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Analyse
Handballer können sich nur selbst helfen

Analyse: Handballer können sich nur selbst helfen
Es war einmal: Dass Tim Menzlaff (links vorne), Kapitän Matthias Herff und Henrik Heider (rechts) den Aufstieg in die 3. Liga feierten, ist gerade erst sieben Monate her. Die großartige Saison 2015/2016 mit weiteren Erfolgen scheint trotzdem fast in Vergessenheit geraten zu sein. FOTO: RP-Foto; Ralph Matzerath (Archiv)
Langenfeld. Der Drittliga-Aufsteiger SG Langenfeld hängt am Tabellenende fest - weil er zuletzt keine Steigerung mehr erkennen ließ. Grundsätzlich könnte ein Impuls von außen helfen. Aber eine Trainer-Diskussion wäre schädlich. Und neue Spieler wird es aus finanziellen Gründen nicht geben. Von Michael Deutzmann

Die meisten Spieler des Handball-Drittligisten SG Langenfeld (SGL) werden Herrn Ferdinand Lindemann vermutlich nicht kennen. Der Professor für Mathematik war vor einiger Zeit an der Uni Freiburg tätig und legte am 12. April 1882 den Beweis dafür vor, dass die Quadratur des Kreises unmöglich ist - also die Lösung der Aufgabe, mit Zirkel und Lineal aus einem vorgegebenen Kreis ein Quadrat mit dem identischen Flächeninhalt zu konstruieren. Nach Lage der Dinge spricht aber alles dafür, dass dem Aufsteiger in den weiteren 18 Saisonspielen zumindest etwas Ähnliches gelingen muss. Die 3:21 Punkte reichen derzeit nur zum letzten Tabellenplatz. Schwierig: Die Tendenz stimmt nicht und es ist kein echter Fortschritt zu erkennen. Zuletzt verpasste das Team von Trainer Dennis Werkmeister mit dem 24:28 bei der nicht überragenden SG Ratingen die Gelegenheit, etwas für sich selbst zu tun. Physiotherapeut Richard Hofmann hatte danach eine Idee, über die es sich nachzudenken lohnt: "Jetzt müsste ein Impuls vom Verein kommen." In dieser Aussage sind zwei Möglichkeiten enthalten: Entweder es gibt die eine oder andere Neuverpflichtung, um das Team zu verstärken - oder der Trainer wird freigestellt.

Dass Langenfeld eine Trainerdiskussion führen könnte, wäre unangebracht und nicht zielführend. Dabei wäre Werkmeister, der vor einigen Wochen seinen Ausstieg zum Ende der Saison mitgeteilt hatte, zu einem vorzeitigen Abschied bereit - wenn es dem großen Ganzen dient, an dem er mit so viel Leidenschaft hängt: "Wenn ich der entscheidende Faktor werde, könnten wir uns zusammensetzen. Natürlich." Anders ist es mit der möglichen Forderung nach zusätzlichen Spielern: "Die wird von mir sicher nicht kommen. Und ich weiß auch gar nicht, ob das so sinnvoll wäre, jetzt diesen oder jenen Spieler zu holen."

Der stellvertretende Handball-Abteilungsleiter Uwe Stolley, der als einer der ganz wenigen Entscheidungsträger im Verein oft eng bei der Mannschaft ist, mag nicht im Geringsten an eine Trennung vom Trainer denken: "Es sind Dennis und genau diese Mannschaft, die es verdient haben, in der 3. Liga zu spielen." Gleichzeitig räumt er ohne großes Zögern ein, warum Nach-verpflichtungen von Spielern bei der SGL nicht realisierbar sind: "Für neue Leute haben wir kein Geld." So war es ja bereits vor dem Beginn der ersten Drittliga-Saison in der Langenfelder Handball-Geschichte. Da stand vorübergehend sogar auf der Kippe, ob die erste Mannschaft das Recht zum Aufstieg wegen der damit verbundenen höheren Grundkosten (Kampfgericht, Schiedsrichter, Reisekosten) überhaupt wahrnehmen kann. Als einzige Ergänzung des Kaders von außerhalb kam der junge Solinger Torhüter Tobias Joest vom früheren Oberliga-Konkurrenten Bergischer HC II.

Trainer Werkmeister ist noch immer mit Herzblut vorbei. Und er hat deshalb eine klare Forderung: "Wir dürfen den Mut nicht verlieren. Ich glaube, viele haben ein Kopf-Problem." Uwe Stolley sieht es ähnlich: "Der Kopf ist nicht frei." Dass ein Ende der Niederlagen-Serie möglich ist, bestätigt Sebastian Bartmann vom vergangenen Gegner Ratingen. "Natürlich kann es Langenfeld noch schaffen. Und ich gönne es ihnen. Das sind sympathische Jungs - die irgendwann ein Spiel gewinnen, mit dem keiner rechnet."

Ebenfalls gut rechnen kann Ratingens Manager Bastian Schlierkamp, wie seine Einschätzung zur SGL zeigt. "Ich glaube, wenn sie ihre Eingespieltheit und ihre Bestform wiederfinden, können sie die Klasse halten. Wenn du die Mittel nicht hast, um die Mannschaft zu verstärken, musst du eben am oberen Limit spielen." Das war bei den Langenfeldern zuletzt selten der Fall. Die Mannschaft konnte weder beim 28:35 in Baunatal noch beim 26:35 gegen den Longericher SC oder jetzt in Ratingen nachweisen, dass sie im Bereich Fortschritt unterwegs ist. Wenn sie das nicht abstellt und wenn sie nicht zur alten Euphorie zurückfindet, werden nicht mehr viele Punkte auf dem Konto landen. Das ist eine sehr einfache Rechnung, für die niemand Kenntnisse in höherer Mathematik braucht.

Quelle: RP
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