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Bergmeister rast in Detroit auf Platz zwei

Lokalsport: Bergmeister rast in Detroit auf Platz zwei
FOTO: Porsche AG
Langenfeld. Der Langenfelder Porsche-Werksfahrer erzielte auf dem Stadtkurs nach einem spektakulären Rennen sein bisher bestes Saison-Ergebnis in den USA. Inzwischen dreht sich alles um das 24-Stunden-Rennen am 18. und 19. Juni in Le Mans. Von Michael Deutzmann

Jörg Bergmeister hat es immer eilig. Der Beruf verlangt das so und der Motorsportler kommt dem Wunsch seines Arbeitgebers gerne nach - weil beide die Leidenschaft für die Geschwindigkeit teilen. Nach dem vierten Rennen der WeatherTech Sportscar Championship in den USA blieb dem Langenfelder aber fast noch weniger Zeit als vorher auf dem Stadtkurs von Detroit. Da musste er sich zügig auf dem Weg zu einem kleinen Flughafen machen, wo ein eigens gecharterter Privatjet wartete. Der Porsche-Werksfahrer und ein paar Kollegen stiegen zu und machten sich auf den Weg zu den offiziellen Vortests für die 24 Stunden von Le Mans am 18. und 19. Juni. Die aufwändige Aktion zahlte sich auch aus. Bergmeister kam nach einem Nachtflug zwar erst auf den letzten Drücker und geschlaucht in Frankreich an, aber in sehr guter Laune. Grund dafür war der zweite Platz von Detroit - das beste Ergebnis in der bisher unbefriedigenden Saison fürs Team Parkplace Motorsports (Texas).

Bergmeister, der in der American Le Mans Series (Vorgänger der jetzigen Serie) fünfmal den Fahrertitel gewonnen hat, wollte 2016 im neuen Porsche 911 GT 3 R an die früheren Zeiten anknüpfen - und am liebsten in jedem Rennen so weit wie möglich vorne mitmischen. Die Ergebnisse aus den ersten drei Anläufen fielen jedoch trotz vielversprechender Resultate in Tests, Trainingsrunden oder Qualifyings enttäuschend aus. Bei den 24 Stunden von Daytona wurde das Auto Ende Januar wegen technischer Probleme ebenso nur auf Platz 17 in der Klasse GT Daytona gewertet wie Mitte März bei den 12 Stunden von Sebring (Motorschaden). Dann brachte der Wechsel aus Florida nach Kalifornien Ende April nur einen kleinen Fortschritt und in Laguna Seca den elften Rang. Bergmeisters Urteil damals: "Mit dem Auto sind wir super dabei, aber wir haben Pech."

Jetzt passten in Detroit alle Puzzleteile zusammen - worüber der Langenfelder staunte: "Das ist eigentlich nicht mein Lieblingskurs." Patrick Lindsey (USA) stellte das etwa 500 PS starke Dienstfahrzeug im Qualifying auf den zweiten Startplatz. Nach dem ersten Boxenstopp lag das Auto mit der Nummer 73 auf Rang drei - und Bergmeister machte später als Zweiter reichlich Druck auf den vor ihm fahrenden Niederländer Jeroen Bleekemolen in der Dodge Viper. "Ich glaube, ich habe noch nie auf einem Stadtkurs so gepuscht", fand Bergmeister, dessen brillante Vorstellung der Ferrari-Konkurrent Alessandro Balzan (Italien) auf Rang drei fassungslos miterlebte. Hinterher sprach er dem 40-Jährigen seine Anerkennung aus: "Er hat mir gesagt, dass er glaubt, der schmeißt da gleich sein Auto weg. Aber dann sei ihm eingefallen, wer am Lenkrad sitzt."

Der führende Bleekemolen gab zu, dass er den Druck in jeder Sekunde gespürt habe: "Ich wusste, dass es mit Jörg hinter mir nicht einfach wird." Am Ende konnte Bergmeister die Viper zwar trotz eines beeindruckenden Auftritts nicht einholen, doch der Porsche-Werksfahrer war mit dem Ergebnis einverstanden - was durchaus nicht selbstverständlich ist. Als Zweiter durften Bergmeister/Lindsey etwas später zum ersten Mal in dieser Saison bei der Siegerehrung mit aufs Treppchen und beide hoffen, dass es kein einmaliges Gastspiel bleibt. Den nächsten Anlauf unternehmen sie am ersten Juli-Wochenende in Watkins Glen (New York), das als Sechs-Stunden-Rennen ebenfalls höchste Anforderungen stellt.

Den Aufwand für den Blitztransfer nach Le Mans trieben Bergmeister und Porsche, weil die 24 Stunden der Höhepunkt des Jahres sind und für jeden Motorsportler alleine mit dem Start dort ein Traum in Erfüllung geht. Auch Jörg Bergmeister hat längst das Le-Mans-Fieber gepackt, obwohl er in diesem Jahr bereits zum 15. Mal am Langstrecken-Klassiker teilnimmt. Und Bergmeister weiß, wie sich ein Sieg anfühlt - weil er 2004 in Frankreich gewann und nun natürlich gegen eine Wiederholung nichts einzuwenden hätte. Bereits am kommenden Wochenende beginnen an Ort und Stelle die Vorbereitungen. Und sicher ist, dass es Bergmeister mal wieder sehr eilig haben wird. Der Countdown läuft schon jetzt.

Quelle: RP
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