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Langenfeld/Monheim
Schlottmann siegt deutlich - Geyer abgewählt

Langenfeld/Monheim: Schlottmann siegt deutlich - Geyer abgewählt
FOTO: Matzerath Ralph
Langenfeld/Monheim. Claudia Schlottmann (CDU) zieht als Direktkandidatin in den Landtag ein. Mit 42,8 % der Stimmen gewann die Hildenerin gestern im Wahlkreis 36 (Langenfeld, Monheim, Hilden-Süd). Ihr Mitbewerber Jens Geyer (SPD) aus Monheim erzielte 31,4 % und scheidet damit nach fünf Jahren aus dem Landtag aus. In Moritz Körner (FDP) aus Langenfeld wird dort aufgrund seines Listenplatzes ein weiterer Politiker aus dem Wahlkreis 36 einziehen. Von Stephan Meisel, Gökçen Stenzel und Oliver Wiegand

Als Wahlsiegerin Claudia Schlottmann (CDU) gegen 21 Uhr in der vollen Richrather Schützenhalle eintrifft, da prasselt der Jubel auf sie ein. Bei der zentralen Wahlparty der Christdemokraten aus Langenfeld, Monheim und Hilden lässt sich die 54-Jährige von ihren Parteifreunden dafür feiern, dass sie den gemeinsamen Landtags-Wahlkreis 36 für die CDU zurückgeholt hat. Vorbei ist damit nach fünf Jahren Jens Geyers (SPD) Zeit als Abgeordneter in Düsseldorf. Nicht nur deswegen, sondern vor allem wegen der Wahlschlappe der rot-grünen Regierungskoalition im Lande ist die Stimmung der Genossen bei den SPD-Wahlpartys im Langenfelder Siegfried-Dißmann-Haus und in der Monheimer Biermanufactur sehr schlecht.

.Im Wahlbezirk 36 (Langenfeld, Monheim, Teile Hildens) erreichte Claudia Schlottmann 42,8 Prozent und lag damit deutlich vor Jens Geyer mit 31,4 Prozent.

Drei Stunden vorher blicken im Bürgersaal des Langenfelder Rathauses alle gespannt auf die großen Bildschirme. Kaum sind um 18 Uhr die Wahllokale geschlossen, da laufen schon die ersten Prognosen ein. "Ich hätte nicht gedacht, dass es für uns so schlimm kommt", seufzt die Langenfelder SPD-Vorsitzende Heike Lützenkirchen. Neben ihr befindet SPD-Ratsfraktionschef Sascha Steinfels, dass sich seine Partei im Land "überall neu aufstellen muss". Als die abgewählte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf dem Fernseh-Großbildschirm ihren Rücktritt als Landesvorsitzende verkündet, da nickt Steinfels bekräftigend: "Das ist nur konsequent." Zu diesem Zeitpunkt um 18.30 Uhr äußern sich Lützenkirchen, Steinfels und SPD-Ratsherr Joachim Herzig noch zuversichtlich, dass Jens Geyer sein Direktmandat verteidigen könnte. Doch die ersten auf die Wand projizierten Auszählungen der Erststimmen machen diese Hoffnung schnell zunichte.

Auf der anderen Seite des Ratssaals blicken derweil Bürgermeister Frank Schneider und sein Amtsvorgänger Magnus Staehler (beide CDU) mit glänzenden Augen auf die ersten Auszählungsergebnisse der Langenfelder Wahlbezirke. Denn auf den Monitoren zeigt sich, dass nicht nur die eigene Kandidatin Schlottmann überall vorne liegt, sondern dass in allen drei Städten die CDU auch die meisten Zweitstimmen holt. "Aus Langenfelder Sicht hoffe ich, dass unter der neuen Regierung jetzt die Kommunalsoli genannte Zwangsabgabe abgeschafft wird", sagte Schneider. Er erhoffe sich durch Schlottmanns Wahl kurze Wege zur Landespolitik, "obwohl man auch Jens Geyer immer gut ansprechen konnte".

Zwischendurch gratuliert Schneider dem zweiten neuen Landtagsabgeordneten aus dem Wahlkreis: Der über Platz 16 auf der FDP-Landesliste ans Mandat gekommene Langenfelder Moritz Körner ist auf einen Sprung im Langenfelder Bürgersaal vorbeigekommen, bevor er zur FDP-Wahlparty nach Baumberg fährt. Dort wird nicht nur Körners persönlicher Erfolg mit den drittmeisten Stimmen im Wahlkreis 36 gefeiert, sondern auch das gute Abschneiden der Liberalen im Land, das in Langenfeld und Monheim sogar noch über dem Landesschnitt liegt.

Im Wahlkreis 37 (Erkrath, Haan, Hilden, Mettmann) setzte sich Christian Untrieser (CDU) klar gegen Manfred Krick (SPD) durch. Im Mettmanner Kreishaus wird die SPD-Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Kerstin Griese deutlich: "Ich glaube, der Hype um Martin Schulz hat der SPD geschadet, weil die CDU gezielt damit Stimmung gegen uns gemacht hat", sagt Griese. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sei sehr beliebt gewesen, an den Kandidaten vor Ort habe es auch nicht gelegen, dass diese Wahl so deutlich verloren wurde. Die SPD habe darunter gelitten, dass Hannelore Kraft keinen Wahlkampf gegen die Grünen gemacht habe. Das habe der SPD vor allem bei den wichtigen Themen wie Schule (G8/G9 und Inklusion) sehr geschadet, sagte Griese.

Zurückhaltend war Claudia Schlottmann: Sie wolle erst das Ergebnis abwarten und danke bis dahin ihren Unterstützern. Die Freude und Erleichterung war ihrer Stimme dennoch anzuhören. Zu den wichtigsten Projekten der CDU gehört nun die Stärkung des Rechtsstaats durch mehr Polizei und bessere Ausrüstung von Polizisten. Damit sollen Einbrecher, kriminelle Clans und Extremisten konsequenter bekämpft werden. Offene Ohren findet das Thema bei Landrat Thomas Hendele. "Der zweite Regierungswechsel innerhalb von sieben Jahren hat mich überrascht", so Hendele. Allerdings habe er bei vielen Wahlkampfauftritten in den vergangenen Tagen gespürt, das eine Wechselstimmung in der Luft liege. Hendele hofft, dass die neue Regierung mit Armin Laschet an der Spitze die Gemeindefinanzreform in Angriff nimmt. Darüber hinaus wünscht er sich für den Kreis Mettmann mehr Polizisten.

 

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Quelle: RP
 
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