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Carsten Wüster
Schwuler Chor tanzt in Monheim

Carsten Wüster: Schwuler Chor tanzt in Monheim
FOTO: Matzerath Ralph
Langenfeld. Carsten Wüster leitet nicht nur Baumberger Chöre, sondern auch die "Zauberflöten" aus Köln.

Herr Wüster, in Köln sorgen "Die Zauberflöten" seit 22 Jahren für ausverkaufte Häuser. In Monheim gastieren Sie am kommenden Samstag aber zum ersten Mal, oder?

Wüster Ja. Unser Auftritt ist Premiere und Dernière zugleich, da am 4. Juni die letzte Chance besteht, unser "Trautes Heim" zu besuchen. Mit diesem Programm sind wir seit 2014 auf Tour. Derzeit basteln wir an unserem zehnten Bühnenprogramm.

In Ihrer aktuellen Revue haben "Die Zauberflöten" eine Villa von einer älteren Dame geerbt. Gibt es so eine Gönnerin auch in Ihrem wirklichen Leben?

Wüster (lacht) Leider nicht - wobei "Die Zauberflöten" einige Fördermitglieder haben, vorwiegend ehemalige Choristen.

Ist denn noch jemand von den Gründungsvätern dabei?

Wüster Ein einziger - aber der muss uns nun berufs- und umzugsbedingt leider auch verlassen.

Hat der Chor Nachwuchs-Sorgen?

Wüster Dankenswerter Weise nicht. Wir haben immer um die 40 Mitglieder und den Luxus, unter neuen Bewerbern auswählen zu können. Das ist auch wichtig, weil wir einen hohen musikalischen Anspruch haben.

Und wenn jemand gut singen kann, aber Probleme mit den aufwändigen Choreografien hat?

Wüster Dann wird er sich nicht bei uns bewerben. Wer singen kann und nicht tanzen will - oder umgekehrt -, der ist bei uns nicht so gut aufgehoben ...

Was hat Sie 2008 bewogen, als studierter Kirchenmusiker und katholischer Familienvater die Leitung eines "schwulen Chors" aus der Domstadt zu übernehmen?

Wüster Als meine Frau und ich 2008 nach Köln zogen, wo ich eine halbe Stelle hatte, habe ich einen zusätzlichen Job gesucht, da wir gerade Eltern geworden waren. Dass ich als einziger heterosexueller Bewerber die Stelle bei den "Zauberflöten" bekommen habe, zeigt, wie tolerant die Sänger sind!

Seit 2011 leiten Sie auch den Männerchor und den Frauenchor in Baumberg; seit 2012 zudem die Chorgemeinschaft St. Michael in Rheydt-Hüchelhoven. Gibt es Synergie-Effekte?

Wüster Ja, wir haben ein gutes Netzwerk! Beim Fauré-Requiem wurde die Chorgemeinschaft von einigen meiner Kölner Männer unterstützt. Und der Baumberger Männerchor hat die "Zauberflöten" zu einer Chor-Matinee eingeladen, bei der dann "Marke Monheim" auf uns aufmerksam wurde. So kommt es nun zu unserem Auftritt am 4. Juni.

Als vierfacher Chorleiter: Was gefällt Ihnen vor allem an der Arbeit mit den insgesamt fast 40 "Zauberflöten"?

Wüster Das Schöne ist, dass nicht alles auf dem Chorleiter lastet, sondern dass wir für jeden Bereich eine eigene Arbeitsgruppe haben - von den selbst geschriebenen Texten und musikalischen Arrangements über das Catering und die PR bis hin zur Organisation unserer Reisen im In- und Ausland. Bei unseren 22 bis 50 Jahre alten Sängern sind fast alle Berufsstände vertreten - das ist sehr praktisch! Insgesamt haben wir bei den "Zauberflöten" ein sehr familiäres Miteinander. Als meine Tochter noch klein war, durfte sie beim Schlussapplaus immer mit auf die Bühne - quasi als Maskottchen. Wichtig ist mir auch, dass wir musikalische Qualität mit einer Message verbinden. Wir zeigen Flagge für ein faires Miteinander, ohne dass jemand im Fummel über die Bühne läuft.

STEFANIE MERGEHENN STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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