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Langenfeld
Seniorin gibt Führerschein freiwillig ab

Langenfeld. 45 Jahre fuhr Marlene Wilde unfallfrei Auto und kassierte keinen Punkt. Das Auto verschenkte sie an ihren Enkel. Von Valeska von Dolega

Gemeinhin wurde er früher "Lappen" genannt, der graue Ausweis, der die Lizenz zum Fahren war. Aber mit einem "Lappen" hat das akkurate Dokument, das Marlene Wilde präsentiert, rein gar nichts zu tun. Wie neu schaut er aus und als könnte er noch viele lange Jahre gelten. Wenn da nicht quer der Stempel "ungültig" drauf prangte.

"Ich habe mich entschlossen, meinen Führerschein abzugeben", erklärt die gebürtige Hanseatin. Irgendwann im vergangenen Herbst überkam die Metzkausenerin "plötzlich Furcht, das Auto zu chauffieren". Also besprach sich die agile 88-Jährige mit Tochter, Sohn und den Enkeln. "Sie waren alle erstaunt", erinnert sich Marlene Wilde fröhlich. Und ganz besonders durfte sich ein Enkel freuen, "denn nachdem ich meinen Entschluss verkündet hatte, den Führerschein abzugeben, fragte ich: 'Und wer möchte mein Auto haben?'" Den verschenkten Viertürer chauffiert inzwischen Nick, der studiert.

1970 hatte die damals 42-Jährige sich entschlossen, sich zur Fahrstunde anzumelden. "Für die heutige Zeit war ich ja schon steinalt." Was damals Pflichtfahrten waren? "Keine Ahnung. Aber ich habe alles sorgfältig absolviert." Anschließend ist sie 45 Jahre unfallfrei über die Straßen gesaust, nicht einen Punkt hat sie dabei kassiert. Ein Mal ist ihr beim Ausparken ein Malheur unterlaufen, bei dem der Seitenspiegel des neben ihr parkenden Autos in Mitleidenschaft gezogen wurde. "Aber das war alles."

Als "sehr persönliche Sache" beschreibt sie die jetzt getroffene Entscheidung. "Da kann man keinem reinreden", weiß sie. Ihr Freundeskreis war von ihrer Entscheidung "begeistert, aber keiner hat es nachgemacht". Und auch der Mitarbeiter beim Kraftfahrzeugamt "schaute verblüfft, als ich sagte, ich wollte meinen Führerschein abgeben." Er guckte irritiert, fragte zur Sicherheit nach und kommentierte "das ist das erste Mal, dass ich so etwas erlebe." "Aber es war ja auch ein ganz junger Mann."

Ob und wann Senioren ihre Fahrlizenz abgeben sollen, ist ein in der Bevölkerung "heiß debattiertes Thema", sagt ein Sprecher der Polizei. Von Behördenseite aber lehnt sich bislang keiner aus dem Fenster, was altersbedingte Nachprüfungen oder Ähnliches angeht. Wie auch, führt der Polizeibeamte aus. Es gäbe 60-Jährige, die tatterig sind, und 80-Jährige, die mit ihrer Fitness manch 40-Jährigen verblüffen. "Wie könnte da ein allgemeingültiges Reglement getroffen werden?"

In der von der Polizei geführten Statistik waren es 2013 927 Menschen im Alter von über 65 Jahren, die in Verkehrsunfälle verwickelt waren. 2014 waren 890 Menschen über 65 Jahre in Verkehrsunfälle involviert. Ärzte empfehlen, mit zunehmendem Alter regelmäßig Sehkraft, Hörvermögen und Reaktionsfähigkeit testen und überprüfen zu lassen. Und entsprechend vernünftig, also zum Schutz anderer Verkehrsteilnehmer, zu entscheiden, ob man selbst weiter ein Auto lenkt. "Es war die richtige Entscheidung", beurteilt Marlene Wilde ihren Entschluss. Als Nahversorger für Lebensmittel ist der Suppermarkt fußläufig erreichbar "und zur Not liefern die mir auch die Mineralwasserkästen". Muss sie in die Stadt, nutzt sie dafür den Bus. "Das klappt prima."

Ist sie mit Päckchen und Tüten vom Einkauf beladen, gönnt sie sich zur Rückfahrt manchmal ein Taxi. "Und ich gehe wieder viel mehr Spazieren. Das tut mir gut."

Quelle: RP
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