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Langenfeld
Schüler drehen Krimi mit Gästen aus Polen

Langenfeld: Schüler drehen Krimi mit Gästen aus Polen
Auf der Mädchentoilette wurde eine erstochene Schülerin gefunden. Die Ermittlerinnen (l. Jessika, r. Luisa) begutachten die Leiche (Emily). Nicht die einzige Tote beim Krimi-Dreh an der Kopernikus-Realschule. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. "Kamera läuft!" hieß es jetzt an der Kopernikus-Realschule. Der Filmdreh gehört zum Besuchsprogramm von acht Jugendlichen aus Langenfelds Partnerstadt Gostynin. Von Thomas Gutmann

Die erste Tote ist im Kasten. "Sieht doch schon mal gut aus", sagt Ulrich Herres und zeigt die Szene auf dem Computerbildschirm im Musikraum der Kopernikus-Realschule. Der Langenfelder Hobby-Filmer unterstützt 18 Schüler bei einem deutsch-polnischen Krimi-Dreh mit Software und Know-how. Zehn der Jugendlichen gehen auf die "Kop", die anderen acht kommen aus Langenfelds Partnerstadt Gostynin. Wenn deren einwöchiger Aufenthalt morgen zu Ende geht, wollen sie nicht nur zahlreiche Eindrücke aus Langenfeld und Umgebung in ihre Heimatstadt 120 Kilometer nordwestlich von Warschau mitnehmen, sondern auch den fertigen Krimi.

Kurz soll der Film werden, vielleicht zehn Minuten lang. Sonst aber ist zu diesem frühen Zeitpunkt des Drehs noch vieles offen. "Eine Schülerin ist erstochen worden, auf der Toilette - soviel ist klar", sagt Kop-Schülerin Emily (14). Sie selbst spielt die Tote. Auf den Aufnahmen sieht man, wie ihr - ein Messer im Bauch - Blut aus dem Mund rinnt. "Kunstblut", erklärt Schulleiter Frank Theis, der es selbst am Hemdkragen hat. Spielt er auch mit? "Leider nicht", sagt Theis schmunzelnd. "Ich habe bloß vorgemacht, wie das mit der Kunstblutkapsel funktioniert, wenn man draufbeißt."

Entstanden ist die Idee zu dem Krimi-Dreh aus den Erfahrungen bei früheren Besuchen junger Gostyniner in Langenfeld. Auch bei diesen drei Aufenthalten war die Kopernikus-Schule als Hauptpartner mit von der Partie. Auch damals handelte es sich bei den Gästen um Deutschschüler, doch wegen der überwiegend noch recht dürftigen Deutschkenntnisse ergab sich im normalen Unterricht, an dem die Polen teilnahmen, ein Motivationsproblem. "Deshalb haben wir uns für dieses Mal ein gemeinsames Projekt ausgedacht", erzählt Michelle. Wie die anderen Siebt- bis Zehntklässler, die auf "Kop"-Seite die Gäste mitbetreuen, stammt die 13-Jährige aus einer Familie mit polnischen Wurzeln. "Da diese Schüler zumindest ein wenig Polnisch können, erleichtert dies die Kommunikation", sagt Rektor Theis.

Während die Täterrolle einem Jungen vorbehalten ist ("Da bin ich nicht so oft vor der Linse", meint Thomas (15) grinsend), mimen zwei Mädchen die Ermittler. "Ich bin Hauptkommissarin Meggie Becker", verkündet Luisa stolz. Die Zwölfjährige hat sich im echten Leben kürzlich die Nase gebrochen und trägt deshalb eine Plastikkapsel im Gesicht. "Dafür werden wir auch im Film sicher eine Erklärung finden", meint die pfiffige Hauptdarstellerin.

Für die Gäste aus Gostynin sind laut Luisa unter anderem Rollen als "Paparazzi" vorgesehen. Zum Beispiel für Rafat. Der junge Pole favorisiert nach eigenem Bekunden unter den Krimi-Serien, die daheim im Fernsehen laufen, die deutsche Produktion "Cobra 11" (RTL). "Autos und Feuer, das gefällt mir", schwärmt der 15-Jährige von den vielen, oft im Rheinland gedrehten Stunts. Neben dem Krimi-Dreh und Deutschstunden bei der VHS umfasst das Besuchsprogramm gemeinsame Unternehmungen wie Piroggen-Kochen, Bowling oder Wasserski. "Bei einer Stadtrallye haben wir Langenfeld schon ziemlich gut kennengelernt", berichtet Aleksandra (13). Ausgearbeitet haben die Rallye die Kopernikus-Schüler - wofür die Gostyniner sich gerne revanchieren würden. "Bei einem Gegenbesuch könnten die Langenfelder zum Beispiel unser schönes Schloss besichtigen", sagt Ela Szubska-Bieron, eine der beiden mitgereisten Betreuerinnen.

Es werde Zeit, dass endlich einmal auch Langenfelder Jugendliche nach Gostynin fahren - das findet auch Frank Theis: "Die Schüler haben diesen Wunsch bereits geäußert." So könnte der nächste deutsch-polnische Krimi in der Partnerstadt spielen. Ein Schloss als Kulisse dafür wäre doch gar nicht mal so schlecht.

Quelle: RP
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