert auf Lastwagen ihren Weg in 28 Länder in Europa, im Mittleren Osten und Afrika an. "Jeder Arbeitsschritt wird durch Qualitätskontrollen überwacht, mit einem Reinheitsgrad von 99,8 Prozent übertreffen wir die gesetzlichen Vorgaben", ergänzt Schnitker, der als gelernter Diplom-Kaufmann die heimischen Mitbewerber im Auge hat.

Rapsöl ist ein qualitativ erstklassiges Speiseöl, aber auch als Dieselbeimischung bzw. Bio-Sprit ist die aus den Pflanzen gepresste Flüssigkeit begehrt. Für Bienen sind Rapsfelder eine Delikatesse, aus einem Hektar gewinnen sie 100 Kilogramm Raps-Honig. Am Ende der Verwertungskette freuen sich Rinder und Schweine am eiweißhaltigen Rapsschrot, den die Ölmühlen "nebenbei" produzieren. Sie machen Deutschland so weniger abhängig von Soja-Importen aus den USA und Lateinamerika.

Ehe ein Rapssaatkorn die Bayer-Anlage erreicht, hat es - bildlich gesprochen - einen jahrelangen Weg hinter sich. Züchtungen über mehrere Pflanzen-Generationen (Stichwort Mendelsche Gesetze) sollen besonders ergiebige und resistente Sorten ergeben, die vom Bundessortenamt nach strenger Prüfung - ähnlich einem Patent - zugelassen werden. Dann erfolgt die Vermehrung über drei Generationen, unter Sicherheitsaspekten und zur Risikominimierung verteilt auf verschiedene europäische Standorte. Das so produzierte Saatgut wird in Zehn-Tonnen-Gebinden in Monheim angeliefert, wobei jede Charge geprüft und in Holzkisten, die 1.200 Kilogramm Saatgut fassen, hermetisch geschlossen in ein Hochregallager gepackt.

Unterschieden wird unter anderem zwischen Sommer- und Winterraps. Während hier im milden Klima der Winter-Raps im August gesät und im Juli des nächsten Jahres geerntet wird, säen und ernten die Landwirte in den kühleren Regionen im Sommer. Der Winterraps ist ertragsstärker.

Quelle: RP
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