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Monheim
Schmerzhafte Spar-Liste

Monheim: Schmerzhafte Spar-Liste
Jeder fünfte Vierjährige erhält "Deutsch-Nachhilfe". FOTO: ddp, ddp
Düsseldorf. Die Stadt will ihren Vertrag mit der Familienhilfe neu justieren: Diese soll für dasselbe Geld mehr Fälle in der ambulanten Hilfe zur Erziehung bearbeiten. Eltern müssen wieder mehr für die Kinderbetreuung zahlen. Von D. Schmidt-Elmendorff

Die Stadtverwaltung hat eine Reihe von Spar-Vorschlägen vorgelegt, die der Bürgermeister qua Amt umsetzen kann, um den Haushalt mittelfristig aus seinem Defizit zu führen. Mit einem Volumen von je 330 000 Euro ab den Jahren 2011 ff. soll Annette Berg mit ihrem Fachbereich Kinder, Jugend und Familie wesentlich zu einer Entlastung beitragen. Ansetzen will sie in dem Produktbereich, der sich in den vergangenen Jahren zu einem unberechenbaren Kostenfaktor entwickelt hat: Den Hilfen zur Erziehung.

Die steigenden Fallzahlen sowohl bei den Kindern in Heimerziehung ('08: 30, '10: 40) und Kindern in Vollzeitpflege ('08: 47, 10: 58) als auch bei den ambulanten Maßnahmen ('08: 22, '10: 43) haben Mehraufwendungen von 1 571000 Euro zur Folge. "Wenn eine Familie mit fünf Kindern zuzieht, die alle in Heimmaßnahmen sind, kann man nichts dagegen tun", sagt Berg.

Fälle vom DRK abziehen

Für den Vertrag mit der Familienhilfe Monheim im Trägerverbund von Awo, Diakonischem Werk und SKFM sollen daher ab 2011 andere Konditionen gelten: "Die Familienhilfe soll mehr Fälle bei gleicher Leistung bearbeiten, damit wir Fälle von anderen Trägern, wie DRK und DiFa, abziehen können", bringt es Annette Berg auf den Punkt. Die Familienhilfe erhält (für ca 50 Fälle) jährlich einen pauschalen Zuschuss für Personal- und Sachkosten, der auf der Grundlage von Fachleistungsstunden berechnet wird. Künftig sollen also die zehn Mitarbeiter (7,25 volle Stellen) der Familienhilfe durch eine Absenkung der monatlichen Fachleistungsstunden pro Familie in die Lage versetzt werden, sich unterm Strich um zehn Fälle mehr im Jahr zu kümmern.

"Dann müssen wir uns über die Qualität unterhalten", sagt Elmar Borgmann, Geschäftsführer des SKFM. Er glaubt nicht, dass dies mit demselben Personalbestand möglich ist. Grundsätzlich findet er es unerfreulich, wenn erst der Rotstift angesetzt und dann diskutiert wird.

Ein Vorschlag, der der Zustimmung des Rates bedarf, ist die Einrichtung einer Stelle für Rückführungsmanagement. Ein Sozialarbeiter soll sich darum kümmern, ein Kind in seine inzwischen stabilisierte Herkunftsfamilie zurückzubringen, um die Hilfs-Maßnahmen zu verkürzen, sagt Bernd Albrecht, Leiter des Sozialpädagogischen Dienstes. Bei einer angestrebten Quote von fünf Kindern könnten die Unterbringungskosten jährlich um 180 000 Euro gesenkt werden.

Geschwisterkinder nicht mehr frei

Eine Maßnahme, die auch nicht belasteten Familien treffen wird, ist die Rücknahme der im Juni 2008 beschlossenen Änderung der Elternbeiträge für die Ogata. Danach waren Ogata-Kinder, deren Geschwister gleichzeitig einen Kindergarten besuchen, von den Beiträgen freigestellt. Die Stadtverwaltung hofft, schon 2010 26 000 Euro und in den Folgejahren je 62000 Euro einsparen zu können. Die Kosten der Ogata waren durch diese familienfreundliche Regelung um 70 000 Euro gestiegen.

"Sprachlos" macht Michael Weiß, Gemeindereferent von St. Dionysius, dass die Stadt ihre Zuschüsse für die ToT Baumberg um 50 Prozent (5000 Euro) kürzen will. Er plädiert für die Gleichbehandlung aller Einrichtungen. Dass die Gemeinde mit ihrer Stadtranderholung ab 2011 auch von der zehnprozentigen Zuschusskürzung für die Ferienmaßnahmen aller freien Träger betroffen ist, schmerzt zusätzlich.

Im Haushalt steht bei den Zielvorgaben des Bereichs für 2010: "Die Attraktivität der Stadt für Kinder und Jugendliche" zu erhöhen.

Quelle: RP
 
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