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Bergmeister chancenlos: Wenn der Dienstwagen zu langsam ist

Lokalsport: Bergmeister chancenlos: Wenn der Dienstwagen zu langsam ist
FOTO: Bob Chapman
Langenfeld. Für den Porsche-Werksfahrer war das sechste Rennen der Saison 2015 in Kanada vom ersten Training an ein aussichtsloser Kampf - und Platz sieben auch eine Enttäuschung. Die Ursachenforschung läuft. Von Michael Deutzmann

Natürlich ist Jörg Bergmeister im Geschäft das, was man einen alten Hasen nennt. Nach mehr als anderthalb Jahrzehnten als erfolgreicher Motorsportler auf den Strecken in der ganzen Welt kennt er sich aus - unter anderem mit den Eigenarten und der Länge von Strecken. So war das auch vor dem sechsten Saisonrennen der US-Serie Tudor United SportsCar Championship im kanadischen Bomanville (Ontario) in der Nähe von Toronto. Da war die Strecke mit 2,459 Meilen vermessen, woraus sich ziemlich genau vier Kilometer ergeben. Und Bergmeister ahnte direkt nach dem ersten freien Training, dass er diesmal nahezu chancenlos sein würde. Den Porsche 911 RSR, an dessen Steuer er sich mit dem Neuseeländer Earl Bamber abwechselte, kam einfach nicht mit. Diese Einschätzung sollte sich später im Rennen zu hundert Prozent bestätigen, denn es reichte nur zum enttäuschenden siebten Platz.

Mit einer Vier-Kilometer-Runde gehört der schnelle Kurs im "Canadian Tire Motorsport Park" in der Nähe von Toronto zu den kürzeren Strecken. Dafür brauchen die Profis der Klasse GTLM ungefähr 1:15 Minuten. Im für die Startaufstellung entscheidende Qualifying (Zeittraining) bekam der Langenfelder Bergmeister mit höchsten Einsatz und vollem Risiko auf 1:15,386 Minuten. Damit landete er bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 188,98 Kilometern pro Stunde und auf Rang sechs - genau 0,557 Sekunden hinter der besten Zeit von 1:14,829 Minuten, die 190,39 Stundenkilometer wert waren. Was für den Alltagsgebrauch nebensächlich ist, entscheidet im Rennen alles. "Das sind Lichtjahre an Unterschied", stellte Bergmeister fest, "wir hatten nie die Geschwindigkeit, die wir uns vorstellen."

Keine der Maßnahmen brachte am Ende einen Schritt nach vorne. "Ich habe immer wieder auf die Daten geschaut. Wir haben sehr viel probiert, aber es hat uns alles nichts geholfen", berichtete Bergmeister. Gegen Ende des Rennens über 2:40 Stunden verlor der Neuseeländer Bamber gelegentlich sogar zwei Sekunden pro Runde, sodass die beiden Werksfahrer vermutlich nur als Achte angekommen wären. Weil aber ein anderes Auto kurz vor Schluss noch die Segel streichen musste, sprang Rang sieben heraus. Die Freude darüber hielt sich aber bei Bergmeister/Bamber in engen Grenzen, zumal der Blick auf die Spitze eher noch mehr Rätsel aufgab. Der Sieg ging schließlich an den Briten Nick Tandy und den Franzosen Patrick Pilet im zweiten von Porsche North America einsetzten 911 RSR. Der Dienstwagen mit der Startnummer 911 hatte genau jene Qualitäten, die Bergmeister im Auto mit der 912 so schmerzlich vermisste.

Die Zeit bis zum nächsten Rennen wird auch zur Ursachenforschung dienen. Bergmeister: "Wir sind intensiv damit beschäftigt, das Problem zu finden." Dass die Analyse erfolgreich sein wird, ist ihm diesmal vielleicht noch etwas wichtiger als ohnehin schon. Schließlich ist die Tudor-Serie am 9. August auf der "Road America" in Elkhart Lake (Wisconsin) zu Gast. "Das ist meine absolute Lieblingsstrecke", betont Bergmeister, "sie ist sehr anspruchsvoll, sauschnell und hat alles - einfach cool." Natürlich hofft er, dass der schnelle Dienstwagen dann wieder auf Augenhöhe mithalten kann. In solchen Rennen ist Jörg Bergmeister schließlich kein alter Hase - sondern einfach ein leidenschaftlicher Motorsportler, der seinen Beruf liebt.

Quelle: RP
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