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Handball: Dieser Regisseur hat immer eine Idee

Lokalsport: Handball: Dieser Regisseur hat immer eine Idee
FOTO: Matzerath Ralph
Langenfeld. Der Drittliga-Aufsteiger SG Langenfeld darf wieder an den Klassenerhalt glauben. Heute kommt Bayer Dormagen. Von Michael Deutzmann

Natürlich haben manche längst den Rechenschieber herausgeholt. Auch die digitalen Nachfolger des analogen Hilfsmittels dürften in den nächsten Wochen und Monaten beim Handball-Drittligisten SG Langenfeld (SGL) neben dem runden Sportgerät zum täglichen Handwerkszeug gehören. Die große Frage: Kann der Aufsteiger das Abenteuer bestehen und die Klasse halten? Durch das 36:33 gegen den Keller-Konkurrenten TuS Volmetal sind die Aktien wieder gestiegen. Dafür wartet jetzt eine Tour, für die Langenfeld fast Bergsteiger-Qualitäten braucht - denn es geht gegen vier Teams aus der obersten Etage. Der Auftakt heute Abend (17.30 Uhr, Halle Konrad-Adenauer-Gymnasium) gegen den Fünften TSV Bayer Dormagen ist nur der Start zu einer Serie aus der Reihe David gegen Goliath. Nach der Pause über Karneval tritt die SGL beim Zweiten VfL Eintracht Hagen (3. März), gegen den Ersten Neusser HV (11. März) und beim Dritten Longericher SC an (18. März, 18 Uhr).

Dass die SGL wieder ernsthaft an den Klassenerhalt denken darf, war nach den 5:25 Punkten aus der Hinrunde nicht selbstverständlich. Und es hat eine Menge damit zu tun, dass einer ihrer wichtigsten Spieler Beiträge praktisch wie auf Knopfdruck abrufen kann. "Er spielt überragend", bestätigt Trainer Dennis Werkmeister. Gemeint ist André Eich. Der 28-Jährige zieht die Fäden und ist dafür zuständig, die Teamkollegen in Szene zu setzen. Darüber hinaus verfügt Eich über eine hohe individuelle Qualität, durch die er selbst in verzwickten Lagen oft eine Lösung findet.

Eich hat nach der offiziellen Statistik in zwei Bereichen herausragende Werte. Das scheint ihm selbst etwas peinlich zu sein: "Ich bin ein Teil dieser Mannschaft. Wir können nur zusammen Erfolg haben." In der Sprache der Zahlen heißt das, dass Eich die meisten Siebenmeter aller Spieler in der Klasse verwandelt hat - bei 56 von 67 beträgt die Quote immerhin 83 Prozent. In der teaminternen Torschützenliste ist der Spielmacher (108 Treffer) mittlerweile an Tim Menzlaff vorbeigezogen (107), der allerdings keine Siebenmeter wirft. Zusammen bringen es Menzlaff und Eich auf 215 Tore. Das sind nahezu 40 Prozent aller 560 Treffer, die bis jetzt auf dem Konto der SGL zu finden sind.

Wichtige Spieler wie Menzlaff (Leichlingen), Dustin Thöne (Longerich) und Torhüter Tobias Geske (Remscheid) verlassen die SGL nach dieser Saison. Andere wie Andreas Nelte und Matthias Herff wollen sich aus der Ersten verabschieden und in der Zweiten weitermachen. Auch bei André Eich deutete einiges auf Abschied hin. "Ich habe nicht überlegt, zu einem anderen Verein zu wechseln", sagt Eich, "ich habe überlegt, aufzuhören und vielleicht wieder Fußball zu spielen." Dann horchte er mehrmals in sich hinein. Erkenntnis: "Handball macht mir einfach noch zu viel Spaß." Die Einigung mit der SGL war kurz darauf eine reine Formsache.

Die Zukunft darf seiner Ansicht nach gerne auch in der 3. Liga stattfinden und Eich ist fest überzeugt davon, dass die Langenfeld das Potenzial für den Klassenerhalt hat. Richtig ärgerlich fand er dabei das 25:32 kürzlich bei der Ahlener SG. Hätte die SGL in Westfalen gewonnen, stünde sie auf einem Nicht-Abstiegsplatz. "Dass wir den direkten Vergleich verloren haben, ist blöd", weiß Eich, der in diesem Punkt selbst beim 36:33 über den TuS Volmetal einen Makel sieht. Nach dem 26:29 aus der Hinrunde in Volmetal spricht der direkte Vergleich hier tatsächlich ebenfalls gegen die SGL, weil der TuS bei einer gleichen Trefferanzahl (jeweils 62 pro Team) in seinem Auswärtsspiel mehr Tore erzielen konnte.

Über den direkten Vergleich mit Dormagen braucht sich die SGL heute Abend wohl keine besonders großen Gedanken zu machen. Am 15. Oktober war der Klassen-Neuling beim TSV Bayer komplett chancenlos - 26:36. "Damals sind wir ins offene Messer gelaufen", sagt Trainer Werkmeister. Nach dem 8:18 (29.) sah es später in der zweiten Halbzeit nicht mehr ganz so schlimm aus, weil sich die SGL nicht aufgab und Bayer zugunsten von Experimenten nicht mehr alles in die Waagschale warf.

"Ich halte Dormagen für sehr stark", betont Langenfelds Coach, "wir sind wieder der krasse Außenseiter." Die Tatsache, dass der vor der Saison als heißer Titelkandidat gehandelte Kontrahent von der anderen Rheinseite als Fünfter mit 24:16 Zählern inzwischen keine Aufstiegschance mehr hat, ändert daran wenig. Und am vergangenen Wochenende nahm Dormagen vom Zweiten VfL Eintracht Hagen einen Punkt mit (28:28). Unter dem Strich spricht definitiv mehr für eine Langenfelder Niederlage als für einen Sieg - obwohl die SGL in der Rückrunden-Tabelle mit 6:4 Punkten vor Dormagen liegt (4:6). Sollte es jetzt eine Überraschung geben, würden alle Langenfelder sicher liebend gerne ihren Rechenschieber neu justieren. Das Teil gehört bis zum Ende der Saison ohnehin zum täglichen Handwerkszeug.

Quelle: RP
 
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