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Analyse
Schneider für hohe Windräder in Reusrath

Analyse: Schneider für hohe Windräder in Reusrath
Mit dieser Fotomontage hat die Firma SL Naturenergie GmbH den Bau von drei bis zu 150 Meter hohen Windrädern in Reusrath veranschaulicht. FOTO: SL
Langenfeld. Langenfelds Bürgermeister (CDU) hat beim städtischen Neujahrsempfang eine klare Ansage gemacht: Um den Bau von Windkraftanlagen im Stadtsüden zu ermöglichen, soll die Höhenbegrenzung auf 100 Meter fallen. In der CDU sind die Meinungen geteilt. Von Stephan Meisel

Der Bau von Windkraftanlagen innerhalb der Langenfelder Stadtgrenzen dürfte in diesem Jahr entscheidend vorankommen. Zwar hatte Bürgermeister Frank Schneider (CDU) in seiner Ansprache beim städtischen Neujahrsempfang einen entsprechenden Hinweis zwischen Themen wie Finanzlage, Kroatien-Jahr oder Städtepartnerschaften eher als Randaspekt erwähnt, aber seine Aussage war eindeutig: Er wolle in Sachen Windenergie eine Entscheidung herbeiführen und aus diesem Grund "bei nächster Gelegenheit dem Stadtrat vorschlagen, durch eine Veränderung der Höhenbegrenzung Windkraft in Reusrath zu ermöglichen".

Höhenbegrenzung 2007 hatte der Stadtrat für den möglichen Bau von Windrädern ein 48 Hektar großes Gelände südlich der Acker- und östlich der Rennstraße als so genannte Windkraft-Konzentrationszone ausgewiesen. Sie soll Experten zufolge die höchste durchschnittliche Windgeschwindigkeit in Langenfeld aufweisen. Zugleich setzte seinerzeit der Stadtrat die zulässige Höhe der Windräder auf 100 Meter fest. Unter diesen Bedingungen fand sich bislang kein Investor.

Gerichtsverfahren Seit Jahren läuft gegen die genannte Begrenzung vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf eine Klage der Firma SL Naturenergie GmbH (Gladbeck), die in Reusrath drei bis zu 150 Meter hohe Windräder errichten möchte. Ein Verhandlungstermin steht nach Auskunft des städtischen Planungsreferatsleiters Stephan Anhalt bislang noch nicht fest.

Kein Alternativstandort Im September verwarfen die Stadtpolitiker das alternativ geprüfte Vorhaben, im Ortsteil Berghausen nahe der Stadtgrenze zu Monheim zwei Windkraftanlagen zu errichten. Sie folgten den Bedenken von Experten wegen der Lage in der Wasserschutzzone sowie wegen einer möglichen Gefährdung von dort fliegenden Fledermäusen und Vögeln.

Vorstoß des Bürgermeisters Frank Schneider sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass Windenergie ein fester Bestandteil des von ihm vorangetriebenen und im Stadtrat einstimmig beschlossenen Langenfelder Klimaschutzkonzepts sei. "Dazu stehe ich, und ich möchte es auch umsetzen." Nachdem sich der Berghausener Standort als nicht geeignet erwiesen habe, rücke allein die Konzentrationszone in Reusrath in den Blickpunkt. "Es wäre unaufrichtig, den Atomausstieg zu fordern, aber die Möglichkeiten, die dort hinführen, vor der eigenen Tür nicht zulassen zu wollen."

Reaktionen Das Klimaschutzkonzept hatte der Stadtrat noch ohne Gegenstimmen beschlossen, diesmal muss der Bürgermeister mit Gegenwind aus dem Stadtsüden rechnen. Widerstand hat nicht nur Matthias Saturnus von der Bürgerinitiative "Ruhiger Horizont Reusrath" für den Fall angekündigt, dass Windräder in Reusrath ermöglicht werden. Auch aus Schneiders eigener Partei dürfte es Gegenstimmen geben. CDU-Fraktionschef Jürgen Brüne versicherte zwar, dass sich nichts an der örtlichen Linie der Partei verändert habe, Windenergie in Langenfeld grundsätzlich möglich zu machen. Doch statt das anhängige Gerichtsverfahren abzuwarten, müsse und werde sich die CDU nach Schneiders Rede positionieren. "Wir befinden uns im Diskussionsprozess - und die Meinungen sind durchaus unterschiedlich. Es ist aber legitim, dass Ratsmitglieder das Interesse der eigenen Ortsteile im Auge haben." Vizebürgermeister Dieter Braschoss gehört zu den drei Reusrather CDU-Ratsleuten und wurde nach eigenen Worten von Schneiders Aussage in der Stadthalle überrascht. "Wir sind nicht gegen Windkraft, sehen aber keinen Anlass, die für die Reusrather Zone festgelegte Höhenbegrenzung auf 100 Meter aufzugeben." Erfreut äußerte sich indes seitens der Firma SL Projektleiter Johannes Buhl. "Wir nehmen die Entscheidung des Bürgermeisters positiv auf, die Energiewende zu unterstützen."

Quelle: RP
 
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