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Langenfeld
Sie telefonieren mit den Einsamen

Langenfeld: Sie telefonieren mit den Einsamen
FOTO: Matzerath, Ralph (rm-)
Langenfeld. Das kirchliche Projekt "Hörmuschel" sucht weitere Ehrenamtler. Von Daniel Gehrmann

In den Worten von Inge Klosterkamp schwingt eine tiefe Rührung mit. "Da fragt mal jemand, wie es mir geht", seufzt die 87-Jährige. In dem Satz klingt die Freude über Aufmerksamkeit und Zuwendung an. Die betagte Dame ist eine von derzeit sechs Nutzerinnen eines "Telefonischen Besuchsdienstes". Initiator des Projektes, das vor fünf Jahren in Rheindorf startete, ist das Diakonische Werk des Evangelischen Kirchenkreises Leverkusen. Vor vier Jahren folgte Reusrath, wo die Initiative "Hörmuschel" heißt. Das Angebot richtet sich an ältere Menschen: Sie können sich bei Annette Echstenkämper melden, ebenso wie Menschen, die sich ehrenamtlich für das Projekt engagieren wollen. Die Verpflichtung, die Einsteiger übernehmen, ist überschaubar: "Schenken Sie einem Gesprächspartner einmal die Woche eine Stunde", so formuliert es Echstenkämper, die als Koordinatorin für die Kirchengemeinde Langenfeld tätig ist.

"Je älter man wird, desto schwieriger wird es, noch Menschen kennenzulernen", erklärt Sabine Rauh von der Besuchsdienst-Zentrale des Diakonischen Werks Leverkusen. "Die Hörmuschel ist eine Möglichkeit, Menschen sanft und niedrigschwellig kennenzulernen." Das nicht konfessionsgebundene Angebot wendet sich an Nutzer und Ehrenamtliche aus ganz Langenfeld. Zu den Helfern gehören Christa Kiwitt und Elke Rohde. "Das ist eine schöne Sache", sagt Kiwitt: "Man lernt durch die Tätigkeit noch etwas Neues kennen. Wir Ehrenamtlichen profitieren ebenfalls von den Gesprächen." Rohde ist auch der Austausch in der Gruppe der Ehrenamtlichen wichtig. Einmal im Monat treffen die beiden sich mit Echstenkämper, um über ihre Erfahrungen zu sprechen. Die Koordinatorin legt Wert auf eine gute Betreuung der Ehrenamtlichen. Das Angebot an Fortbildungen reicht von Stimm- und Sprechtraining bis zum Thema "Umgang mit Trauer und Tod".

Zu den Nutzern gehören Menschen, die eine schwierige Situation in ihrem Leben zu bewältigen haben, auch Leute, die sich einfach nur Gesprächspartner wünschen. "Wir hatten mal einen älteren Mann, dessen Frau unerwartet gestorben war", erinnert sich Rauh. "Der war ganz begeistert, am Telefon mal wieder mit einer Frau sprechen zu können." Die Anrufe können eine Begleitung für eine gewisse Zeit sein, die ein Nutzer in einer bestimmten Lebenssituation in Anspruch nimmt und später wieder aufgibt, wenn er das Gefühl hat, dass er sie nicht mehr braucht. Andere Kontakte bleiben lange bestehen. Echstenkämper vermittelt Ehrenamtliche und Nutzer, die zueinander passen könnten. Sie spricht regelmäßig mit den Nutzern. "Es kommt vor, dass sich mal jemand einen anderen Gesprächspartner wünscht, um auch mal über andere Themen reden zu können." Grundsätzlich aber profitiert das Modell vom langfristigen Kontakt. "Der reißt auch nicht ab, wenn ein Nutzer ins Krankenhaus oder in die Reha geht", versichert Rauh.

Derzeit sucht Echstenkämper Verstärkung. "Wir brauchen dringend neue Ehrenamtliche", sagt sie. Denn das sind für Rauh die beiden Standbeine des Angebots: Das ehrenamtliche Engagement und die durchgehende Betreuung der Ehrenamtlichen durch Koordinatoren.

Quelle: RP
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