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Analyse
Baumberg muss sich selbst wiederfinden

Analyse: Baumberg muss sich selbst wiederfinden
Voller Einsatz: Kisolo Deo Biskup und Kosi Saka (von rechts) werden mit den Baumbergern versuchen, im Spiel gegen Ratingen 04/19 wieder an die Erfolge aus den ersten fünf Spielen in dieser Saison anzuknüpfen. FOTO: Ralph Matzerath (ARCHIV)
Langenfeld. Der Fußball-Oberligist kam nach 13 Punkten aus fünf Spielen zuletzt ein bisschen vom Kurs ab, holte aus drei Partien nur noch einen Zähler und kassierte dabei neun Gegentreffer. Es gibt ein Bündel an Ursachen dafür, dass die Balance leicht lädiert ist. Von Michael Deutzmann

MONHEIM Sonntag, 13. August, etwa 16.45 Uhr: Der Fußball-Oberligist SF Baumberg (SFB) steigt mit einem 2:0-Sieg beim VfB Homberg in die Saison ein. Überschrift: Baumberg kann jetzt auch verteidigen. Sonntag, 20. August, 16.45 Uhr: Die Mannschaft von Trainer Salah El Halimi gewinnt gegen den SC Düsseldorf-West mit 5:0 und liegt nach dem dritten Spieltag an der Tabellenspitze - mit sieben Punkten und 8:1 Toren. Auch eine Woche später bleibt das Team am 27. August mit dem 1:0 beim VfR Krefeld-Fischeln ohne Gegentreffer und mit dem 2:1 am 10. September beim Cronenberger SC ungeschlagen. Mit der Niederlage gegen die SSVg. Velbert beginnt am 13. September eine neue Phase - 0:4. Es folgt ein 0:0 gegen den TV Jahn Hiesfeld. Dann passiert Sonntag, der 24. September: Um 16.45 Uhr gehen die Sportfreunde mit einer 4:5-Niederlage bei SW Essen vom Platz und rutschen auf Rang sechs zurück. Überschrift: Baumberg verteilt Geschenke. Es gibt Gründe dafür, warum das Team um Kapitän Ivan Pusic aus den ersten fünf Spielen 13 Punkte einsammelte und aus den nächsten drei Spielen nur noch einen.

Die Erwartungen Trainer El Halimi hält die Liga für ungewöhnlich ausgeglichen. Seine Sicht der Dinge: "Wie wir vor Kurzem gestanden haben, war nicht nur in Ordnung. Es war sensationell." Die Konkurrenz, die den Sportfreunden schon vorher viel zugetraut hatte, geizt bisweilen nicht mit Lob. Daraus folgt, dass viele noch mehr von den Sportfreunden erwarten - sogar die Spieler selbst. Und tatsächlich sind die Baumberger ja in der Lage, attraktiven Fußball anzubieten. Die Verantwortlichen haben offiziell "nur" das Ziel ausgegeben, so schnell wie möglich die für den Klassenerhalt vermutlich ausreichenden 40 Zähler einzusammeln. Vielleicht ist das der Punkt: Die richtige Orientierung könnte fehlen. Wozu sind wir in der Lage? Wo wollen wir wirklich hin?

Die Umstellungen Dass Baumberg nach fünf Spielen lediglich zwei Gegentreffer kassiert hatte, war zunächst der Beleg für eine neue Stabilität. Ein vor der Saison entworfener Plan: Die Balance zwischen Abwehr und Angriff soll besser werden. Das klappte phasenweise fast perfekt. In Essen aber wirkte die Defensive vor allem in der ersten halben Stunde total ungeordnet - was natürlich nicht nur daran lag, dass ein paar wichtige Kräfte nicht in der Elf standen. Wer auf dem Platz war, hätte trotzdem halbwegs wach sein können. Außerdem wirkten sich Umstellungen negativ aus. Weil Patrick Jöcks und Maximilian Nadidai nicht einsatzfähig waren, rückte Kisolo Deo Biskup aus dem defensiven Mittelfeld in die Innenverteidigung. Roberto Guirino übernahm nachher die Position des linken Verteidigers. Das gemeinsame Problem: Beide waren stark angeschlagen. Dass nach der Pause der zuletzt fehlende Kosi Saka kam, wirkte sich positiv aus - weil er zu jenen Spielern im Kader gehört, die Niederlagen so ganz und gar nicht mögen.

Die Offensive, Teil eins Baumberg hatte in der vergangenen Saison mit 76 Treffern den drittbesten Angriff der Liga - was viel mit der damals herausragenden Ausbeute von Robin Hömig und dessen 27 Saisontreffern zu tun hatte. Der Mittelfeldmann steht in dieser Saison bei eher normalen drei Toren. Und Hömig ist gemeinsam mit dem eher defensiv verorteten Roberto Guirino sogar erfolgreichster Baumberger. Der gelernte offensive Mittelfeldspieler Ali Daour folgt mit zwei Toren auf Rang drei, den er mit Toni Munoz-Bonilla (Mittelfeld) und Kosi Saka (Abwehr) belegt. Die restliche Ausbeute verteilt sich auf Ali Can Ilbay (Mittelfeld), Lukas Fedler (Innenverteidiger) und Maximilian Nadidai (Abwehr). Anders ausgedrückt: Die Sportfreunde warten noch immer auf ihr erstes richtiges Stürmertor.

Die Offensive, Teil zwei Für die klassische Torjäger-Position stehen in Miguel Lopez-Torres und Jannik Weber starke Spieler zur Verfügung - aber eher sehr theoretisch, weil beide eine lange Pause hinter sich beziehungsweise noch immer vor sich haben. Beim 1:1 Mitte August gegen die TuRU waren die Angreifer zuletzt auf dem Platz, ehe sie sich verabschieden mussten. Jannik Weber (Wade) konnte es immerhin in Essen nach der Pause für gut 20 Minuten probieren. Lopez Torres (Oberschenkel) wäre schon froh, wenn er in Kürze wenigstens vorsichtig ein bisschen was versuchen dürfte. Das einzige Rezept, dass die Mediziner gegen die Entzündung hatten: Bloß nicht zu früh anfangen.

Jenseits aller Forschung nach den Ursachen steht fest, dass die Sportfreunde das 4:5 von Essen und vor allen Dingen die total verschlafene erste halbe Stunde korrigieren wollen. Das wird gegen Ratingen 04/19 kein einfaches Unterfangen sein, liegt aber auch nicht außerhalb jeder Vorstellungskraft. Unabdingbar sind sicher hundert Prozent Einsatz und Leidenschaft von der ersten Minute an. Sonst wird es am kommenden Sonntag gegen 16.45 Uhr vielleicht heißen: Baumberg tritt auf der Stelle. Und das passt bei allen Unwägbarkeiten des Geschäfts nicht wirklich zu dem, was in der Mannschaft steckt.

Quelle: RP
 
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