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Langenfeld
Seit 25 Jahren: S-Bahn statt Eilzug

Langenfeld. Seit Mai/Juni 1991 geht es mit der S 6 nach Köln - alternativlos. Von Thomas Gutmann

Der Triebwagen war mit Fähnchen und einer Girlande geschmückt, Bürgermeister Friedhelm Görgens überreichte dem Lokführer einen Blumenstrauß. "Großer Bahnhof" nennt man wohl das, was vor 25 Jahren auf dem Bahnsteig am Katzberg vor sich ging. Mit dabei waren NRW-Verkehrsminister Franz-Josef Kniola und Bundesbahn-Direktionspräsident Hanns Beck. Stadt, Land und Bahn feierten die Jungfernfahrt der S 6 nach Köln.

Bis dahin war für die aus Essen oder Düsseldorf kommende S-Bahn in Langenfeld (Rhld.) Endstation. Seit 1968 war die Posthorn-Stadt an das nördlich gelegene Stadtbahnnetz angebunden, konnten die Langenfelder (und Monheimer) überwiegend im 20-Minuten-Takt recht komfortabel Düsseldorf und das Ruhrgebiet erreichen. Köln dagegen blieb s-bahntechnisch lange Zeit unterentwickelt. Grund: Die Domstadt konzentrierte sich lieber auf den Ausbau des innerstädtischen Verkehrsnetzes, der U-Bahn vor allem. Erst ab den 70er Jahren rückte auch das Umland in den Fokus.

Das Investitionsvolumen war enorm. Allein die dritte Ausbaustufe, die 1991 mit der Verlängerung der S 6 abgeschlossen wurde, ließen sich Bahn und öffentliche Hand rund 900 Millionen Mark kosten. Bestens investierte Mittel, betonte die Bahn zur Feier des Tages: Zusammen mit einer optimierten Vertaktung des Nahverkehrs führe die S-Bahn-Anbindung Langenfelds und Leverkusens an Köln zu einer "explosionsartigen Angebotsverbesserung" in der Region.

Weniger euphorisch beim Festakt gestimmt waren die Langenfelder. Denn eine Woche später zum Fahrplanwechsel Anfang Juni hielt zum letzten Mal ein Eilzug in der Posthorn-Stadt. "Langenfeld (Rhld.)", eine der ersten Stationen im deutschen Eisenbahnnetz, wurde nach 146 Jahren von der Landkarte mit DB-Bahnhöfen gestrichen. Bürgermeister Görgens wies denn auch in seiner Ansprache auf den schmerzlichen Verlust hin - trotz S 6-Verlängerung und neuem Zehn-Minuten-Takt im Berufsverkehr.

Vier Monate später wurden auch die Fahrkarten-, Reisegepäck- und Expressgut-Schalter geschlossen. Der 1845 eröffnete Bahnhof verlor seine öffentliche Funktion, die nun komplett auf den 1989 in Betrieb genommenen "Haltepunkt" einige hundert Meter weiter nördlich überging. Ein Verlust für Eisenbahn-Nostalgiker, aber wohl nicht nur für sie. Ältere Langenfelder wie Paul-Heinz Schwieres, Jahrgang 1938 und in den 50er Jahren in der Bahnmeisterei beschäftigt, erinnern sich noch an Züge, die mit Halt in Langenfeld nach Hannover, Remagen oder Münster fuhren. "1985 hielten noch 50 Züge, die Mehrheit davon täglich", weiß Schwieres.

Auch die frühere Bahnhofsgaststätte und die Wartesäle, einst sogar 1. und 2. Klasse, sind für manche Anekdote gut. Heute beherbergt der nunmehr Alte Bahnhof die Qualisys GmbH, ein Unternehmen für Gefahrstoff-Management. Firmengründer Ingo Henckels gehört das Bahnhofsgebäude. Als Kulturliebhaber veranstaltet er dort regelmäßig vor allem Konzerte. Das nächste in der Reihe "Kursbuch" steht bereits heute an: Ab 19 Uhr spielt eine afrikanische Percussion-Combo (Bahnhofstraße 40, Eintritt frei).

25 Jahre S-Bahn statt Eilzug nach Köln - die Bahn AG verkauft es als Fortschritt. 1967 zwischen Garath und Ratingen-Ost in Betrieb genommen, sei die älteste S-Bahnlinie Nordrhein-Westfalens auf 35 Stationen in sechs Städten gewachsen. "Der besondere Vorteil der S-Bahn", heißt es in einer Pressemitteilung zum Langenfeld-Köln-Jubiläum: "Sie hält auch an kleineren Stationen, holt also viele Menschen fast ,vor der Haustür' ab und bringt sie häufig auch direkt zum Ziel".

Quelle: RP
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