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Einwurf
Gallier versuchen es wieder

Langenfeld. Um im Bild zu bleiben, weil sich die Handballer der SG Langenfeld (SGL) ja in der 3. Liga in der Rolle der Gallier sehen, die der Legende nach gegen übermächtige Gegner kämpfen und in der Regel trotzdem gewinnen: Die hohe Niederlage in Leichlingen hätte nie und nimmer passieren dürfen. Der in der Klasse etablierte Nachbar trägt zwar den Beinamen "Pirates" - doch die gingen früher stets krachend unter, wann immer sie den Weg der "Gallier" zu kreuzen wagten. Langenfeld hatte diesmal allerdings auch keinen Tropfen jenes Zaubertranks dabei, der außergewöhnlich Kräfte verliehen hätte.

Der Aufsteiger wirkte über weite Strecken blass und harmlos, unter dem Strich lange sogar wie ein Schatten seiner selbst. Viele Aktionen wirkten gegen sehr erfahrene Leichlinger total naiv. "Ich glaube, das war doch eine Frage der nervlichen Belastung. Vielleicht hatten wir manchmal zu viel Respekt", fand Trainer Dennis Werkmeister, dessen Abwehr deutlich zu oft auf simple Täuschungen hereinfiel.

Die SGL wird sich daran gewöhnen müssen, dass es in der 3. Liga allgemein rauer zugeht. Sie wird sich daran gewöhnen müssen, dass keiner sie auf die leichte Schulter nimmt - was im Grunde sogar ein Kompliment für die Leistungen in der vergangenen Saison ist. Sie wird sich an eine Art Zirkus gewöhnen müssen, in der Hallensprecher selbst bei zehn Toren Unterschied permanent auf Spannung machen. Sie wird sich daran gewöhnen müssen, dass die Gegner bisweilen durch permanentes heftiges Gestikulieren jede Schiedsrichter-Entscheidung kommentieren und Zeitstrafen oder Siebenmeter fordern.

Langenfeld wird in erster Linie aber bei sich selbst bleiben müssen. Der Klassen-Neuling wird mehr denn je den überragenden Mannschaftsgeist einsetzen müssen, der in der vergangenen Saison die 3. Liga überhaupt erst ermöglicht hat. Anders ausgedrückt: Die Mannschaft wird lernen müssen, mit dieser ersten und ähnlichen Niederlage umzugehen. Das war - jenseits gefährlicher und verzerrender Euphorie - doch allen Beteiligten auch von Anfang an klar. Ganz nebenbei gibt es natürlich Mannschaften, die sich von einem derartigen Rückschlag vollkommen aus der Bahn werfen lassen. Dann sind es allerdings doch keine Gallier. Die versuchen es beim nächsten Mal wieder. Michael Deutzmann

Quelle: RP
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