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Langenfeld
So gehen die Helfer auf Flüchtlinge zu

Langenfeld. Doris Sandbrink und Ernst Rindt kümmern sich bereits ehrenamtlich um Asylbewerber, weitere Interessierte wurden im Ratssaal informiert. Von Stephan Meisel

Als vor drei Wochen in der Wiescheider Schulturnhalle Flüchtlingsfamilien einquartiert wurden, da hat Doris Sandbrink (62) nicht lange gezögert. "Ich wohne ganz in der Nähe, bin einfach hingegangen und habe DRK-Mitarbeiter gefragt, ob ich mich nützlich machen kann", erzählt die gerade pensionierte Diplom-Pädagogin. Anfangs brachte sie selbstgebackenen Kuchen vorbei, auch Honig oder Tee aus dem Supermarkt. Doch vor allem wollte sie den Flüchtlingen in persönlichem Kontakt sagen, dass sie in Wiescheid willkommen sind. Letzteres unterstrich sie ("Eine Bereicherung!") im großen Ratssaal bei einem Informationsabend für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer und solche, die es werden wollen.

Im Wechsel mit vier weiteren unentgeltlich helfenden Erzieherinnen und Pädagoginnen sowie einem Abiturienten bringt Sandbrink den in der Turnhalle einquartieren Kindern und Erwachsenen Deutsch bei. "Wir machen das meist aus dem Bauch heraus, manchmal mit Händen und Füßen." In Abstimmung mit DRK-Mitarbeiterin Rosa Cousentino spielen und malen Ehrenamtliche auch mit den Flüchtlingen oder begleiten sie zum Fußballspielen auf dem Wiescheider Bolzplatz.

Im persönlichen Kontakt öffnen sich die oft traumatisierten Asylbewerber, sagt Sandbrink. "Viele haben erlebt, wie Familienangehörige abgeschlachtet wurden." In Anbetracht solcher persönlicher Schicksale empfinde sie es als beglückend zu erleben, wie die aus Syrien, Afghanistan oder Syrien stammenden Menschen ausdrücken, endlich in Sicherheit zu sein. "Das sind oft unglaublich gebildete Menschen, die sich da auf engstem Raum gegenseitig Deutschvokabeln abfragen." Die zusammen 140 Flüchtlinge in Wiescheid und in der Turnhalle des Konrad-Adenauer-Gymnasiums haben noch keinen Asylantrag gestellt. Zur Erstaufnahme als Amtshilfe fürs Land wurden sie kürzlich nach Langenfeld gebracht, wo zudem in den vorhandenen Übergangsheimen etwa 400 Asylbewerber auf den Ausgang ihres Verfahrens warten. "Um die besondere Notlage zu meistern" müssten alle Beteiligten an einem Strang ziehen, sagte Bürgermeister Frank Schneider beim Informationsabend. "Egal ob aus Afrika, Syrien oder vom Balkan: Die Menschen sind hier willkommen." Gut ausgebildete Menschen würden wegen des Fachkräftemangels auch dringend benötigt. Björn Ruthemeyer (DRK) und Christian Nitz (Malteser) lobten im Ratssaal die Hilfsbereitschaft und das ehrenamtliche Engagement vieler Langenfelder. Mangels Lagermöglichkeiten in den beengten Notunterkünften seien Sachspenden zurzeit nicht nötig. Auf schriftlich eingereichte Angebote (Adressen siehe Infobox) werde im Bedarfsfall aber gerne zurückgegriffen. Gefragt seien Geldspenden sowie - ebenfalls möglichst per schriftlichem konkreten Hilfsangebot - Dolmetscher und weitere freiwillige Betreuer.

So wie Ernst Rindt (75), der sich mit viel Herzblut um zwei Männer aus dem Iran und dem Kongo sowie eine siebenköpfige Familie aus Afghanistan kümmert und diese bei Behördengängen begleitet. Im Ratssaal berichtete Rindt über unerfreuliche Erlebnisse in der zentralen Aufnahmestelle des Landes, beispielsweise unnötige Wartezeiten: "Das ist ein organisiertes Chaos!"

Quelle: RP
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