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Analyse
So will die Stadt den Lärm ausbremsen

Langenfeld. Verschärfte Tempolimits sind ein Mittel gegen zu viel Verkehrslärm. Spielraum für Geschwindigkeitsreduzierungen gibt es aber meist nur auf Hauptverkehrsstraßen, für die die Stadt Einvernehmen mit dem Landesbetrieb Straßen NRW erzielen muss. Von Thomas Gutmann

Jeder zehnte Langenfelder ist einem nächtlichen Straßenlärmpegel ausgesetzt, der krank machen kann. Das hat ein Gutachten im Auftrag der Stadt ergeben. Nicht zuletzt auf Grundlage dieser Erhebung hat der Rat im Juni einen Lärmaktionsplan beschlossen, wonach Schritt für Schritt möglichst viele der 28 im Stadtgebiet ausgemachten Brennpunkte entschärft werden sollen - durch Temporeduzierungen, aber auch durch bauliche Verbesserungen wie lärmdämpfenden Asphalt.

Tempo 30 dominiert Auf den stadteigenen Straßen in Langenfeld gilt jetzt schon fast überall maximal Tempo 30. "Eine Ausnahme bilden die Richrather Straße und einige Gewerbegebiete, wo 50 erlaubt ist", sagt Franz Frank vom städtischen Verkehrsamt. Auf den übergeordneten Straßen (ab Kreisstraße aufwärts) gilt überwiegend Tempo 50. Schneller fahren darf man zum Beispiel auf Abschnitten der alten B 8 (60 km/h), der Bonner/Ohligser Straße (70 km/h) und den Autobahnen (zum Teil kein Tempolimit).

Das ist bereits passiert Seit voriger Woche gelten an drei Stellen verschärfte Tempolimits: Auf der Bergischen Landstraße zwischen Hardt und Gladbacher Straße sowie auf der Theodor-Heuss-Straße zwischen Richrather und Lindberghstraße 50 statt 60 und auf der Hauptstraße südlich der Tempo-20-Zone ab Wilhelmstraße bis Berliner Platz 30 statt 40. "Die 40 km/h waren eine Besonderheit", erklärt Verkehrsplaner Frank: Sie seien zurückzuführen auf eine 25 Jahre alte Studie der Huk-Coburg. "40 statt 50 - wie wirkt sich das auf die Sicherheit aus? Dies sollte in der Praxis getestet werden", erläutert Frank. Für den Autofahrer sei Tempo 40 aber nichts Halbes und nichts Ganzes. Dass jetzt auf Tempo 30 reduziert wurde, sei deshalb mindestens so sehr der Vereinheitlichung der Tempolimit-Staffelung geschuldet wie der erwünschten Lärmreduzierung.

Wie viel Lärm wird überhaupt vermieden? "Bei einer Temporeduzierung von 50 auf 30 km/h wird der Verkehr um bis zu 2,5 Dezibel leiser. Das ist ein deutlich vernehmbarer Unterschied", sagt Tobias Rasch aus dem städtischen Planungsamt.

Wo wird als nächstes reduziert? Auf der alten B 8 soll der Wert an mehreren Tempo-60-Stellen auf 50 km/h verringert werden, zum Beispiel an der LVR-Klinik. Außerdem soll auf der Solinger Straße von der Rathaus-Kreuzung bis zur Unterführung Hardt nachts Tempo 30 eingeführt werden. "Für beides sind noch Verkehrszählungen nötig, um die Ampeln für die Grüne Welle umprogrammieren zu können", erläutert Frank. Die Stadt hofft, die Anordnung hierfür im Frühjahr geben zu können. Verwirklichen und bezahlen muss sie aber Straßen NRW.

Wo sind die Grenzen? "Bei Kreis-, Land- und Bundesstraßen müssen wir Einvernehmen mit dem Landesbetrieb erzielen", sagt Frank. Im Klartext: Die Stadt muss Straßen NRW überzeugen, dass eine Temporeduzierung sinnvoll, wenn nicht gar notwendig ist. "Bei der Theodor-Heuss-Straße ist uns dies mit Verweis auf Altersheim, Schulen und Kindergärten gelungen", erklärt der Verkehrsplaner. Deutlich dicker fällt das zu bohrende Brett dagegen im Fall Ohligser-/Elberfelder Straße aus, wo sich Langenfeld eine Verringerung von 70 auf 50 wünscht. Diese Pläne gehen der Stadt Solingen und der IHK gegen den Strich: Beide fürchten um die Leistungsfähigkeit des Autobahnzubringers zulasten der heimischen Wirtschaft.

Quelle: RP
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