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Monheim
Sammler haben Briefmarken im Blick

Monheim. Die Briefmarkenfreunde Monheim organisieren regelmäßig Tauschtage - so auch am Samstag im Bürgerhaus. Von Dorian Audersch

Wolfgang Ries erinnert sich noch ganz genau an den Moment, an dem er mit dem Sammelfieber infiziert wurde. Sein Onkel habe bereits Briefmarken gesammelt, erzählt er. "Ich war damals im Grundschulalter und fand es auf Anhieb irgendwie spannend." Heute ist er 52 - und er sammelt immer noch. "Es ist ein beruhigendes, faszinierendes und auch bildendes Hobby", findet der zweite Vorsitzende der Briefmarkenfreunde Monheim. Der Verein lädt regelmäßig zu Tauschtagen ein. Rund 70 Sammler tummelten sich am Samstag im Bürgerhaus Baumberg, um ihre Kollektion zu vervollständigen.

Ries hat sich auf Marken aus Berlin und der DDR spezialisiert, vor allem Ersttagsbriefe und Erstausgaben. Dabei lerne er viel über Politik, Geschichte und Wissenschaft. "Man informiert sich natürlich, was genau auf den Marken abgebildet ist und welche Person, welches Ereignis oder welcher Ort zu sehen sind." Diese Recherche mache fast genau so viel Spaß, wie das Sammeln selbst. "Wirklich fertig ist man nie", meint der Düsseldorfer. "Ein paar Marken fehlen immer."

Inzwischen hat er eine stattliche Sammlung aufgebaut. Der Michel-Katalog ist sein ständiger Begleiter. In der Übersicht sind alle in Deutschland erschienenen Marken verzeichnet - inklusive der jeweiligen Preise. "Oft kommen auch Besucher zu uns, die eine Sammlung geerbt oder übernommen haben"; sagt er. "Wir schätzen dann den Wert ein." Unter Briefmarkensammlern dominiert klar das männliche Geschlecht. Ries erklärt das augenzwinkernd mit Urinstinkten: "Wir sind eben Jäger und Sammler. Trotzdem freue sich der Verein immer über weibliche und/oder neue jüngere Mitglieder. Asien, Südamerika, Deutsches Reich, USA... - es gibt viele Möglichkeiten, sich auf bestimmte Marken zu spezialisieren. Manch einer, sagt der Vorsitzende Marian Pytlik, sammele auch nach Motiven. "Ich kenne jemanden, der nur Marken mit Brücken sammelt und tauscht." Das Faible von Joachim Brand sind Zeppelinfahrten. Stolz zeigt er eine Postkarte von einer Oberschlesienfahrt im Jahr 1931 von Friedrichshafen nach Gliwice in Polen, das damals noch Gleiwitz hieß. "Das umfasst eine Zeitspanne von etwa 1900 bis 1939", sagt er. Diese eine Fahrt habe ihm noch gefehlt. "Wenn einen das Sammelfieber einmal gepackt hat, dann hört es nicht mehr auf."

"Jede Marke hat ihren eigenen Hintergrund. Das ist sehr interessant", sagt der Rentner Hans-Jürgen Lohmar. "Irgendwie wird man süchtig danach." Auch er habe als Kind angefangen. Manche wollen sogar ganze Postwege anhand der Marken nachvollziehen, erzählt Pytlik. Anhand der Stempel lasse sich der Weg eines Briefes rekonstruieren. Der Verein habe eine postgeschichtliche Sammlung von Monheim erstellt - und bittet um Mithilfe. "Wir suchen Briefumschläge und Postkarten", betont Pytlik. "Dabei kommt es nicht auf die Briefmarke an, sondern auf den Monheimer Stempel." Interessant seien die Jahre von 1850 bis 2010. So sei ein besonders seltener Stempel "Baumberg, Kreis Solingen" heiß begehrt. "Wenn jemand noch alte Briefe oder ähnliches hat, dann kann er sich gerne bei uns melden."

Quelle: RP
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