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Die "Gallier" sorgen für ein rauschendes Fest

Lokalsport: Die "Gallier" sorgen für ein rauschendes Fest
Hauptdarsteller: Nicht nur Trainer Dennis Werkmeister (rechts) und Vinzenz Preissegger hatten nach dem Sieg über Essen was zu feiern. FOTO: Ralph Matzerath (ARCHIV)
Langenfeld. Handball-Drittligist SG Langenfeld spielte im DHB-Pokal beim 26:24 gegen Essen brillant. Auch das 23:36 gegen Leipzig war stark. Von Michael Deutzmann

Der Rahmen war eher bescheiden und viele der ungefähr 500 Plätze blieben frei. Es handelte sich zwar um eine beim Deutschen Handball-Bund (DHB) ganz oben angesiedelte Veranstaltung, doch die Halle Margarethenhöhe des Zweitligisten TuSEM Essen unterschied sich in nichts von vielen normalen Turnhallen. Dabei stand eins der Viererurniere in der ersten Hauptrunde des DHB-Pokals auf dem Programm. Dann betrat aber der Drittliga-Aufsteiger SG Langenfeld (SGL), dem niemand große Chancen eingeräumt hatte, die Bühne. Und das Team von Trainer Dennis Werkmeister verwandelte den Abend in ein rauschendes Fest - durch ein 26:24 (13:13) in seinem Halbfinale gegen TuSEM. Langenfeld kämpfte brillant, schöpfte alle Reserven aus und gewann verdient. Da störte es keinen, dass im Finale gestern gegen den SC DHfK Leipzig aus der Bundesliga die Mittel nicht mehr reichen konnten. Angesichts der Kräfteverhältnisse zog sich die SGL mit dem 23:36 (11:17) trotzdem sehr beachtlich aus der Affäre. Der Drittligist hielt phasenweise stark dagegen und steuerte spektakuläre Höhepunkte bei - wie jenes 14:20 (35.), das Kreisläufer Dustin Thöne unter größter Bedrängnis im Fallen mit dem Rücken zum Tor erzielte.

Nach dem Duell mit dem Zweitligisten konnten die meisten selbst nicht glauben, was gerade passiert war. "Mich muss schnell einer kneifen, damit ich das alles begreife", sagte Rechtsaußen Max Adams. Torhüter Tobias Geske mimte den Zornigen: "Wie doof sind wir, dass wir nicht einen Zehner auf uns gewettet haben. Wir hätten 60 Euro gewonnen." Keeper-Kollege Tobias Joest, der einzige Neue im Kader, wusste spätestens jetzt, dass sein Wechsel vom einstigen Oberliga-Konkurrenten Bergischer HC II zur SGL zumindest kein grober Fehler war. "Das ist megageil. Mir fehlen die Worte", erklärte der Schlussmann, der selbst einen Treffer erzielte. Als TuSEM nach einer Zeitstrafe den Torhüter durch einen zusätzlichen Feldspieler ersetzt hatte, war der Kasten auf der anderen Seite nach einem Ballgewinn leer. Joest erkannte die Situation und erzielte vom eigenen Wurfkreis aus das 20:16 (44.).

Langenfeld war mit dem Ziel angetreten, ein anständiges Ergebnis zu erzielen, sich nicht abschießen zu lassen und vielleicht mal in Führung zu gehen. Sämtliche Wünsche gingen in Erfüllung, zumal Regisseur André Eich nach 40 Sekunden das 1:0 erzielte. Ab dem 4:4 (8.) lief die SGL zunächst hinterher, blieb jedoch jederzeit dran - 4:6 (12.), 6:6 (13.), 9:11 (22.), 11:11 (27.), 13:13 (30.). Schon vor der Pause zeigte Werkmeisters Team echte Gallier-Qualitäten, weil sie dem Kontrahenten in jeder Sekunde entschlossen Widerstand leistete. Mit dem großartigen Start zur zweiten Halbzeit wurde plötzlich sogar der Traum von einer Überraschung Stück für Stück wirklicher, denn Langenfeld legte durch Eich das 14:13 vor (31). Dann wehrte Geske einen Essener Siebenmeter ab (33.), ehe Hendrik Heider (34.) und Dustin Thöne (35.) auf 16:13 erhöhten. Nach dem 19:16 (39.) folgten die Tore von Joest (44.) und zweimal Thöne (45./46.) zum 22:16, ehe ziemlich fassungs- und ratlos gewordene Essener verzweifelt eine Auszeit nahmen.

Die SGL wackelte, weil vorübergehend ein paar Bälle beim Gegner landeten und einige Würfe nicht präzise genug waren - 22:21 (51.), 23:23 (54.), 24:24 (55.). In Überzahl gelang Eich das 25:24 (57.), bevor Essen einen Siebenmeter bekam. Tobias Geske räumte den Platz zwischen den Pfosten für Tobias Joest, der Essens Versuch von Noah Beyer genau 87 Sekunden vor dem Ende abwehrte. Nach einer letzten Auszeit blieb der Drittligist ruhig und sorgte mit Eichs 26:24 eine halbe Minute vor Schluss für die Entscheidung. Es war vollbracht.

Das Finale gegen Leipzig, das in seinem Halbfinale den SV Anhalt Bernburg aus der 3. Liga Nord bezwungen hatte (38:21), wurde gestern Nachmittag nur 19 Stunden nach der Gala gegen Essen zur erwarteten Schwerstarbeit. Für den SGL-Coach stand es vorher fest: "Alles andere als eine Niederlage ist utopisch." Die SGL hielt sich daran nicht lange auf, sondern bot erneut viel Widerstand. Werkmeister fasste seine Gemütslage zusammen: "Ich bin unheimlich stolz auf die Mannschaft." Langenfeld hatte ja tatsächlich eine normale Turnhalle vorübergehend in eine große Bühne voller Leidenschaft verwandelt.

Quelle: RP
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