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Langenfeld
Sparkasse: Filiale fällt Online-Boom zum Opfer

Langenfeld. Die angekündigte Schließung der Zweigstelle Hardt ruft in Immigrath ein geteiltes Echo hervor. Besonders Ältere kritisieren den Schritt. Von Thomas Gutmann

Der drahtige Mittvierziger mit Hirtenhund und Coffee to go spaziert geradewegs an der Sparkassen-Filiale vorbei. Dabei ist er sogar ihr Kunde. "Nach meiner Ansicht gehören die Sparkassen zur sozialen Grundversorgung, aber persönlich ist mir das egal, dass die Filiale hier an der Hardt schließt", sagt Götz Daudert: "Ich erledige sämtliche Bankgeschäfte online." So wie der 43-jährige Immigrather, der seine Brötchen mit dem Verkauf von Gardinen im Internet verdient, halten es immer mehr Kunden der Stadt-Sparkasse Langenfeld. Jeder zweite der rund 26.000 Privatkunden macht nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Geldinstituts inzwischen Online-Banking.

Im Umkehrschluss heißt das: Die Dienste der Angestellten am "Schalter" sind immer weniger gefragt. Zugleich hat die Sparkasse auf ihrer Ertragsseite mit dem Preisdruck der Direktbanken zu kämpfen sowie mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die ihr das Brot- und Buttergeschäft verhagelt (Spar-Kasse!). Aus beidem hat das Langenfelder Institut jetzt eine erste, einschneidende Konsequenz gezogen: die Schließung der Filiale Hardt zum Ende dieses Jahres.

Erhalten bleiben wird den etwa 3000 Kunden dort ein "SB-Standort". SB steht für Selbstbedienung an Computerterminals. "Konkret bedeutet das: Unsere Kunden können Geld abheben und einzahlen, Kontoauszüge drucken, Überweisungen tätigen, ihren Kontostand abfragen sowie ihre Geldkarte und Prepaid-Handys aufladen. Auch der Briefkasten, in den Überweisungsträger eingeworfen werden können, bleibt erhalten und wird regelmäßig geleert", sagt Florian Baumhove vom Privatkundenbereich der Sparkasse. Die "persönliche, ganzheitliche Beratung" werde jedoch nach Richrath verlegt. So wie auch die sechs Mitarbeiter der Filiale an der Hardt in die Zweigstelle am Hans-Litterscheid-Platz versetzt würden.

Anders als Online-Kunde Daudert sieht sich Ilona Storsberg aus Wiescheid durch die Filialschließung im Nachteil. "Ich hab's nicht so mit Computern. Außerdem sind Bankgeschäfte Vertrauenssache, da ist mir der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern schon wichtig", sagt die 67-Jährige. Zumindest für das Abheben größerer Geldbeträge werde sie deshalb künftig vier Kilometer weiter nach Richrath fahren müssen. Dass die Sparkasse angekündigt hat, zwei weitere SB-Standorte einzurichten, neben Berghausen auch in Wiescheid, ist für sie nur ein schwacher Trost: "Die Sparkasse ist schließlich teurer als andere Banken. Dafür erwarte ich möglichst nahegelegene Filialen."

Besonders Kunden jenseits der 50 sehen es an diesem Umfrage-Vormittag ähnlich wie Storsberg. So sagt eine 55-Jährige: "Sogar einer Freundin, die selbst bei der Bank gearbeitet hat, haben Internet-Betrüger durch Phishing das Konto leergeräumt. Online-Banking ist einfach keine Alternative für mich." Für andere wiederum ist der Einschnitt ab Januar nur minimal. "Ich habe ein Schließfach hier, an das ich alle drei Monate ran muss", sagt etwa Selcuk Güney (28) aus Immigrath. Dafür müsse er künftig wohl in die Hauptstelle in der City. "Schade, denn hier an der Hardt kann man leichter und kostenlos parken."

Quelle: RP
 
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