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Monheim
So soll die Altstadt noch schöner werden

Monheim: So soll die Altstadt noch schöner werden
Anett Mesletzky ist bei der Bauaufsicht für das Fassadenprogramm zuständig. FOTO: Matzerath
Monheim. Mit dem Altstadtrahmenplan möchte die Stadt Wohnraum schaffen, die Autos herausdrängen und mehr Grün in den alten Kern zurückholen. Von D. Schmidt-Elmendorff

Nach der erfolgreichen Ansiedlung neuer Gastronomiebetriebe und der Umgestaltung des Alten Marktes hat sich die Turmstraße ihren einstigen Rang als touristisches Glanzlicht zurückerobert - und überstrahlt damit die übrige Altstadt. In den nächsten Jahren möchte die Stadtplanung diese Quartiere aus ihrem Schattendasein herausholen, die chaotischen Hinterhofverhältnisse ordnen, neuen Wohnraum schaffen, wieder mehr dörfliches Grün in den alten Kern bringen und dafür die Autos hinausdrängen. Und sie möchte möglichst viele alte Häuser ins Fassadenprogramm einbeziehen.

Das größte Potenzial für eine gezielte Quartiersentwicklung bietet nach Ansicht der Gutachter des Rahmenplans Altstadt das Areal zwischen Poetengasse und Turmstraße. "Hier gibt es viele nicht genehmigte Neben- und Anbauten, Lager- und Abstellflächen, vor allem viel versiegelte Fläche", sagt Anett Mesletzky, bei der Bauaufsicht zuständig für das Fassadenprogramm. Die meisten Eigentümer nutzten den Raum, um ihr Auto unterzubringen. Die Stadt möchte diesen ruhenden Verkehr möglichst vollständig aus der Altstadt verbannen, damit Raum für Wohnen und Arbeiten entstehen kann. "Wir haben große Parkanlagen an der Bleer Straße und am Sportplatz. An Plätzen mangelt es nicht", sagt Stadtplaner Thomas Waters. Ziel ist, diese Flächen wieder zu entsiegeln, um wieder "naturnahe altstadtgerechte Räume" zu schaffen, etwa begrünte Innenhöfe. Und da eine umfassende Umstrukturierung nicht ohne Grundbesitz funktioniert, hat die Stadt schon mal das ehemalige Post-Gebäude an der Freiheit 8 erworben.

Auch das Kirchgässchen soll als alte Wegebeziehung wieder aufgewertet werden. Der ursprüngliche Verlauf der sich wie ein zerrissener Flickenteppich erstreckenden Anlage ist gegenwärtig kaum ablesbar: Die Übergänge zwischen privatem und öffentlichem Raum verschmelzen: der ein oder andere scheint seinen Vorgarten auf Gemeinkosten erweitert zu haben. In ihrer Einmündung in die Grabenstraße ist die Gasse zu einem großen Parkplatz aufgeweitet. Der dortige Gewerbebetrieb im ehemaligen E-Werk passe langfristig nicht zu dem "altstadtgerechten Ziel einer Wohnnutzung", finden die Gutachter. "Die neue Kita St. Gereon mit ihrer aufgelockerten Fassade steht dafür, was wir erreichen wollen", sagt Waters. "Wir haben uns als Stadt sehr um das Projekt gekümmert." In der Vergangenheit sei das nicht im gebotenen Maß geschehen. Beim Fassadenprogramm muss die Bauaufsicht dicke Bretter bohren, scheint der städtische Zuschuss von maximal 15.000 Euro für viele Eigentümer noch keinen ausreichenden Anreiz zu bieten. "Bisher wurden zehn bis zwölf Projekte umgesetzt, drei bis fünf sind in der Planung", sagt Mesletzky. Eines davon ist die Franz-Boehm-Straße 2: Hier wurden der alte Putz abgeschlagen und erneuert und die Fenstergewände neu gestrichen. Auch das ehemalige Gebäude der Proempeler-Apotheke an der Zollstraße wurde neu verputzt und gestrichen. Mit seiner unansehnlichen dunkelroten Eternitfassade ist das Haus Grabenstraße 39 ein markantes Beispiel für eine "ortsuntypische Überformung" der historischen Fassade. Das winzige Haus steht ebenfalls zur Sanierung an. "Die Monheimer hielten immer große Stücke auf ihre Altstadt - aber erst seit fünf Jahren wird aktiv etwas daran getan" , sagt Waters.

Allein in der Poetengasse sieht er großen Handlungsbedarf: "Hier ist alles wild zusammengewürfelt." Die Bebauung ist nicht nur sehr heterogen, zum Teil sind Häuser und Gärten auch stark vernachlässigt. Als Stadtplaner stößt sich Waters auch an versiegelten Vorgärten und eigenwilligen Grundstückseinfassungen, wo früher einmal Hecken und Holzzäune standen.

Zum Grünkonzept des Altstadtrahmenplans gehört auch, die als Barriere empfunden Baumreihe entlang der Kapellenstraße aufzubrechen. Insbesondere an den einzelnen Stadteingängen sollen daher nicht nur vorhandene Treppen und Rampen ausgebessert werden, sondern auch wieder Ausblicke in die Aue geschaffen werden. "Manchmal reicht es wahrscheinlich, die Kronen etwas aufzuasten. Es muss nicht immer gleich gefällt werden", so Waters. Auch soll etwa die als zu groß empfundene Einmündung Grabenstraße verkleinert und verkehrsberuhigt werden. Das Grundstück auf der Nordseite wird vom Eigentümer neu bebaut, es könnte damit einen "optisch einen Auftakt" bilden, so Waters.

"Die Altstadt ist wie ein Puzzle: Man muss einzelne Teile in die Hand nehmen, polieren und irgendwann ergibt sich dann ein neues Bild", sagt er.

Quelle: RP
 
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