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Paralympics Johannes Floors
"Das wird mich alles umhauen"

Langenfeld. Für Johannes Floors sind es die ersten Paralympics. Mit 16 hat er sich beide Unterschenkel amputieren lassen, um ein besseres Leben zu führen. Von Thomas Niklaus und Holger Schmidt

Rio de Janeiro Johannes Floors hat seinen ersten Auftritt bei den Paralympics in Rio bereits hinter sich: Im Halbfinale lief er die 100 Meter in 11,34 Sekunden und verpasste das Finale. Seine Vereinskollegen Felix Streng (11,12) und David Behre (11,23) haben den Endlauf hingegen erreicht. Bei Redaktionsschluss stand das Ergebnis allerdings noch nicht fest. Für Floors war das Rennen ohnehin eher als Aufwärmen gedacht. Er ist morgen (19.58 MESZ) wieder mit Behre und Streng auch im Semifinale über 200 Meter am Start.

Er könnte bei den Paralympics der Nachfolger von "Blade Runner" Oscar Pistorius werden. Dabei war für den 21-jährigen Behindertensportler des TSV Bayer noch vor fünf Jahren an Leichtathletik nicht zu denken. Sogar beim Gehen hatte Floors wegen eines angeborenen Fibula-Gendefekts und einer daraus resultierenden Fehlbildung der Wadenbeine und Füße starke Schmerzen. Es kam der Punkt, an dem Floors ein besseres Leben führen wollte.

Nach einem halben Jahr Bedenkzeit entschloss er sich im Alter von 16 Jahren zu einer radikalen Operation: Er ließ sich beide Unterschenkel amputieren.

"Im Endeffekt hatte ich die Entscheidung: Entweder Du hast Dein Leben lang starke Schmerzen und sitzt vielleicht irgendwann im Rollstuhl. Oder Du kannst Prothesen tragen", erzählte der 21-Jährige dem Sportinformations-Dienst und fügte

mit Bestimmtheit an: "Das war DIE Entscheidung meines Lebens. Ich bereue sie nicht."

Zumal er eine "neue Perspektive" bekommen habe.

Floors fing nach der Amputation mit dem Laufen an, "erst hobbymäßig im Park", wie er es umschreibt. Dann wurde es immer professioneller. Es sei "eine glückliche Fügung" gewesen.

2015 wird er dreifacher Junioren-Weltmeister über 100, 200 und 400 Meter und bei den Männern bei seiner Premiere WM-Dritter über 400 Meter und Sieger mit der Staffel. Durch drei Titel bei der EM vor einigen Wochen (200 und 400 Meter sowie 4x100 Meter) katapultierte sich der Leichtathlet endgültig ins Rampenlicht - und bei den Paralympics über 200 und 400 Meter in die Favoritenrolle.

Über 400 Meter (14. September) könnte er Oscar Pistorius nachfolgen, der in London 2012 Gold gewonnen hatte. Doch das Thema sieht Floors gelassen - zumal es in seinem Leverkusener Vereinskollegen David Behre noch einen weiteren Anwärter aus dem DBS-Team gibt. Er hoffe einfach, "dass es ein Deutscher wird. Es wäre grandios, wenn der Titel nach Deutschland käme." Für Floors sei ohnehin schon ein Traum in Erfüllung gegangen, "einmal dabei zu sein".

Er freue sich riesig: "auf die Mentalität, die Leute, die Atmosphäre. Ich denke, das wird mich alles umhauen."

Quelle: RP
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