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Monheim
So sieht es hinter den Zirkuskulissen aus

Monheim: So sieht es hinter den Zirkuskulissen aus
Die siebenjährige Lucia tritt im Programm als Schlangenmädchen auf. Nebenbei füttert sie auch gern die Tiere, die mit dem Zirkus Altoff unterwegs sind. FOTO: RALPH MATZERATH
Monheim. Heute startet der Zirkus Altoff sein dreitägiges Gastspiel in Monheim. Die RP hat ihn schon besucht. Von Jeanette Wölfling

Noch ist es ruhig auf dem Monheimer Schützenplatz, wo der Zirkus Altoff sein Zelt aufgeschlagen hat. Die Wohnwagen sind leergefegt, und der gelb-blaue Viermaster steht verlassen da. Die Artisten sind unterwegs, um Werbung für ihre Premiere zu machen. "Am Freitagabend wird es hier ganz anders zugehen", sagt Liana Köllner-Altoff. Die 45-Jährige leitet gemeinsam mit ihrem Mann den Zirkus in der siebten Generation. "Um 17 Uhr startet dann die große Premiere. Dann herrscht hier ein wildes Treiben in traditioneller Zirkusatmosphäre."

30 Stunden vor ihrem Auftritt dösen die drei Bengalischen Tiger, die zum Zirkus gehören, vor sich hin. Es riecht nach Spänen und Heu. Nebenan füttert die kleine Lucia ihr Mini-Pony "Pumuckl". "Ich freue mich schon sehr auf die Vorstellung und bin auch ein bisschen aufgeregt", sagt die Siebenjährige. Im aktuellen Programm tritt sie unter anderem als Schlangenmädchen auf: Mit "unmöglichen" Verrenkungen will sie das Publikum verblüffen. "Wer in den Zirkus hineingeboren ist, der bleibt auch dort", sagt Lucias Mutter Liana. Auch sie ist, seit sie denken kann, mit Leib und Seele dabei. Im Alter von drei Jahren hatte sie ihren ersten Auftritt, wurde damals stolz auf Papas Hand durch die Manege getragen. "Das sind schöne Erinnerungen, die ruft man sich gerne ins Gedächtnis zurück, wenn es gerade mal nicht so gut läuft", meint die ehemalige Seiltänzerin.

Ein Zirkus hat es heute wirtschaftlich nicht leicht. Platzmieten, Strompauschalen und Werbekosten steigen unaufhörlich. Manch ein Unternehmen geht darüber zugrunde, so wie in jüngerer Zeit der Zirkus Probst, der nach Einführung des Mindestlohns aufgab. "Es ist sehr schade, das mitansehen zu müssen. Zirkus, das ist eine Herzensangelegenheit. Unsere Familie investiert sehr viel Zeit und Geld, damit wir unsere Tradition weiter fortführen können", sagt Liana.

Jeden Tag arbeiten die 20 Artisten an ihren Nummern, bauen das Zirkuszelt auf und ab, reisen von einem Ort zum nächsten "Das ist ein 24-Stunden-Job", sagt Liana. Um neben den regulären Aufführungen zusätzlich etwas Geld einzubringen, organisieren die Artisten auch Gastauftritte in Alten- und Pflegeheimen. So werden am 19. August mehrere Akrobaten, Jongleure und Clowns das Peter-Hofer-Haus in Baumberg besuchen. Eine Stunde soll die Vorführung für die Hausbewohner dauern. "Klar ist dieses Angebot für uns eine zusätzliche Einnahmequelle, aber es ist auch einfach schön zu sehen, wenn unsere Zuschauer sich für unsere Künste begeistern können", sagt Liana.

Die aufwendigen Nummern können die Artisten indes nur im eigenen Zelt aufführen. Zu den Höhepunkten des aktuellen Programms zählen das "Todesrad" - spektakuläre Akrobatik -, die Pferdenummer und der Tiger-Dompteur.

"Vordergründig ist die Zirkuswelt schillernd und heile, aber hinter den Kulissen sieht es oft nicht so rosig aus", weiß Liana. Neben finanziellen Problemen habe viele Zirkusse, die mit Tieren arbeiten, mit Vorurteilen und Verurteilungen zu kämpfen.

"Die Tiere wachsen bei uns auf. Unsere Tiger wurden genau wie wir in den Zirkus hineingeboren, die kennen keine freie Natur - wir sind ihr Zuhause." Die Tierschutz-Vorschriften hält der Zirkus Altoff nach eigenen Angaben penibel ein. Das Veterinäramt habe bei den Kontrollen nie etwas zu beanstanden gehabt. "Unsere Tiere sind unser Kapital. Wir würden uns selber schaden, wenn wir sie nicht richtig behandeln würden", betont Liana. "Der Zirkus ist unser Leben. Wir tun alles dafür, dass wir Jung und Alt mit unseren Kunstwerken begeistern können."

Quelle: RP
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