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Langenfeld
Sie fordern den Erhalt der Johanneskirche

Langenfeld: Sie fordern den Erhalt der Johanneskirche
Für den Erhalt der Johanneskirche und des Gemeindezentrums sammeln (v.l.) Walter Kirch, Gerd von Piwkowski, Erich Jacobi, Gerlinde Schwebke, Bertram Friese, Ingeborg Moldenhauer und Frank Klarmann Unterschriften. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. In der evangelischen Johannesgemeinde regt sich Widerstand gegen den Abriss der Kirche und des Gemeindezentrums. Von Stephan Meisel

Die Würfel scheinen gefallen zu sein. Am 29. Januar 2017 soll der letzte Gottesdienst in der evangelischen Johanneskirche sein, kündigt die Presbyteriumsvorsitzende Karin Seitz an. Sie verweist auf einen einstimmigen Beschluss des Leitungsgremiums im Zuge des selbst auferlegten Sparkonzepts. Dass die im Stadtzentrum an der Stettiner Straße gelegene Kirche danach entwidmet und abgerissen werden soll, bezeichnet Pfarrer Hartmut Boecker als "Verlust für viele Menschen in Langenfeld". Doch jetzt regt sich Widerstand.

Eine in der Johannesgemeinde verwurzelte Gruppe um Chorsänger Walter Kirch und Erich Jacobi sammelt jetzt stadtweit Unterschriften. Sie wendet sich entschieden gegen das Vorhaben, das Grundstück an der Stettiner Straße zu verkaufen und dort künftig lediglich Räume mit einer Gesamtfläche von 160 Quadratmeter für die Gemeindearbeit in der Innenstadt anzumieten. Das Presbyterium hatte sich in der Diskussion über den Sparzwang und damit verbundenen Umbau an den vier evangelischen Standorten nach Kirchs Eindruck nicht für die Belange der Johannesgemeinde eingesetzt. "Für den 7. August planen wir im Anschluss an den Gottesdienst eine Protestversammlung."

Wie er hofft auch sein Mitstreiter Jacobi, der 14 Jahre lang Presbyteriumsvorsitzender war, auf ein Einlenken. "Was wäre das für ein öffentliches Zeichen, wenn sich die evangelische Kirche zum 500-jährigen Reformationsjubiläum 2017 aus dem Stadtzentrum zurückziehen würde?" Zumal sich obendrein die Langenfelder Katholiken mit ihrem neuen Gemeindezentrum neben St.Josef ganz bewusst zur Fußgängerzone hin öffnen werden. Auch für Frank Klarmann sind die Rückzugspläne unbegreiflich. "Im Zentrum halten sich viele Menschen auf, im Einzugsbereich wohnen Tausende. Auch für die neuen Wohngebiete im westlichen Stadtgebiet liegt keine andere evangelische Kirche in erreichbarer Nähe." Der Weg etwa zur Erlöserkirche nach Immigrath sei zu weit, ergänzt Gerlinde Schwebke. "Vor allem für Ältere."

"Die Einschnitte tun mir ja auch leid", sagt Wolfgang Honskamp, Kirchmeister des Presbyteriums. "Aber sie sind das Ergebnis einer intensivst geführten Diskussion." Den harten Sparkurs hatte sich die Evangelische Kirchengemeinde 2014 aus zwei Gründen auferlegt: Erstens ist die Zahl der Protestanten in Langenfeld (derzeit knapp 15.000) und damit die Kirchensteuer-Einnahme rückläufig. Zweitens hatte ein Architekt vor zwei Jahren für die 25 gemeindeeigenen Gebäude einen Sanierungsbedarf von rund drei Millionen Euro errechnet.

Während die Reusrather Martin-Luther-Kirche weitgehend von der Umstrukturierung unberührt bleibt, soll sich nach dem Architektenkonzept an den drei anderen Standorten einiges tun. Neben der Richrather Lukaskirche errichtet die Gemeinde laut Honskamp selber zwei Mehrfamilienhäuser mit etwa 30 Wohnungen; das an die Kirche angrenzende Gemeindehaus wird abgerissen und durch einen kleineren Anbau ersetzt. Das Zentrum an der Immigrather Erlöserkirche mit Gemeindebüro wird gerade saniert und erweitert, ein Aufzug macht es barrierefrei. Und in der Stadtmitte schließlich soll die 1954 errichtete Johanneskirche samt Glockenturm von 1967 abgerissen werden, das Grundstück an einen Investor verkauft werden.

Pfarrer Boecker hält ein Gemeindezentrum an der Stettiner Straße mit Töpferkeller, Schreinerwerkstatt oder Jugenddisco aus Kostengründen für "nicht mehr zeitgemäß". Stattdessen solle die Gemeinde in der Stadtmitte "auf weniger Platz" präsent bleiben, in solch einem Multifunktionsraum auch Gottesdienste feiern. Der Gruppe um Kirch reicht das nicht.

Quelle: RP
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