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Langenfeld
Sensationsfund auf der Baustelle

Langenfeld: Sensationsfund auf der Baustelle
FOTO: Gran, Michael
Langenfeld. Auf der Baustelle an der Düsseldorfer Straße wurden Keramikscherben und Knochen aus der Eisenzeit geborgen. Von Stephan Meisel

Die "junge Stadt an alter Straße" ist um einen historischen Fund reicher: Archäologen haben mehrere Urnenteile und Scherben eines etwa 2500 Jahre alten Gräberfeldes geborgen. Auf der Baustelle für die Neubausiedlung am Gartencenter Berghausener Blumentopf hatte Andreas Krömer kürzlich Keramikscherben und Knochenteile entdeckt und das Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) benachrichtigt.

Die aus dem Boden geholten Gefäßteile und menschlichen Knochen seien noch nicht gänzlich ausgewertet, sagt Dr. Erich Claaßen aus der zuständigen Außenstelle Overath der LVR-Bodendenkmalbehörde. "Nach bisherigem Stand sind mindestens sieben Urnengräber zu identifizieren, die aus der Eisenzeit zwischen dem achten und zweiten Jahrhundert vor Christi Geburt stammen dürften."

Ein Beigefäß und eine Urne sind nach Claaßens Worten recht gut erhalten, ansonsten seien aber vor allem Scherben geborgen worden. "Durch den Ackerbau der letzten Jahrhunderte ist das Gelände immer wieder gepflügt worden. Und dabei wurden die meisten Keramikgefäße zerstört." Dennoch gehörten zu den Fundstücken neben Scherben auch verbrannte Knochenreste. Deren genaue Altersbestimmung mittels so genannter Radiokarbonmethode erscheint dem Amtsleiter aufgrund des Zustands der Knochen indes kaum möglich zu sein.

Bei archäologischen Ausgrabungen auf der Großbaustelle zwischen Blumen- und Düsseldorfer Straße wurden Urnenscherben und Knochenreste einer über 2000 Jahre alten Begräbnisstätte geborgen. FOTO: LVR-Amt für Bodendenkmalpflege/stadt

Aufgrund der Spurenlage und mit ihren Kartierungen haben die Archäologen laut Claaßen ein etwa 100 mal 50 Meter großes Gräberfeld nachgewiesen. "Die zugehörige Siedlung wird nicht weit weg gewesen sein." Der sandige Boden und die Terrassenlage in Rheinnähe seien für damalige Siedlungen typisch.

"Eine sehr interessante Geschichte", sagt der Langenfelder Planungsamtschef Stephan Anhalt. "Gut, dass diese von uns vorher dort nicht erwarteten Urnen entdeckt und gesichert wurden." Im Genehmigungsverfahren für die Neubausiedlung waren keine archäologischen Ausgrabungen angeregt worden, da aus der unmittelbaren Nähe nur zwei Einzelfunde bekannt waren.

Doch der ehrenamtlich in der Bodendenkmalpflege engagierte BGL-Ratsherr Andreas Krömer hatte ein gutes Gespür. Als er sich nach den ersten Baggerarbeiten das aufgerissene Erdreich genauer anschaute, entdeckte er Keramikscherben und Knochenreste. Sofort verständigte er die Overather LVR-Behörde, die sich sogleich mit ihren Grabungsfachleuten nach Langenfeld begab und zudem im Rathaus eine Sondierung der gesamten Großbaustelle einforderte.

"Eine archäologische Fachfirma hat das umliegende Gelände abgesucht, aber nichts gefunden", sagt Stadtplaner Tobias Rasch. Sollten bei weiteren Bauarbeiten auf dem Gelände in nächster Zeit Bodenverfärbungen auf mögliche Funde hinweisen, werde die Behörde benachrichtigt.

Claaßen hält es nach eigenen Worten für gut möglich, dass das Landesmuseum Bonn einen Teil der aktuellen Funde als Dauerleihgabe dem Langenfelder Stadtmuseum zur Verfügung stellt. Erst einmal müssen die Denkmalpfleger die Keramikböden und -scherben aber "fachmännisch reinigen und puzzleartig zusammensetzen".

Quelle: RP
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