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Langenfeld
Schau zeigt das preußische Jahrhundert

Langenfeld. Woran erkennt man einen Preußen? Blaue Uniform und Pickelhaube jedenfalls, so wie der kleine Playmobilsoldat, der 2015 Jahr zum 200. Jubiläum der Preußen am Rhein als Sonderedition erschien. Eine echte Pickelhaube können Besucher jetzt auch in der Villa Römer entdecken. Von Monika Klein

Der Opladener Geschichtsverein zeigt die Ausstellung "Das preußische Jahrhundert". Bereits einen Tag vor der Ausstellungseröffnung startet die parallele Schau des Jülicher Geschichtsvereins in der Zitadelle Jülich. Seit acht Jahren kooperieren die Vereine, die sich jetzt nicht nur auf einheitliche Struktur und Erscheinungsbild verständigt haben, sondern die sechs Themenbereiche vergleichend betrachten. Das lohnt sich, denn beide Standorte weisen ganz unterschiedliche Ausgangssituation und Entwicklung auf.

"Ihr werdet gerechten und milden Gesetzen gehorchen." Originalzitate aus Schreiben des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. an seine neuen rheinischen Untertanen eröffnen in beiden Schauen die Themenbereiche. In diesem Fall den zu Staat und Verwaltung in Jülich und Opladen. Kurze Texte zwischen Originaldokumenten und historischen Fotos fassen das Wichtigste zusammen. Die Bürgermeisterei Opladen war seit 1816 Teil des neu geschaffenen preußischen Landkreises Solingen. Zeugnis ist noch das alte Landratsamt, in dem heute das Stadtarchiv untergebracht ist. Auch die Villa Römer ist Teil der Ausstellung. Die ehemalige Fabrikantenvilla der Familie Römer ist Zeitzeuge der ersten Industrieansiedlungen, die eine Wandlung der einstigen Ackerbürgerstadt einläutete. Eine völlig andere Entwicklung als die der ehemaligen Residenzstadt Jülich. Nach den Textilmanufakturen an der Wupper veränderte sich Opladen durch drei Eisenbahnlinien, die hier Haltepunkte hatten, und die Einrichtung des Bahn-Ausbesserungswerkes hin zur Eisenbahnerstadt.

"Eure Religion, das Heiligste, was dem Menschen angehört, werde ich ehren und schützen", versprach Friedrich Wilhelm. Im Preußenjahrhundert 1815 bis 1914 wurde in der weitgehend katholisch geprägten Kleinstadt die evangelische Kirche "im Bielert" gebaut, und 1879 errichtete die kleine jüdische Gemeinde ihre eigene Synagoge. An dieser Stelle gibt es einen Verweis auf die Dauerausstellung "ZeitRäume" zur Stadtgeschichte in der ersten Etage.

Eine Zeitleiste am Beginn des Rundgangs erinnert an die wesentlichen überregionalen Ereignisse des preußischen Jahrhunderts. In der Ausstellung werden sie auf die Entwicklung vor Ort heruntergebrochen und an konkreten Personen festgemacht. Für den Bereich Bildung und Kultur etwa steht der Arzt Dr. Hermann Nörrenberg, der 1898 den Opladener Instrumentalverein gründete und Volks- und Jugendspiele ins Leben rief.

Im Begleitheft kann jeder die Ausstellungstexte nachlesen. Ein 300 Seiten starkes Katalogbuch mit vertiefenden Aufsätzen soll im Oktober erscheinen. In den Schriften sind beide Standorte direkt gegenübergestellt.

Außerdem hat der OGV einen Flyer aufgelegt mit zwei Rundgängen entlang von "Aussichtspunkten in die Vergangenheit". Einer durch die Eisenbahnerstadt, der andere durch das Industrie- und Villenviertel im preußischen Jahrhundert. An den Punkten wurden Infotafeln aufgestellt, zudem sind Infos über die Smartphone-App von izi.travel abrufbar. Es finden geführte Rundgänge statt. Während der Laufzeit bis 18. Dezember gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm.

Die Ausstellung in der Villa Römer, Haus-Vorster-Straße 6, ist samstags von 15-18 Uhr und sonntags von 11-16 Uhr zu sehen. Der Eintrittspreis beträgt vier Euro, für ein Kombiticket für beide Ausstellungsstandorte sechs. Führungen: Telefon 02171-4 78 43.

Quelle: RP
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