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Monheim
Sie will Jugend fürs Theater begeistern

Monheim: Sie will Jugend fürs Theater begeistern
FOTO: Matzerath Ralph
Monheim. Nadine Schüller soll in Monheim eine Lücke stopfen: die Sparte Jugendtheater. Von Thomas Gutmann

Das Kulturprogramm von Marke Monheim kann sich sowohl im Altersheim wie im Kindergarten sehen lassen. Vom "Grüffelokind" bis zum "Don-Kosaken-Chor" ist für alle gesorgt. Für alle? Unterbelichtet ist bisher der Bereich Jugendtheater, auch wenn zumal in der neuen Spielzeit populäre Titel wie die verfilmte Schulkomödie "Frau Müller muss weg" auch jüngeres Publikum in die Aula locken dürften. Die Sparte Jugendtheater verlässlich etablieren soll jetzt ein Neuzugang bei Marke Monheim: Nadine Schüller, Theaterwissenschaftlerin und Dramaturgin, will noch in diesem Jahr eine erste Aufführung speziell für die Jugend nach Monheim holen.

"Geplant sind insgesamt drei Stücke pro Spielzeit", sagt die 39-Jährige, die vor ihrer Elternzeit Chefdramaturgin der Badischen Landesbühne in Bruchsal war.

Ihr schwebt eine Mischung vor aus Schulstoffen wie Goethes "Faust" und Produktionen, die Themen aus der Lebenswelt der Jugendlichen oder aktuelle gesellschaftliche Fragen behandeln. "Dazu zählen zum Beispiel Cyber-Mobbing und Pubertätsthemen wie Liebe, Freundschaft oder die sexuelle Orientierung", erklärt Schüller.

Zum Teil sind das zeitlose Jugendthemen, die den Nachwuchs in Klein- und Großstädten ebenso beschäftigen wie auf dem Land. Nadine Schüller selbst wuchs in einem Dorf im Hunsrück auf. Niederbrombach (Landkreis Birkenfeld) hat kaum 500 Einwohner. Nach dem Abi 1996 studierte sie Theaterwissenschaften und Anglistik in Mainz und Glasgow. Über eine Bühne der schottischen Arbeiterstadt schrieb sie auch ihre Magisterarbeit: "Goethe, Schiller, Hochhuth - das Citizens Theatre und sein ungewöhnliches Programm".

Während des Aufbaustudiums in Dramaturgie arbeitete die junge Deutsche in Glasgow unter anderem an einem Projekt für Kinder aus Zuwandererfamilien: "Pakistani, Inder, aber auch Afrikaner und Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Kosovo waren darunter. Wir haben den ,Glöckner von Notre Dame' auf die Bühne gebracht", erzählt Schüller.

Ihre berufliche Laufbahn führte sie vom Schauspiel Frankfurt (Dramaturgie-Hospitanz), über den Saarländischen Rundfunk und das Deutschlandradio (Hörspielproduktionen) sowie die freie Theaterszene (Wittener Kinder- und Jugendtheater) zum Rheinischen Landestheater in Neuss (Regie-Assistenz) und schließlich nach Bruchsal. Inzwischen wohnt die Weitherumgekommene mit Mann, Sohn (5) und Tochter (1,5) in Grevenbroich.

Da Nadine Schüller ihre halbe Stelle bei Marke Monheim erst im Mai angetreten hat, will sie noch keine konkreten Wünsche für den Jugendtheater-Spielplan nennen. Wohin die Richtung geht, verrät sie aber schon. Gefallen habe ihr zum Beispiel eine "Faust"-Inszenierung der Burghofbühne Dinslaken, die sie in Hagen sah. "Faust wurde von einer jungen Frau gespielt, das Bühnenbild war schlicht, veränderte sich aber durch Drehung vor den Augen des Publikums", berichtet die Fachfrau. Kein "gespieltes Reclam-Heftchen", aber auch nicht "gewollt modern".

In Bruchsal hatte die Programmmacherin unter anderem eine Adaption des Jugendbuchs "Krieg - Stell dir vor er wäre hier" der Dänin Jane Teller im Spielplan. "In dem Stück ist Deutschland nicht das Ziel von Flüchtlingen, sondern kriegszerstörte Heimat. Wie ist das, wenn man gezwungen wird, sein Land zu verlassen, wenn man um sein Leben fürchten muss, die eigene Schwester stirbt? Das Stück dreht die aktuelle Perspektive um", erklärt Schüller.

Als Jugendtheater-Bühne kommt für sie die Aula in Frage, aber auch eine der kleineren Spielstätten wie der VHS-Saal oder das Baumberger Bürgerhaus. Das Sojus hat Nadine Schüller ebenfalls im Blick: "Eine tolle Örtlichkeit. Finde ich gerade für kleinere Aufführungen sehr passend."

Quelle: RP
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