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Interview mit Torsten Schams
"Sicherheit ist manchmal schwierig machbar"

Interview mit Torsten Schams: "Sicherheit ist manchmal schwierig machbar"
Torsten Schams kam 1989 im Zuge des Zivildienstes zur Feuerwehr. Seit Februar 2015 ist er Kreisbrandmeister. FOTO: Feuerwehr
Langenfeld. Der Kreisbrandmeister schaut zurück auf das ablaufende Jahr, hofft auf einen ruhigen Jahreswechsel und blickt auf 2016.

Herr Schams, ab morgen darf Feuerwerk für die Silvesterparty verkauft werden. Haben Sie da schon mal ein paar Sicherheitstipps?

Torsten Schams In der Advents- und Weihnachtszeit, aber vor allem zum Jahreswechsel haben die Feuerwehren und Rettungsdienste immer eine Menge zu tun. Wir appellieren dringend, nicht in alkoholisiertem Zustand mit Feuerwerk zu hantieren. Böller und Raketen sollten auch nicht unkontrolliert umhergeworfen oder in Fenster oder Balkone geschossen werden. Und Kinder sollte niemand ohne Aufsicht mit Feuerwerk hantieren lassen. Fenster sollten geschlossen und Balkone möglichst brandlastfrei bleiben. Unsere Einsatzkräfte haben den eindringlichen Wunsch, während der Anfahrt oder am Einsatzort nicht mit Böllern beworfen oder beschossen zu werden. Dieser Trend nimmt in den letzten Jahren leider vermehrt zu und gefährdet nicht nur Einsatzkräfte und Fahrzeuge sondern auch den Einsatzerfolg.

Der Trend von Einzelraketen hin zu Böller-Batterien wird stärker. Ist Silvester-Feuerwerk sicherer geworden?

Schams Darüber gibt es meines Wissens keine Statistiken. Wichtig ist aber ein anderer Aspekt: Die Leute sollten nur Feuerwerk mit einer so genannten BAM-Kennzeichnung kaufen. Diese Böller und Raketen sind vom Bundesamt für Materialprüfung hinsichtlich ihrer Sicherheit kontrolliert worden. In einem Punkt sind Batterien wirklich nachteilig: Sie werden meist auf Fahrwegen abgestellt und behindern im schlimmsten Falle sogar die Feuerwehr. Wir können mit den Einsatzfahrzeugen aus Sicherheitsgründen nicht über die Abschusseinrichtungen fahren.

Wie werten Sie in einem ersten Rückblick denn das Jahr 2015?

Schams Auf der Verwaltungsseite gab es mehrere entscheidende Gesetzesänderungen. Das Rettungsgesetz NRW, das über fünf Jahre erarbeitete Gesetz über Brandschutz, Hilfeleistung, Katastrophenschutz, das Notfallsanitäter-Gesetz oder die Umstrukturierung der Ausbildung haben zum Teil gravierende Auswirkungen auf die Feuerwehr in der einzelnen Stadt. Im Kreis haben wir die neue Rettungsdienstschule gegründet, die 2016 an den Start geht.

Und auf der Einsatzseite?

Schams Da sind vor allem die Munitionsfunde zu nennen: Im Oktober tauchte an der Haaner Landstraße ein Weltkriegsblindgänger auf und im Mai musste in Erkrath zu einer Bombenentschärfung ein weites Umfeld evakuiert werden. Im August gab es einen größeren Brand in einem Erkrather Mehrfamilienhaus und Pfingsten einen kritischen Brand in einem Mehrfamilienhaus in Monheim. Ende November hatten wir in Heiligenhaus einen Großeinsatz, nachdem rund 1000 Liter Salzsäure ausgelaufen waren. Und die vielen Einsätze auf der Autobahn 3, insbesondere im Baustellenbereich zwischen dem Autobahnkreuz Hilden und der Anschlussstelle Mettmann, dürfen nicht vergessen werden.

Dort hat es in einem Jahr mehr als 400 Unfälle gegeben.

Schams Ja. Und zu jedem Einsatz mit verletzten Personen oder mit Bandgefahren rücken mit erheblichem Aufwand drei Feuerwehren aus - aus Ratingen, Erkrath und Mettmann. Das ist so vereinbart worden, um jederzeit die Unfallstellen in der gebotenen Zeit überhaupt erreichen zu können. Das ist manchmal sehr schwierig, weil aufgrund der engen Fahrbahnsituation im Baustellenbereich keine Rettungsgassen gebildet werden können. Die erhebliche Logistik für Rettungsdienst und Feuerwehr beinhaltet auch, dass wir sofort einen Rettungshubschrauber anfordern, wenn erste Hinweise darauf hindeuten, dass Personen schwer verletzt worden sein könnten. Somit ist zu mindest sichergestellt, dass ein Notarzt die Einsatzstelle gesichert erreichen kann. Ich muss betonen, dass die Zusammenarbeit dieser drei Feuerwehren auch vor Ort hervorragend funktioniert und ein gutes Beispiel für eine förderliche interkommunale Kooperation im Kreis Mettmann darstellt.

Mit Blick auf den Umbau des Autobahnkreuzes Hilden dürfte dieser Aufwand ja noch einige Jahre länger betrieben werden müssen.

Schams So sieht das wohl aus. Wir haben aber bei der Bezirksregierung auf unser dringliches Problem hingewiesen. Und es sind Gespräche geführt worden, wonach die Belange von Rettungsdienst und Feuerwehren künftig größere Beachtung finden sollen.

Immer wieder ist zu hören, dass die Feuerwehren nur schwer geeignete Mitarbeiter finden. Wie sieht es da im Kreis Mettmann aus?

Schams Da macht der Kreis keine Ausnahme. In den Städten muss auf Basis des jeweiligen Brandschutzbedarfsplans geklärt werden, wie Sicherheit und Schutzziele erreicht werden sollen. Hauptamtliche Kräfte sind immer verfügbar, kosten aber mehr Geld. Das Ehrenamt ist da günstiger, nur ist heutzutage die Verfügbarkeit von Freiwilligen nicht immer gegeben, weil sie oftmals auswärts arbeiten. In den kleineren Städten wie Heiligenhaus und Wülfrath müssen die Schutzziele überwiegend mit freiwilligen Kräften erreicht werden, in anderen Städten gelingt das aufgrund der Größe nicht. Dort funktioniert das nur in einer vernünftigen Kooperation aus hauptamtlicher und freiwilliger Wehr. Derzeit bemühen wir uns landesweit, das Ehrenamt weiter zu stärken. Immerhin macht es ca. 90 Prozent aller Brandschutzkräfte in NRW aus.

Wenn Sie für 2016 einen Wunschzettel schreiben könnten, wie sähe der aus?

Schams (lacht) Das wird eine lange Liste. Kernpunkt ist der Bau einer neuen Kreisleitstelle für alle zehn Städte. Es könnte auch versucht werden, die historisch einmalige Chance zu nutzen, neben einer Rettungsdienst- auch eine Feuerwehrschule zu gründen, die im Kreis Mettmann fehlt und die sich fast alle Wehren im Kreis wünschen.

Die neue Kreisleitstelle soll für alle Städte sein. In Haan zum Beispiel hält sich der Widerstand gegen eine solche Zentrale. Werden Sie da noch eine Werbetour unternehmen?

Schams Der Kreis ist gesetzlich verpflichtet, eine Leitstelle für alle kreisangehörigen Städte zu bauen und zu betreiben. Er will und kann niemanden rechtlich zur Aufschaltung des Notrufes 112 auf die Kreisleitstelle zwingen. Aber unser stetiges Bestreben ist es, die Leitstelle hinsichtlich ihrer qualitativen und wirtschaftlichen Auslegung so zu betreiben, dass es für den Bürger, aufgrund der qualitativen Verbesserungen, Sinn macht und die Städte sich somit vernünftiger Weise gern aufschalten.

RALF GERAEDTS STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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