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Langenfeld
Schauspieler treten in der Schulaula auf

Langenfeld. Statt einen Deutschkurs nach dem anderen nach Neuss fahren zu lassen, buchte das Gymnasium das Schlachthof-Theater für eine Inszenierung in Langenfeld. "Eine seltene Chance", freut sich Schulleiter Wippermann-Janda. Von Thomas Gutmann

Mit den Schülern ins Theater? "Wir können da gewiss nicht klagen", sagt Stephan Wippermann-Janda. Dem Leiter des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG) ist die kulturell privilegierte Lage Langenfelds sehr wohl bewusst: bestens angebunden an die nahen Metropolen Köln und Düsseldorf mit ihren Schauspielen und Kinder- und Jugendtheatern, dazu die Angebote in Solingen und Leverkusen. Schulen am linken Niederrhein oder im Sauerland haben's da nicht so leicht.

Diesmal war es für Langenfelds Pennäler noch komfortabler: Sie fuhren nicht zum Theater - das Schauspiel kam nach Langenfeld. Das Neusser "Theater am Schlachthof" ("tas") führte das Drama "Ein Volksfeind" von Henrik Ibsen in der KAG-Aula auf. "Eine glückliche Fügung, dass so viel zusammenpasste. Eine Chance, die es wohl nur alle 20 Jahre gibt", freut sich Wippermann-Janda.

Als erstes fügten sich Inszenierung und Unterrichtsstoff. "Fast alle unsere Zehntklässler lesen Ibsens ,Volksfeind' im Unterricht, und just dieses Drama hat das Theater am Schlachthof im Programm." Der normale Weg wäre nun der nach Neuss gewesen. "Doch warum sechs Kurse einzeln nach Neuss fahren lassen", fragte sich Markus Pytlik, Lehrer für Deutsch, Literatur und Musik am KAG: "Vielleicht lässt sich ja ein Gastspiel der Neusser in Langenfeld arrangieren." Es ließ sich. Denn - und das ist die zweite Fügung - das der freien Theaterszene angehörende "tas" erwies sich als flexibel genug, die eigene Spielstätte mit all dem gewohnten technischen Equipment zu verlassen.

"Sie haben sich auf unsere, im Vergleich zu der ihren kleinen Bühne eingerichtet. Sie waren zweieinhalb Stunden vorher da, und alles hat prima geklappt", berichtet Wippermann-Janda. Bei der Aufführung mussten die Neusser auf nur wenige Teile der Inszenierung verzichten. Das Bühnenbild für diese Stellen ließ sich in der KAG-Aula nicht praktikabel unterbringen.

Dass sich die rund 120 Zehntklässler des KAG fast alle mit Ibsens "Volksfeind" beschäftigen, hat seinen Grund. "Der Stoff ist hochaktuell", sagt der Schulleiter. Das gesellschaftskritische Drama des norwegischen Schriftstellers aus dem Jahr 1882 erzählt von einem Arzt, der publik machen will, dass in einem Kurort das Heilwasser bakteriell verseucht ist. Er trifft auf starken Widerstand bei Kurverwaltung und mit ihr verbündeter Presse. Bei seinem Kampf gegen diejenigen, die den Skandal unter der Decke halten wollen, verrennt sich der ursprüngliche Aufklärer jedoch und wird zum Fanatiker, der dem ganzen Land den Untergang wünscht. In Zeiten der Renaissance autoritärer Herrschaften, von "Fakenews" und von "Lügenpresse"-Vorwürfen rechtspopulistischer Bewegungen ein "unglaublich aktuelles und brisantes Theaterstück", findet Wippermann-Janda.

Nach der Aufführung hatten die Schüler rund eine Stunde lang Gelegenheit, Fragen an die Neusser Theaterleute loszuwerden. Warum habt ihr ausgerechnet diese Szene aus der Vorlage rausgelassen? Weshalb habt ihr es so und nicht anders inszeniert? Auf derlei Fragen gaben die Schauspielprofis profund Antwort. "Auch das hat - neben der Aufführung selbst - vielen Schülern gefallen", sagt der Schulleiter.

Finanziert wurde das Gastspiel nach seinen Angaben überwiegend aus den "ganz normalen Eintrittsgeldern". Ein Modell für die Zukunft? "Wohl eher eine Ausnahme", bedauert Wippermann-Janda. Bis auf Vorführungen von Klein-Ensembles mit besonderen pädagogischen Aufträgen wie Drogen- oder Gewaltprävention seien Abstecher eines Theaters in Schulen eher unüblich.

Im September geht es für einige Gymnasiasten wieder aus Langenfeld heraus. Die Englisch-Spezialisten unter den (dann) Zwölftklässlern werden sich die Shakespeare-Komödie "Twelfth Night" ("Was ihr wollt", um 1601) anschauen. Auf Schloss Burg in Solingen. Aber auch in diesem Fall werden die Schauspieler die weitere Anreise haben - sie kommen aus England.

Quelle: RP
 
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