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Lokalsport
Ein Jahr Wien: Langenfelder lieben Österreich

Wien/Langenfeld. Der frühere Deutsche Badminton-Meister Oliver Pongratz ist jetzt Nationaltrainer und mit seiner Familie in Maria Enzersdorf zu Hause. Von Michael Deutzmann

Wenn Oliver Pongratz in diesen Tagen eine ruhige Minute findet, landet er immer wieder am selben Punkt: Die vergangenen zwölf Monate sind rasend schnell vorbeigezogen. "Das ist unfassbar", sagt Pongratz, der das deutsche Badminton mit sieben Titeln hintereinander von 1993 bis 1999 entscheidend prägte. In den letzten Wochen des Jahres 2016 verhandelte der ehemalige "Mister Badminton", der als 16-Jähriger ins Rheinland kam und in Langenfeld eine neue Heimat fand, mit dem Verband Österreichs. Ergebnis: Beide Seiten einigten sich auf eine Zusammenarbeit. Am 2. Januar 2017 trat Pongratz seinen Dienst als neuer österreichischer Nationaltrainer an - und führte fortan zunächst eine Fernbeziehung nach Berghausen mit einigen Stipp-Visiten zu Hause. Ehefrau Malene (45) kümmerte sich gleichzeitig als Familien-Managerin um die Kinder Luis (11), Lucas (8) und Lou (1) sowie um die gesamte Organisation des gemeinsamen Unternehmens. Bald waren sich alle einig: So geht das nicht, Entfernung und Aufwand sind zu groß. Die Lösung war schnell klar. Und Ende Juni siedelte die Familie komplett um. Inzwischen wohnen die fünf in einem gemieteten Haus in Maria Enzersdorf (9000 Einwohner) etwas außerhalb von Wien. Kurz vor Weihnachten stellt Oliver Pongratz fest: "Wir bereuen nichts. Der Schritt war richtig."

Die Gedanken werden besonders in den kommenden Tagen immer wieder zurückgehen in die alte Heimat Berghausen - obwohl Oliver Pongratz ursprünglich aus Mindelheim in Bayern stammt (Unterallgäu) und Malene Pongratz Dänin ist. Beiden war von Anfang an klar: "Das wird ein Abenteuer. Und wir müssen dem Ganzen eine Chance geben." Die Umstellung war zunächst für die Söhne Louis und Lukas besonders groß - unter anderem, weil sie sich in der Schule an völlig andere Verhältnisse gewöhnen mussten. Louis besucht seit September das Gymnasium, während Lukas in die 3. Klasse Grundschule geht, die in Österreich "Volksschule" heißt. "Es gibt unglaublich viele Hausaufgaben", berichtet Pongratz, dessen Tätigkeit als Nationaltrainer eine Menge Energie und Einsatz fordert. Dass er genau diese Fähigkeiten und die Hingabe fürs Badminton als Spieler selbst vorgelebt hat, kommt ihn am neuen Arbeitsplatz sehr entgegen.

Wunder konnte der 44-Jährige im vergangenen Jahr erwartungsgemäß nicht vollbringen. Als Cheftrainer ist er zudem nicht nur für die direkte Arbeit mit den Spielerinnen und Spielern verantwortlich, sondern fürs große Ganze. Pongratz ist unter anderem der Ideen- und Konzept-Entwickler, der Österreichs Badminton näher an die europäische Spitze führen soll. "Rein von den Erfolgen her können wir noch nicht so zufrieden sein", findet Pongratz, der die Erwartungen zunächst herunterschrauben musste. Seiner Ansicht nach können Spieler immer nur dann vorankommen, wenn sie über einen längeren Zeitraum professionell und streng leistungsorientiert arbeiten. Der dafür notwendige Lernprozess laufe aber auf Hochtouren: "Wir versuchen an allen Ecken und Ende, etwas anzuschieben." Wer Pongratz kennt, weiß drei Dinge. Erstens war ihm das klar. Zweitens kann ein Neuer selbst mit größter Leidenschaft nicht innerhalb einer vergleichsweise kurzen Phase alles von null auf hundert bringen. Und drittens wird Österreichs Nationaltrainer weiter alles für seine Mission geben.

Die Tage über Weihnachten und den Jahreswechsel gehören ganz der Familie, zu der dann noch der Opa aus Dänemark stößt. "Es war für uns alle ein stressiges Jahr", sagt Oliver Pongratz, "und zum Teil sicher grenzwertig. Zeit ist doch ohnehin etwas sehr Kostbares. Und jetzt wird sie noch kostbarer." Die Tage aller fünf Familien-Mitglieder sind schließlich so intensiv wie früher in Berghausen - was im Moment weiter nur funktionieren kann, weil Malene Pongratz, früher Führungskraft bei einer Bank, derzeit keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Das soll so bleiben, solange es nötig ist. Die mögliche Rückkehr in eine bezahlte Beschäftigung ist trotzdem eins der Themen, die auch in Österreich zu besprechen. Die vergangenen zwölf Monate sind jedoch erst mal rasend schnell vorbeigezogen. An diesem Punkt landen Malene und Oliver Pongratz immer wieder, wenn sie eine ruhige Minute haben.

Quelle: RP
 
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