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Langenfeld
Sie hilft Abhängigen aus der Sucht

Langenfeld. Die Diplom-Psychologin Martina Woocker berät Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen in der Stadtgalerie. Von Martin Mönikes

In ihrer mehrjährigen psychologischen Arbeit hat Martina Woocker zunehmend die Wechselwirkung von "Störungen" im Gefühlsleben der Patienten und dem Risiko von Abhängigkeitserkrankungen erkannt. "Aber erst wenn Vertrauen entstanden ist, öffnet sich der Patient zu solchen Tabuthemen". Das veranlasste die Psychologin zur Weiterbildung an der Katholischen Hochschule NRW, Köln, bei Professor Dr. Michael Klein. Klein ist heute Leiter des Deutschen Instituts für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP).

Verkürzt beschrieben, sind die Abhängigkeitserkrankungen oft Folge einer "Sinnsuche", der Mensch sucht eine (neue) Aufgabe. "Im Privat- wie im Berufsleben brauchen wir Wertschätzung und Anerkennung. Bleiben diese aus, empfinden Menschen oftmals zunehmend ein Gefühl der Leere", erklärt die Psychologin. Die Betroffenen erleben, dass Alkohol wie ein Medikament gegen dieses "Gefühl der Leere" wirkt und positives Empfinden auslöst. So beginnt oftmals ein Kreislauf, in dem das Suchtmittel in immer höherer Dosis konsumiert wird, bis zu einem nicht mehr kontrollierbaren Verlangen. "Substanzabhängigkeit ist keine Willensschwäche", stellt die Psychologin klar. Die Grenze zwischen riskantem Gebrauch der legalen Suchtmittel (Alkohol, Tabak, Medikamente) und Abhängigkeit ist oftmals fließend. Martina Woocker, die dreimal in der Woche im Team der Ärzte in der Praxis in der Stadtgalerie arbeitet, bietet dort jetzt eine Anlaufstelle für Hilfesuchende.

Dr. Christoph Fliegner, der bereits seit drei Jahren in seiner Praxis mit der Spezialistin zusammenarbeitet, schätzt diese Angebotsergänzung, weil die Ärzte in der Regel (nur) die erkennbar werdenden Folgen der Erkrankung behandeln, "wichtig ist jedoch, mit Hilfe von Therapeuten die Ursachen zu erkennen und zu beeinflussen". So könne ein Arzt bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen die schleichende Reduzierung des Lungenvolumens erkennen, aber kaum das Tabak-Suchtproblem des Patienten therapeutisch an der Wurzel packen. Oder dem Patienten, der nachts keinen Schlaf findet, wird aktuell durch ein Medikament geholfen, aber Beruhigungsmittel sind keine Dauerlösung.

"Abhängigkeitserkrankungen sind nicht heilbar", macht Martina Woocker die Grenzen ihrer Arbeit deutlich. Es geht darum, mit therapeutischer Hilfe neue Verhaltensweisen zu lernen, damit umzugehen; das gilt auch für die Angehörigen, die in der Regel mit betroffen sind. "Der Patient muss lernen, mit den Störungen in seinen Gefühlen zu leben, sie zuzulassen, sie nicht weg zu konsumieren." Verzicht auf das Suchtmittel und Therapie sind die Basis, um zufrieden abstinent leben zu können. Den denkbaren Weg aus der Abhängigkeit symbolisiert für die Therapeutin eine tönerne Figurengruppe auf ihrem Schreibtisch, der "Freundeskreis". Menschen stützen sich, "sie sind nicht mehr allein".

Quelle: RP
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