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Langenfeld
Schau zeigt 170 Jahre Bahngeschichte

Langenfeld: Schau zeigt 170 Jahre Bahngeschichte
Das Dampflok-Zeitalter ist längst vergangen, aber noch nicht so lange, wie manch Jüngere vermuten: Noch in den 1960er Jahren gehörte die Dampflokomotive auch am Bahnhof Langenfeld (Rhld.) zum Alltag. FOTO: VHS-AK Geschichte; Samml. Schwieres
Langenfeld. In der Hauptstelle der Langenfelder Stadt-Sparkasse wurde gestern die Ausstellung "Abfahrt von Gleis 1" eröffnet. Von Thomas Gutmann

Die Eisenbahngeschichte Langenfelds zählt zu den ältesten in Deutschland. Im Dezember 1845, nur ein Jahrzehnt nach der Fahrt der legendären Dampflok "Adler" von Nürnberg nach Fürth, wurde der Bahnhof Langenfeld an der Strecke Düsseldorf-Köln eröffnet. In der Hauptstelle der Stadt-Sparkasse an der Solinger Straße erinnert jetzt eine Ausstellung an diese 170 Jahre Eisenbahn-Historie. Erstellt wurde die Schau vom VHS-Arbeitskreis Geschichte, der in anderthalb Jahren Recherche zahlreiche alte Fotos, Karten und Textdokumente zusammengetragen hat.

Wie viele Langenfelder, so kann auch der erste Bürger der Stadt zumindest mit einer Anekdote zur Bahngeschichte beitragen. "Mein Vater war Eisenbahner", erzählte Bürgermeister Frank Schneider gestern zur Ausstellungseröffnung: "Und ich kann mich noch gut erinnern, wie ich ihn regelmäßig am Immigrather Bahnhof abholte, wenn er von seinem Dienst im Ausbesserungswerk Opladen kam."

Oben: Lorenbahn zu den Sandbergen auf einem "Gruß aus Immigrath".

Seit mehr als 30 Jahren halten in Immigrath keine Züge mehr, aber das Bahnhofsgebäude steht bekanntlich noch. Eröffnet wurde der zweite Bahnhof im Stadtgebiet 1874. Beiden Bahnhöfen widmet die Ausstellung je einen eigenen Abschnitt, ebenso wie den ehemaligen Haltepunkten Richrath und Landwehr. Letzterer war den Bewohnern von Wiescheid, Landwehr und Aufderhöhe so wichtig, dass sie für seine Einrichtung 1894 sogar Spenden sammelten, wie eine Liste belegt. "Der Zugang zu dem Haltepunkt war etwas versteckt, die Fahrkarten wurden schräg gegenüber in der Gaststätte von Ernst Görtemüller verkauft", weiß Günter Heinrichs vom neunköpfigen AK Geschichte.

Die Ausstellung reicht bis zu den ersten Streckenplänen des Unternehmers Friedrich Harkort in den 1830er Jahren zurück. Nicht alles, was von den zunächst privatwirtschaftlich und später vom Staat betriebenen Bahngesellschaften geplant wurde, ist auch verwirklicht worden. Auch davon erzählt die Schau. Etwa von den drei vergeblichen Anläufen für einen Reusrather Bahnhof. "Er wäre für den Transport und die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte aus dem Stadtsüden wertvoll gewesen", erklärt AK-Leiter Günter Schmitz.

Mitglieder des VHS-Arbeitskreises Geschichte bei der gestrigen Ausstellungseröffnung. Links vorne: Alt-Eisenbahner Paul Heinz Schwieres. FOTO: Matzerath

Für die industrielle Entwicklung Langenfelds wie auch Monheims erwies sich die dichte Anbindung ans Eisenbahnnetz als Segen. Während in Immigrath dank des Bahnhofs die Branchen Textil und Eisen wuchsen, wurde Langenfeld (Rhld.) zu einem wichtigen Vertriebsknotenpunkt unter anderem für die Hefe-, die Papier- und Pappenfabrik und die Erdölwerke in Monheim. "Allein die Güterabfertigung über die Monheimer Kleinbahn umfasste 1960 insgesamt 240 000 Tonnen", verdeutlicht AK-Mitglied Paul Heinz Schwieres die Dimensionen. "Der Langenfelder Bahnhof bestand nicht einfach nur aus dem noch erhaltenen Gebäude, da kamen zum Beispiel noch drei Stellwerke hinzu. Die Belegschaft zählte bis zu 70 Personen", sagt Schwieres, von 1953 bis 1960 selbst Bahnhofsmitarbeiter.

Auf eine Besonderheit weist AK-Leiter Schmitz hin: die Drahtseilbahn vom Spürklenberg in Richtung Bahnhof Immigrath, dokumentiert auf einer topografischen Karte von 1898. "Die Seilbahn transportierte ab 1884 in Loren Sand, der in den Leichlinger Sandbergen abgebaut und etwa für die Glasproduktion in Gerresheim benötigt wurde", berichtet Schmitz über eine neue Erkenntnis aus einem Fund im Duisburger Landesarchiv.

Quelle: RP
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