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Kampfkunst stärkt das Selbstvertrauen

Lokalsport: Kampfkunst stärkt das Selbstvertrauen
Ken Berendes lehrt Wing Tsun. Der 27-Jährige ist "Sifu", was "Väterlicher Lehrer" bedeutet. FOTO: Ralpf Matzerath
Langenfeld. Wing Tsun ist eine Unterart des Kung Fu. Ken Berendes lehrt den chinesischen Sport in einer eigenen Schule. Von Isabel Klaas

Beim Wing Tsjun ist alles erlaubt: treten, schlagen, schubsen, ja, sogar Knochen brechen. Anders als beispielsweise beim Boxen gibt es keine Regeln. Denn Wing Tsjun, eine chinesische Kampfkunst-Art und Unterart des Kung Fu, wird zur Selbstverteidigung eingesetzt. "Nein, eine Wettkampfsportart ist das nicht", sagt Trainer Ken Berendes, "das wäre viel zu gefährlich. Dann hätten wir bald keine Mitglieder mehr." Berendes ist 27 Jahre alt, besitzt eine eigene Wing Tsjun-Schule in Leverkusen und ist als Trainer für den Dachverband in Langenfeld tätig.

Kürzlich bekam er von seinem Verband den Titel "Sifu" verliehen. Das bedeutet soviel wie "Väterlicher Lehrer". Angesichts des schmalen, aber drahtigen jungen Mannes mit dem modisch nach oben gestylten Haarschopf verleitet der Titel ein wenig zum Lächeln. Doch Berendes hat es in sich. Als Angreifer sollte man ihm nicht in die Quere kommen. Reflexartig verwandelt er jedes Zugreifen und Festhaltenwollen in effektive Knebelgriffe, die für das Gegenüber äußerst schmerzhaft und verletzend sein können. Auch wenn Berendes mit 1,84 Meter gerade mal 74 Kilo auf die Waage bringt - also kein Kraftprotz ist. "Zu viele Muskeln wären nur im Weg", sagt er. Für Wing Tsjun ist keine Kraft erforderlich, nur Technik und Körperspannung, erklärt er. "Es gibt 15 Basics oder Abwehrkniffe, mit denen sich sogar zarte Mädchen gegen gestandene Männer zur Wehr setzen können", versichert der Profi.

Nicht umsonst sei Wing Tsjun Pflichtfach bei der Polizei. Berendes selbst schult Kräfte des Ordnungsamtes, des Rettungsdienstes und der Feuerwehr in Langenfeld in dieser Technik. In Mettmann sind es Angestellte der Kreiskasse, des Asylamtes und der Führerscheinstelle, die er mit Wing Tsjun in die Lage versetzt, sich effektiv gegen Übergriffe zu verteidigen. In Schulen und Kindergärten zeigt der "Sifu" den Kleinsten, dass auch sie sich gegen Erwachsene behaupten können. Dabei ist natürlich nicht wildes Drauflosprügeln angesagt. Sondern erst einmal, ein Gefühl für den eigenen Körper und die eigenen Möglichkeiten zu bekommen. Zu wissen, wie man potenzielle Helfer auf sich aufmerksam macht, ist zum Beispiel wichtig. Dann steht körperliche Fitness au dem Programm: Gleichgewichtstraining, Rückwärtslaufen, Purzelbäume schlagen, Hampelmann üben. Später geht es mit Helm, Tiefschutz sowie Körperpanzer auf die Matte, um Knebelgriff, Schwinger und Kettenkampfstöße zu lernen. Bei Letzterem lässt man die Fäuste maschinengewehrartig nach vorne schnellen.

Beim Erwachsenen-Training werden Gefahrensituationen so realistisch wie möglich nachgestellt. "Das kann schon mal Stress sein und geht auf die Pumpe", sagt der Profi. "Eine klassische Boxbude sind wir aber nicht. Und wer hier trainieren will, um andere verletzen zu können, fliegt raus." Übrigens gibt es auch Grenzen der Selbstverteidigung mit Wing Tsjun. "Hat der Angreifer eine Waffe, sollte man immer die Flucht ergreifen, wenn man keine Verletzung riskieren will."

Wing Tsjun kann aber auch reines Fitness-Training sein, das regelmäßig von Jung und Alt betrieben wird. In Langenfeld machen das rund 200 Sportler. Einer, der seit 1995 regelmäßig in den Räumen an der Kronprinzstraße trainiert, ist Patrick Hermanspann aus Langenfeld. Für den 46-jährigen Telekom-Manager ist Wing Tsjun ein wichtiger Ausgleich zum stressigen Beruf. "Man hält Körper und Geist fit und beweglich", sagt er. "Die Faszination dieses Sportes liegt für mich im Zusammenspiel von Technik und Bewegung." Wenn es ihm sein Berufsalltag erlaubt, ist er zweimal pro Woche im Trainingsraum. "Sehr schön ist hier auch der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe", sagt er.

Quelle: RP
 
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