| 00.00 Uhr

Rheinische Meisterschaften
"Jedes Turnier braucht ein verrücktes Team"

Rheinische Meisterschaften: "Jedes Turnier braucht ein verrücktes Team"
Herr der Hindernisse: Turnierleiter Rolf-Peter Fuß freut sich sehr, dass es heute bei den Rheinischen Meisterschaften losgeht. Mit dabei ist auch die Rheinische Post, die als Sponsor die zweite Wertungsprüfung der Jungen Reiter (S-Springen/ein Stern) am Samstag um 11.30 Uhr unterstützt. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. Der Vorstand des Pferdesport-Verbandes, Rolf-Peter Fuß, sieht die Rheinischen Meisterschaften der Reiter auf Gut Langfort als echtes Top-Ereignis.

Er ist der Chef auf Gut Langfort - und mit Leib und Seele dem Reitsport verfallen. Rolf-Peter Fuß, der gebürtige Duisburger aus dem Jahrgang 1954, der in Hilden aufgewachsen ist und nun in Erkelenz wohnt, ist als Vorstand des Pferdesport-Verbandes Rheinland (PSVR) der Hausherr. Auch jetzt bei den Rheinischen Meisterschaften von heute bis Sonntag auf Gut Langfort laufen bei ihm wieder die Fäden zusammen, denn Fuß ist als Turnierleiter schon seit Langem für die Veranstaltung verantwortlich. Im Interview äußert er sich zum Reiz des Turniers, zum sportlichen Wert und den Veränderungen in den vergangenen Jahren. Außerdem wagt er einen Ausflug zum Fußball und legt sich darauf fest, wer den Europameistertitel holt: Deutschland.

Warum ist Gut Langfort das richtige Zuhause für die Rheinischen Meisterschaften?

Fuß Ganz einfach, weil wir hier im Pferdesportzentrum Rheinland optimale Möglichkeiten haben und wir sowohl für Breiten- als auch für Spitzensport die besten Bedingungen bieten können.

Was macht den Reiz dieses Turniers aus?

Fuß Die hochklassige Qualität der Sportler, weil wir hier wirklich den besten Sport und die besten Sportler des Rheinlands am Start haben. Von daher ist Spannung garantiert.

Warum sollen Menschen kommen, die keine Experten und noch nicht so dem Reitsport verbunden sind?

Fuß Erst einmal hat das Pferd ja für alle, auch für Nicht-Sportler, eine gewisse Faszination. Aber wir bemühen uns, nicht nur den Sport in den Vordergrund zu stellen, sondern wir haben ja auch eine Shopping- und Schlemmermeile, die den Reitern - und natürlich den Nicht-Reitern - eine Möglichkeit bietet, sich hier umzusehen. Und wir haben eine ganze Menge für Kinder mit einem entsprechenden Programm. Hier ist unter anderem natürlich das Ponyreiten zu nennen.

Sie sind seit vielen Jahren als Turnierleiter dabei. Wie viel ist Job und wie viel ist Leidenschaft?

Fuß Ich bin seit knapp 40 Jahren beim Pferdesportverband angestellt und tätig. Diese Tätigkeit richtet sich ja an Menschen, für die der Reitsport das Hobby ist. Von daher haben wir nicht nur normale Arbeitszeiten innerhalb einer 40-Stunden-Woche. Man muss einen gewissen Idealismus mitbringen, um diesen Job auszuüben. Wie das prozentuale Verhältnis ist, will ich gar nicht groß sagen. Unterhalb der Woche ist es eben mehr Job, am Wochenende ist es mehr Leidenschaft und Idealismus. Auf die Uhr zu schauen, wäre schädlich. Wir arbeiten für Menschen, die ihr Hobby außerhalb normaler Geschäftszeiten ausüben.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Turnierleiter? Sind Sie ein Teamplayer?

Fuß Ein Leiter ist der, der den Kopf hinhalten muss. Er braucht aber ein gutes Team - und er muss darin Leute haben, die mindestens genauso verrückt sind wie er selber. Ich bin stolz auf mein Team, das in den Jahren hier auch nicht auf die Uhr guckend mitarbeitet und dafür sorgt, dass Sportler und Zuschauer einen entsprechenden Rahmen bekommen. Dabei muss es immer einen geben, der das Sagen hat. Ich versuche natürlich, mich bei den einzelnen Entscheidungen mit meinen Leuten zu beraten, deren Meinung einzuholen. Man muss nicht alles aufoktroyieren, wobei ab und zu schon ein klares Wort gefordert ist.

Welchen Top-Reiter würden Sie gerne mal auf Gut Langfort sehen?

Fuß Das ist sehr schwierig, ich will da keine großen Namen nennen. Wir haben sie ja alle schon einmal hier gesehen - auch die wirklichen Top-Reiter, die nachher um Europa- oder Weltchampionate mitreiten. Die haben natürlich eine etwas andere Planung. Nicht immer passen die Rheinischen Meisterschaften in diese Planung hinein. Das verstehe ich.

Was hat sich mit den Jahren geändert? Ist es schwieriger geworden, an Sponsoren zu kommen?

Fuß Der Zahn der Zeit ist immer dabei und natürlich ändert sich immer irgendetwas. Um an Sponsoren zu kommen, bedarf es immer großer Anstrengungen. Es ist wichtig, dass wir die Sponsoren, die wir haben, zufriedenstellen. Es gibt heutzutage keiner Geld, weil er unbedingt Geld loswerden will. Er will auch einen gewissen Benefit davon haben. Wir sind nicht unzufrieden. Wir haben es in den vergangenen Jahren geschafft, die Veranstaltung mit einem ausgeglichenen Ergebnis zu fahren. Darauf sind wir stolz, denn wer so etwas schon einmal versucht hat, weiß - das ist eine echte Aufgabe.

In welchen Größenordnungen bewegen sich die Rheinischen Meisterschaften?

Fuß Das ist im sechsstelligen Bereich, was Kosten und dergleichen angeht. Helfer brauchen wir 80 bis 90, um an den vier Tagen entsprechend den Sport und den Ablauf gewährleisten zu können. Das Gewinnen von Helfern geht, da haben wir keine allzu großen Probleme. Darüber sind wir froh, obgleich wir auch an dieser Stelle eine gewisse Gegenleistung bieten müssen, indem wir mit den Helfern Veranstaltungen besuchen oder Feste machen.

Wie beurteilen Sie die Lage der rheinischen Reiterei?

Fuß Wir sind sicher führend in der Bundesrepublik. Wir haben tolle Reiter in allen Disziplinen. Von daher sind wir sehr zufrieden, was nicht heißt, dass wir uns zufrieden zurücklehnen können. Was Jugendförderung und Leistungssport-Förderung angeht, müssen wir immer wieder am Ball bleiben.

Gibt es Favoriten für das Turnier?

Fuß Natürlich. Da wir ja mit unserer Meisterschaft mit einem für den normalen Turniersport nicht alltäglichen Konzept arbeiten, ist es aber mit den Favoriten nicht immer so leicht. Wir haben drei Prüfungen an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Wer nach dem ersten oder zweiten Tag vorne liegt und dann in die dritte Wertung muss - da spielen schon mal die Nerven eine Rolle. Da will ich mich jetzt nicht festlegen. Nachher kann ich ja immer sagen, ich habe es doch gleich gewusst.

Haben Sie eigentlich den Termin nach dem Fußball gerichtet? Und wer wird Europameister?

Fuß Wenn wir das auch noch berücksichtigen müssten, wird es ganz schwierig. Wir orientieren uns an den Ferien in NRW, weil wir hier in der Landes-Reit- und Fahrschule ein Ferienprogramm haben. Damit verdienen wir ein wenig Geld. Das würden wir nicht tun, wenn wir mitten in den Ferien die Meisterschaften machen. Wir wissen, dass am Samstag um 21 Uhr Deutschland gegen Italien spielt. Und wir haben am Samstag unseren Dinner-Abend und eine Kür auf dem Hauptplatz. Die wird bis um 21 Uhr beendet sein. Dann werden wir Fußball sehen - auf der Groß-Leinwand oder wie auch immer. Wir werden natürlich Deutschland die Daumen drücken und die grün-weiße Fahne mit der schwarz-rot-goldenen tauschen. Europameister wird Deutschland, ganz klar, ohne Frage. Man muss einfach dran glauben.

MICHAEL DEUTZMANN FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Rheinische Meisterschaften: "Jedes Turnier braucht ein verrücktes Team"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.