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Lokalsport
Drahotta gewinnt erste Leverkusener Medaille

Leverkusen/Rio. Der Deutschland-Achter gewinnt Silber. Für die Leichtathleten des TSV Bayer verlief das Wochenende in Rio hingegen eher durchwachsen. . Von Dorian Audersch

Knapp fünfeinhalb Minuten - mehr Zeit blieb dem Deutschland-Achter im Finale nach dem Startschuss in Rio nicht, um den gemeinsamen Traum von der Goldmedaille wahr werden zu lassen. Auch der starke Endspurt, der das überaus angriffslustige Boot der Niederlande im Kampf um Platz zwei knapp auf Distanz hielt, änderte allerdings nichts: Die Dauerrivalen aus Großbritannien hatten die Nase vorn (1,33 Sekunden) und das Flaggschiff des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV) einmal mehr das Nachsehen - wie schon bei den Weltmeisterschaften 2013, 2014 und 2015. Die erste Reaktion fiel entsprechend ernüchtert aus, aber die erste Enttäuschung wich doch noch der Freude über olympisches Silber - auch bei Felix Drahotta (27) vom RTHC Bayer Leverkusen.

Als "schmerzhaft" bezeichnete der Olympia-Routinier, der schon 2008 in Peking und 2012 in London im Zweier ohne Steuermann ruderte, die negative WM-Serie gegen Großbritannien. Erst nach dem letzen Olympia-Triumph 2012 ist er Teil des Achters geworden. Immerhin: Bei Europameisterschaften gab es mit ihm im Boot eine Serie aus vierfachem Gold. Der Sportsoldat kommt gebürtig aus Rostock und startet für den RTHC.

"Man muss akzeptieren, dass die Briten einfach besser waren", sagte Drahotta am Tag nach dem Rennen auf Nachfrage der RP. "Es überwiegt ganz klar die Freude über die Silbermedaille - und nicht die Enttäuschung, dass es nicht gereicht hat." Trotzdem habe er sich bei der Überquerung der Ziellinie im ersten Augenblick geärgert. "Wir hatten uns vorgenommen, zu gewinnen. Das hat nicht geklappt. Fünf Minuten nach dem Rennen war die Freude dafür umso größer als wir realisiert haben, dass wir Silber bei Olympischen Spielen gewonnen haben." Bis zum 22. August ist Drahotta noch in Rio. Jetzt will er sich in Ruhe andere Wettbewerbe anschauen, Gewichtheben und Leichtathletik zum Beispiel. Außerdem will er den Berg Corcovado mit der weltbekannten Christus-Statue hochwandern. "Ansonsten entspanne ich und freue mich, dass die Anspannung jetzt abfällt."

Am Wochenende waren zudem sechs Leichtathleten des TSV Bayer am Start. Ein bemerkenswertes Ergebnis erzielte dabei Siebenkämpferin Jennifer Oeser, die mit 6401 Punkten Rang neun erreichte. "Ich wollte allen zeigen, dass meine Nominierung richtig war", sagte sie nach den Wettkämpfen. "Noch einmal Olympia und dann eine Platzierung unter den ersten Zehn - ich bin glücklich." Es habe sich gelohnt, sich noch einmal heranzukämpfen. Nun neigt sich die Karriere der 32-jährigen Bundespolizistin dem Ende zu. "Ich gebe noch nicht definitiv mein Karriereende bekannt", sagte Oeser, "aber allzu lange werde ich nicht mehr dabei sein. Vielleicht greife ich noch einmal bei der WM 2017 in London an."

Ebenfalls eine beachtlichte Leistung erzielte Konstanze Klosterhalfen. Die mit 19 Jahren jüngste Athletin im deutschen Team ließ sich von der internationalen Konkurrenz sowie der Kulisse nicht einschüchtern und lief die 1500 Meter in 4:11,76 Minuten - Platz sechs.

Es war ein mutiges Rennen der Leverkusenerin, die nach der ersten Runde die Führung übernahm und lange vorne weg lief. Entsprechend strahlte sie beim Zieleinlauf. Wie sie sich vergangene Nacht im Halbfinale geschlagen hat, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Eine neue persönliche Bestleistung gab es für Sanaa Koubaa im 3000-Meter-Hindernislauf. Sie lief von Anfang an schnelles Tempo und kämpfte bis zum letzten Meter um die Finalteilnahme. Für ihren couragierten Auftritt wurde sie mit einer neuen persönlichen Bestleistung von 9:35,15 Minuten belohnt.

Ihr Ergebnis reichte indes nicht für das Finale. So blieb es bei Platz 27 in der Gesamtwertung. Dennoch hat die gebürtige Langenfelderin erreicht, was sie sich vor den Spielen in Rio vorgenommen hatte: "Ich will eine neue Bestleistung schaffen. Wenn das nicht für das Finale nicht reicht, habe ich mir nichts vorgeworfen", war ihre Zielsetzung vor der Abreise. Für die Frauen des TSV Bayer war es also ein durchaus erfreuliches Wochenende - ganz im Gegenteil zu den Männern, die bisher eigentlich auf ganzer Linie enttäuscht haben. "Leider hat keiner von ihnen sein Potenzial voll abrufen können", meint Paul-Heinz Wellmann, Geschäftsführer der Leichtathletikabteilung des TSV. Gemeint ist damit unter anderem Weitspringer Alyn Camara, dessen einziger gültiger Versuch der erste über 5,16 Meter war. Es folgten zwei ungültige Sprünge. Das Finale war damit außer Reichweite für den 27-Jährigen.

Auch bei den Stabhochspringern war "der Wurm drin", wie es Maureen Luginger, Pressesprecherin des TSV Bayer, formuliert. In der Qualifikation für das Finale kam Tobias Scherbarth nicht über 5,60 Meter hinaus und blieb damit unter seinen Möglichkeiten. Der Deutsche Meister benötigte bei seiner Einstiegshöhe von 5,30 Metern zwei Versuche. Vize-Meister Karsten Dilla kämpfte ebenfalls mit der Höhe und übersprang sie im dritten Versuch. Doch bei 5,45 Metern war Endstation, während Scherbarth diese Höhe im zweiten Versuch nahm und zunächst erleichtert war. Für ihn war dann aber bei 5,60 Metern Schluss. Beim letzten Sprung kam auch noch Pech hinzu: Die Latte hüpfte zunächst auf der Halterung und fiel dann doch. 5,45 Meter standen in der Ergebnisliste . Die Bilanz der Frauen sei mit einer Jahresbestleistung (Oeser), einer persönlichen Bestleistung (Koubaa) und einem Platz im Halbfinale (Klosterhalfen) deutlich besser, meint Wellmann. "Wir sind gespannt, was die kommenden Tage bringen.

Quelle: RP
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