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Monheim
So wichtig ist der Rhein für Monheim

Monheim: So wichtig ist der Rhein für Monheim
Über die Anfänge der Industrialisierung in Hitdorf, Monheim und Baumberg referierte der Historiker Karl-Heinz Hennen vor interessierten Zuhörern. FOTO: RALPH MATZERATH
Monheim. Karl-Heinz Hennen referierte über den Aufschwung in Hitdorf und Monheim (1815 bis 1918). Von Viola Gräfenstein

"Der Rhein war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der die Menschen bewegt hatte, sich hier anzusiedeln und Handel zu treiben", sagte Karl-Heinz Hennen. Der ehemalige Leiter der Monheimer Volkshochschule stellte vor Zuhörern den zweiten Band seiner Stadtgeschichte "Monheim unter preußischer Herrschaft von 1815 bis 1918" vor. Das Buch erläutert, welche Faktoren für die zeitlich versetzte, industrielle Entwicklung der Gemeinden Monheim, Hitdorf und Baumberg ausschlaggebend waren.

Besonders Monheim mit seinen alten Markt- und Zollrechten profitierte davon. Die Gemeinde war Verwaltungssitz und wirtschaftlicher Mittelpunkt. Dann zog Hitdorf nach. "Der östliche Rheinarm, der etwa im Verlauf von Kapellen- und Bleer Straße verlief, verlandete. Das war die Chance für den wirtschaftlichen Aufschwung von Hitdorf", betonte der Historiker. Als schließlich der östliche Rheinarm vor Monheim unschiffbar wurde, konnte sich wegen der günstigen Lage der Hitdorfer Hafen zur rechtsrheinischen Metropole zwischen Köln und Düsseldorf entlang der Rheinschiene entwickeln. "Zugleich gab es von hier günstige Landwege ins bergische Hinterland. Das war eine wichtige Voraussetzung für die Gründung der Tabakfabrik von Johann Peter Dorff im Jahr 1765, die eine über 200-jährige Firmengeschichte hatte", so Hennen. Später kamen 15 weitere, kleine Tabakfabriken hinzu, die zusammen 60 Arbeiter, teilweise in Heimarbeit, beschäftigten. "Es entstand mit den Fabrikarbeitern eine völlig neue Schicht in der Bevölkerung", so Hennen. Der Unternehmer Sigmund Pabstmann ließ sich 1830 in der Gegend nieder. Er gründete einen Holzhandel und ergriff die Tradition des Ziegelbrennens in Hitdorf und Rheindorf. Hinzu kam eine Dampfsägemühle. "Die breit angelegte Streuung seiner Fabrikation und seines Handels war das besondere Kennzeichen des Kaufmanns", so Hennen. Der zweitälteste Sohn des Firmengründers, Joseph Pabstmann, machte aus einer kleinen Braustätte schließlich eine erfolgreiche Brauerei. 1841 war ein besonderes Jahr für Hitdorf. "Da brach ein regelrechter Goldrausch aus", sagt Hennen. Rund ein Dutzend kleine Gewerbebetriebe entstanden und befassten sich mit der Zündholzproduktion. Dazu zählten die Betriebe von Bernhard Salm und Johann Michael Fitzen. Ihnen gelang um die Wende zum 20. Jahrhundert schließlich der Durchbruch zur Großfabrikation. In Hitdorf, als der flächenmäßig kleinsten der drei Gemeinden, waren Einnahmen und Beschäftigungsquote in Gewerbe und Industrie bedeutender als bei den Nachbardörfern. "Den entscheidenden Schritt zur industriellen Produktion in Monheim vollzog Ferdinand vom Berg, der Sohn des Gewerbegründers Heinrich, als er gegenüber dem Pfannenhof an der Turmstraße Ecke Grabenstraße eine moderne Brennerei einrichtete", sagt Hennen. Rund 100 Jahre wurde die Brennerei von den verschwägerten Familien Leist und vom Berg geführt, ehe sie vom Düsseldorfer Unternehmen Meurer & Hoosemans übernommen wurde. Sebald Kippels richtete zusätzlich zu seiner Branntweinbrennerei eine Manufaktur- und Kolonialwarenhandlung ein und gründete eine Wattefabrik. Familie Gethmann kam Anfang des 18. Jahrhunderts nach Monheim. Sie erwarb das Fachwerkhaus an der Kapellenstraße 40 und baute es 1787 aus. Neben der Landwirtschaft wurde mit der Mechanisierung der Krautpresse ein neuer Erwerbszweig eröffnet. 1858 wurde südlich des Wohnhauses ein neues Fabrikgebäude mit einem viereckigen, 15 Meter hohen Schornstein errichtet. "Die Produktpalette wurde neben dem traditionellen Apfelkraut um das Rübenkraut erweitert", so der Historiker. Die Firma existierte bis 1955. Schließlich gab es seit 1847 die Brauerei Peters. Zum Industriebetrieb wurde die Brauerei erst nach dem Neubau an der Biesenstraße 1875/76. "Von den drei Gemeinden war Baumberg in der industriellen Entwicklung zurückgeblieben. Erst 1902 gab es mit der Zweigstelle der Hildener Weberei Kampf & Spindler in einem Neubau an der Berghausener Straße einen ersten Anfang", sagt Hennen.

Quelle: RP
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