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Monheim und der Rhein
Schiffserkennung leicht gemacht

Monheim und der Rhein: Schiffserkennung leicht gemacht
Die Schiffe auf dem Rhein üben auf die meisten Spaziergänger eine große Faszination aus. Was ihre Signale bedeuten, erklären wir hier. FOTO: Schütz, Ulrich (us)
Langenfeld. Auch wenn ein Schiff nur vorüberfährt, gibt es eine Menge Details von sich preis. Man muss die Zeichen nur lesen können. Von Christoph Kleinau

Was auf engen Alpenstraßen gilt, gilt auch auf dem breitesten Wasserweg Deutschlands, dem Rhein: Bergfahrt hat Vorfahrt. Ja, wer gegen den Strom Fahrt macht, darf sogar die Seite auf dieser Wasserstraße wechseln und Linksverkehr einführen - muss das aber mit dem Blaubord anzeigen. "Der zu Tal fahrende Kollege muss das bestätigen", sagt Popko Lamein, Miteigner der 2008 in den Niederlanden als Schüttgut- und Containerschiff gebauten "Temptation".

Im Zentrum des Blaubords, das immer rechts am Ruderstand montiert ist, blinkt dann ein Licht. Das unterstreicht das Signal, macht sicheren Begegnungsverkehr in der Nacht erst möglich und gehört zu den Zeichen, die auch vom Ufer aus zu erkennen und zu deuten sind. Wie überhaupt ein Schiff viel über sich verrät, auch wenn es nur vorbeidampft.

Lichter Dass jedes Schiff auf der Steuerbordseite (in Fahrtrichtung rechts) eine grüne und auf Backbord (links) eine rote Positionslampe führt, ist beinahe Allgemeinwissen. Hinzu kommen vorne und hinten gelbe Lichter. Hat der Frachter auch auf der Kabine ein Licht, sagt das klar: Das Schiff ist länger als 110 Meter, erklärt Lamein. Seine "Temptation" gehört in diese Kategorie.

Beschriftung Wer die Länge genau wissen will, kann sie an den Seitenwänden des Schiffes ablesen. Die Chiffre "L 135" ist ebenso leicht als "Länge 135 Meter" zu übersetzen wie "B 17,10" für die Breite und "T 6770" als Tonnage-Angabe für die maximale Zuladung. Diese Informationen sind auf dem Strom wichtig für die Wasserschutzpolizei und etwa im Neusser Hafen für Hafenmeister Erik Hoogstrat. "Danach berechnen wir das Liegegeld", sagt der Niederländer mit Kapitänspatent in Diensten der Rheincargo.

Nummernschild Was für Autos gilt, gilt auch für Schiffe: Ein Nummernschild muss sein. Bei Schiffen ist das die Europanummer, die an den Seiten, aber auch am Heck deutlich ablesbar sein muss. Die "Temptation" ist unter der Nummer 02330727 international gelistet. Mit der Nummer verbunden ist die am Heck anzubringende Nationalitätenkennung. Bei Frachtern mit Heimathafen in den Niederlanden ist das ein "N" - und kein NL wie bei Autos.

Namenszug Der hinten wie vorne zu führende Namenszug und der achtern angebrachte Name des Heimathafens sind Pflicht und machen die Identifikation eindeutig. Die "Temptation" ist demnach in H.I.Ambacht gemeldet, einer Gemeinde südlich von Rotterdam. Wenn sie denn mal da ist. Die Fahrten von seinem Miteigner nicht mitgezählt, hat Popko Lamein allein in diesem Jahr mehr als 100 Touren auf dem Rhein gemacht. Oft transportiert er Erz von Rotterdam nach Neuss, wo es zum Weitertransport nach Linz in Österreich auf Güterwaggons umgeladen wird. "Bergauf" bringen die beiden Schiffsdiesel mit je 1600 Pferdestärken die "Temptation" - je nach Ladung und Strömung - in 25 bis 30 Stunden nach Neuss. In Talfahrt, also mit der Strömung, schafft er den Heimweg in knapp der Hälfte der Zeit.

Beflaggung Unter welcher Flagge das Schiff fährt, zeigt das Tuch an seinem Heck. Hochseeschiffe lassen die Reedereien oft unter der Fahne von Panama oder Liberia fahren, weil diese Länder mit Steuerfreiheit locken, bei Binnenschiffen geht das nicht. So fährt die "Temptation" unter niederländischer Handelsflagge. Die Fahne des Gastlandes zu führen, werde auf dem Rhein nicht verlangt, sagt Lamein. Üblich ist dagegen, am Fahnenmast über dem Steven die Fahne des Ziel- oder Bestimmungslandes zu führen. Sein Fahnenmast zeigt zwei Wimpel: den seines Diesellieferanten und den des Auftraggebers, der Spedition Rijnaarde.

Anker Ein Schiff wird erst komplett durch einen Anker. Tatsächlich macht die "Temptation" fest, indem sie sich auf zwei Stelzen stellt, die bis in neun Meter Tiefe ausgefahren werden. Anker schreibt das Gesetz noch vor, sagt Lamein. "Aber ich brauche den höchstens für eine Notbremsung."

Quelle: RP
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