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Peter Gathen
"Schlechtere Bedingungen für Inklusion"

Peter Gathen: "Schlechtere Bedingungen für Inklusion"
Beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen der Bettine-von-Arnim-Schule trafen sich die drei bisherigen Schulleiter (v.l.) Peter Behringer, Peter Gathen und Anne Ackers-Weiss. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Der Leiter der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule bedauert, dass er weniger Sonderpädagogen zur Verfügung hat.

An zwei Wochenenden hat Ihre Schule das 25-jährige Bestehen gefeiert. Dort war Zeit für Rückblicke. Lassen Sie uns nun nach vorne schauen: Was sind aktuell und demnächst die größten Herausforderungen?

Gathen Über allem steht das Bestreben, weiterhin die Schüler mit all ihrer Individualität zu fördern, und zu motivieren und die Qualität der Bildung hochzuhalten. Zurzeit beschäftigt uns dabei besonders das Thema Inklusion.

Was macht Ihnen dabei zu schaffen? Bei der Integration von lernbehinderten Kindern und Jugendlichen hat Ihre Schule doch eine Vorreiterrolle...

gathen Das stimmt, aber die Bedingungen haben sich zuletzt verschlechtert. Seit 1997 hatten wir pro Eingangsjahrgang stets sechs Schüler mit besonderem Förderbedarf aufgenommen, im vergangenen Jahr schon zwölf und nunmehr sogar 15. Doch trotz der Zunahme solcher Schüler von 36 auf 54 in den letzten beiden Jahren wurde die Stellenzahl der Fachrichtung Sonderpädagogik von zuvor fünfeinhalb auf jetzt vier verringert. Als zweite Klassenleiter sind die Sonderpädagogen wegen dieser Kürzung nicht mehr einsetzbar. Dadurch ist der früher ganz enge Bezug zu allen Schülern der Klasse von den Sonderpädagogen nicht mehr gegeben. Das macht Inklusion wesentlich schwieriger.

Was können Sie tun, um die Inklusionsbedingungen zu verbessern?

gathen Zurzeit müssen wir den Mangel verwalten. Aber ich will in Richtung Ministerium schon deutlich machen, dass die Bettine-von-Arnim-Schule auf diesem Gebiet unter besseren Voraussetzungen große Erfolge vorzuweisen hat.

Wo drückt an Ihrer Schule sonst noch der Schuh?

gathen Wir haben zwar ein modernes Gebäude, aber nach über zwei Jahrzehnten Betrieb sind Sanierungsarbeiten und ein Ausbau nötig. So ist bei gut 1300 Schülern das Forum mit seinen 199 Plätzen für viele Veranstaltungen deutlich zu klein, auch die Mensa müsste größer sein. Den Bedarf hat der Zweckverband Langenfeld/Hilden grundsätzlich anerkannt, aber ein Umbau kostet eine Menge Geld.

An der Bettine-von-Arnim-Schule unterrichten 130 Lehrer. Wie sieht die Altersstruktur aus?

gathen Ein Generationenwechsel steht bevor. In den nächsten fünf bis sieben Jahren wird etwa jeder fünfte Kollege in den Ruhestand gehen.

Gibt es in nächster Zeit neue Schwerpunkte?

gathen Zur Erweiterung unseres Bildungsangebotes wollen wir die Schule noch weiter öffnen und stärker als bisher auf das Know-How von außerschulischen Fachleuten, unter anderem aus Industrie und Wirtschaft zurückgreifen, um die anstehende Studien- und Berufswahl unserer Schüler noch besser vorzubereiten. Ich erhoffe mir so den Blick der Jugendlichen für Chancen und Risiken von beruflicher beziehungsweise weiterer schulischer Ausbildung zu schärfen, um auf dieser Grundlage frühzeitig qualifizierte Entscheidungen treffen zu können.

In Langenfeld gibt es seit 2013 eine zweite Gesamtschule, die 2016 ihren Neubau in der Stadtmitte mit hervorragenden Bedingungen beziehen wird. Auch in Hilden gibt es jetzt eine Gesamtschule. Was halten Sie von dieser Konkurrenz?

gathen Die Entstehung der beiden neuen Gesamtschulen entspricht dem zunehmenden Wunsch der Eltern nach dieser Schulform. Da sich die Schulprogramme unterscheiden, haben Langenfelder und Hildener Familien nun Auswahlmöglichkeiten. Es gibt durchaus einen Wettbewerb, aber das ist ja auch gut, weil sich dann alle besonders anstrengen müssen. Und außerdem war es in der Vergangenheit sehr unbefriedigend, die große Nachfrage nach einem Platz an unserer Schule nicht immer bedienen zu können.

STEPHAN MEISEL STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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